Zahnstein ist bei Hunden ein weit verbreitetes Problem, das oft unterschätzt wird. Wird Zahnstein nicht rechtzeitig erkannt und entfernt, können Zahnfleischentzündungen, lockere Zähne und sogar schwerwiegende Erkrankungen die Folge sein. Daher ist es wichtig, frühzeitig Maßnahmen zur Vorbeugung zu ergreifen.

 

Wie entsteht Zahnstein?

Bei der Nahrungsaufnahme bleibt stets eine dünne Schicht von Futterresten auf den Zähnen zurück. Diese verwandelt sich in Verbindung mit Bakterien und Bestandteilen des Speichels zu Zahnbelag, genannt Plaque. Die weiche Schicht ließe sich problemlos mit Hilfe einer Zahnbürste entfernen. Doch zu dieser greifen nur die wenigsten Hundehalter. Dementsprechend kann sich der Zahnbelag mit Mineralstoffen aus dem Speichel verbinden, wodurch er immer härter und schließlich zu Zahnstein wird.

Besonders häufig entsteht Zahnstein an den Außenseiten der Backenzähne im Oberkiefer sowie an den Fangzähnen, da sich dort die Ausführungsgänge wichtiger Speicheldrüsen befinden. Durch seine raue Struktur bietet Zahnstein eine ideale Grundlage für neue Ablagerungen – ein Prozess, der sich zunehmend verstärkt. Hat sich der harte Belag erst einmal festgesetzt, kann er nicht mehr durch einfaches Zähneputzen entfernt werden. Hilfreich können spezielle Gel- und Sprayprodukte sein oder es bedarf einer professionelle Zahnreinigung mit Entfernung des Zahnsteins.

 

Das Gebiss unserer Hunde

Das Gebiss eines erwachsenen Hundes besteht aus 42 Zähnen. Dazu gehören Schneidezähne, Fangzähne, vordere Backenzähne und hintere Backenzähne. Im Gegensatz zum Menschen kauen Hunde ihre Nahrung nur begrenzt. Hunde gehören zu den sogenannten Schlingfresser. Dies bedeutet: Viele Futterbestandteile werden schnell geschluckt, sodass eine natürliche Reinigung der Zähne oft gering ausfällt – auch bei Trockenfutter. Zudem werden viele Zahnflächen – auch bei der Verwendung von Kauartikeln – gar nicht in Anspruch genommen. Hinzu kommen verschiedene Gebissformen beim Hund (Unter-, Überbiss, Scheren- und Zangengebiss), die eine unterschiedlich hohe Anfälligkeit für Zahnprobleme mit sich bringen. Vor allem aber können Engstellungen ein Problem darstellen, da Futterreste hier besonders gerne hängenbleiben.

 

Wie viele Hunde leiden unter Zahnstein?

Zahnstein zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Hunden. Schätzungen zufolge zeigen etwa 80 Prozent aller Hunde ab einem Alter von drei Jahren deutliche Anzeichen von Zahnerkrankungen oder Zahnsteinbildung. Besonders häufig betroffen sind kleinere Hunderassen aufgrund ihrer engen Zahnzwischenräume und des oft vergleichsweise kleinen Kiefers. Aber auch mittelgroße und große Hunde können erhebliche Zahnprobleme entwickeln, wenn keine Zahnpflege erfolgt.

 

Welche Faktoren begünstigen Zahnstein?

Die Entstehung von Zahnstein wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Futterwahl
    Nassfutter bleibt tendenziell leichter an den Zähnen hängen. Allerdings schützt auch Trockenfutter nicht automatisch vor Zahnstein. Es bietet nur einen geringen Vorteil bezüglich Abrieb und kann je nach Zusammensetzung (Zucker, hoher Getreideanteil) sogar schlechter sein.
  • Kleine Hunde und enge Zahnzwischenräume
    Bei kleinen und kurzschnäuzigen Hunden liegen die Zähne häufig enger beieinander. Dadurch können sich Beläge leichter festsetzen und schlechter auf natürlichem Weg oder mit einer Zahnbürste entfernt werden. Rassen wie Chihuahua, Yorkshire Terrier oder Mops gelten daher als besonders anfällig.
  • Genetische Veranlagung und Zahnsubstanz
    Auch die individuelle Beschaffenheit von Zähnen spielt eine Rolle. Manche Hunde entwickeln trotz guter Pflege vergleichsweise schnell Zahnstein, während andere deutlich weniger anfällig sind. Da geht es ihnen ähnlich wie uns.
  • Geringe Kauaktivität
    Hunde, die selten etwas zu Kauen bekommen, können weniger von einer mechanischen Reinigung profitieren. Geeignete Kauartikel können dazu beitragen, Zahnbeläge an einigen Stellen zu reduzieren. Viele Zähne bleiben beim Kauen jedoch ungenutzt und erfahren keine Reinigung.
  • Wasseraufnahme und Speichelzusammensetzung
    Die Speichelzusammensetzung variiert von Hund zu Hund. Sie beeinflusst unter anderem, wie schnell sich Mineralstoffe in Zahnbelägen einlagern. Auch eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme kann die Maulhygiene negativ beeinflussen.
  • Ungenügende Zahnpflege
    Wer weder zur Zahnbürste noch zu einem zahnreinigenden Gel oder Spray greift, leistet keinen Beitrag zur Verhinderung von Zahnstein.
  • Alter
    Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Zahnstein und andere Zahnerkrankungen deutlich an. Regelmäßige Zahnkontrollen sind daher besonders bei älteren Hunden wichtig.
  • Aktivität
    Frische Luft, Bewegung und Hecheln regen den Speichelfluss an und können sich positiv auf die Maulflora auswirken.

 

Wie erkenne ich Zahnstein?

Typische Anzeichen für Zahnstein sind:

  • Gelblich brauner oder grauer Belag auf den Zähnen
  • Unangenehmer Maulgeruch
  • Gerötetes und/oder geschwollenes Zahnfleisch
  • Vermehrtes Speicheln
  • Zahnfleischbluten

 

Welche Folgen kann Zahnstein haben?

Zahnstein bietet aufgrund seiner rauen Oberfläche gute Bedingungen zur Ansiedlung weiterer Bakterien. Unbehandelt sind mögliche Folgen:

  • Zahnfleischentzündungen
    Das Zahnfleisch wird rot, schwillt an, kann bluten und sich zurückziehen.
  • Schmerzen und Fressprobleme
    Entzündungen im Maul können Schmerzen verursachen und die Nahrungsaufnahme erschweren.
  • Belastung des gesamten Organismus
    Gelangen Bakterien aus entzündeten Bereichen in die Blutbahn oder werden heruntergeschluckt, können unter Umständen auch Organe wie Herz, Leber oder Nieren belastet werden.
  • Parodontitis
    Breiten sich Entzündungen auf den Zahnhalteapparat aus, kann Parodontitis entstehen. Dabei werden Gewebe und Knochen zerstört, die den Zahn im Kiefer verankern.
  • Zahnverlust
    Wird eine fortgeschrittene Parodontitis nicht behandelt, können Zähne locker werden und sogar ausfallen.
  • Verhaltensänderungen
    Vermehrtes Schmatzen, ständiges Belecken der Lefzen, Unruhe oder Reiben der Schnauze am Boden.
  • Begleiterscheinungen
    Starker Speichelfluss, Berührungsempfindlichkeit im Schnauzenbereich oder tränende Augen.

 

Wie lässt sich Zahnstein entfernen?

Geeignete Methoden hängen davon ab, ob lediglich Zahnbelag oder bereits verhärteter Zahnstein vorhanden ist:

  1. Zähneputzen
    Regelmäßiges Zähneputzen gilt als wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung. Mit einer speziellen Hundezahnbürste bzw. einem Fingerling und Hundezahnpasta lassen sich weiche Beläge entfernen, bevor daraus Zahnstein entsteht. Idealerweise werden die Zähne mehrmals in der Woche geputzt. Bereits wenige Minuten können einen wichtigen Beitrag zur Zahngesundheit leisten.
  2. Zahnpflege-Gels und Sprays
    Zahnpflege-Gels bzw. Sprays werden direkt auf die Zähne aufgetragen. Sie können helfen, bakterielle Beläge zu reduzieren und die Bildung von Plaque zu verlangsamen. Manche Mittel können bei regelmäßiger Anwendung sogar vorhandenen Zahnstein reduzieren. Besonders für sensible Tiere, die mechanisches Putzen verweigern, können diese Produkte eine tolle Alternative sein.
  3. Kauartikel und Zahnpflege-Snacks
    Bestimmte Kauartikel oder speziell entwickelte Zahnpflege-Snacks können durch den mechanischen Abrieb helfen, Zahnbeläge zu reduzieren. Der Effekt ist jedoch meist moderat und betrifft vor allem die Zahnflächen, die beim Kauen direkt beansprucht werden. Kauartikel erreichen viele Problemstellen, insbesondere den Zahnfleischrand und die Innenseiten der Zähne, nur unzureichend.
  4. Professionelle Zahnreinigung
    Bereits vorhandener Zahnstein lässt sich meist nur durch eine professionelle Zahnreinigung beim Tierarzt vollständig entfernen. Dabei werden die Zähne hauptsächlich mit Ultraschall gereinigt. Fast immer erfolgt die Behandlung unter Narkose. Nur so können alle Zahnflächen einschließlich der Bereiche unterhalb des Zahnfleischrandes gründlich untersucht und gereinigt werden.

 

Welche Kosten entstehen bei einer Zahnsteinentfernung?

Die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung können je nach Region, Tierarztpraxis, Größe des Hundes und vor allem Umfang der Behandlung deutlich variieren. Für eine einfache Zahnsteinentfernung inklusive Narkose fallen häufig zwischen 400 und 800 Euro an. Dies hängt unter anderem auch davon ab, ob der Tierarzt den ein-, zwei- oder dreifachen Satz der Gebührenordnung heranzieht. Werden zusätzlich Zahnröntgenaufnahmen erstellt oder müssen erkrankte Zähne gezogen werden, können die Kosten darüber liegen. Vor der Behandlung empfiehlt sich ein individuelles Beratungsgespräch mit der Tierarztpraxis, um die zu erwartenden Kosten möglichst genau einschätzen zu können.

 

Wie kann ich Zahnstein vorbeugen?

Die beste Strategie gegen Zahnstein besteht darin, seine Entstehung zu verhindern. Besonders effektiv ist eine Kombination mehrerer Maßnahmen:

  • Frühzeitige Gewöhnung des Hundes an die Zahnpflege
  • Regelmäßiges Zähneputzen (mehrmals wöchentlich)
  • Einsatz von Zahnpflege-Gels oder Sprays
  • Geeignete Kauartikel zur Unterstützung der mechanischen Reinigung
  • Hochwertige Hundenahrung (ohne zugesetzte Zuckerprodukte)
  • Regelmäßig Zähne und Zahnfleisch begutachten
  • Tierärztliche Zahnuntersuchungen im Rahmen der Vorsorge

Ein Hund, der konsequent Zahnpflege erhält, hat deutlich bessere Chancen, bis ins hohe Alter gesunde Zähne zu behalten. Zahnpflege sollte ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge sein.