… 2020 aus Sicht eines Basset

Das Jahr 2020 ist für mich ein ganz besonderes Jahr; denn meine Lieblingszahl 2 ist gleich zweimal enthalten!

Doch nun zu mir – ich, der George Ferdinand (formerly known as Rüde hellblau, Nottingham von der Kreuzbreite), bin am 02. April 2020 zwei Jahre alt geworden.
Zwei Jahre zuvor, kam ich als zweiter Welpe auf die Welt und war auch der zweitschwerste aus dem N-Wurf. Im zarten Alter von zwei Monaten zog ich dann in die große Stadt Berlin, nachdem ich zwei Wochen vorher, einem meines jetzigen Personals in den Schuh „gebissen“ hatte. Ich hatte schon damals einen guten Geschmack, denn die zwei hier machen ihren Job soweit sehr ordentlich; ich erlebe viel und habe denen auch schon viel beigebracht.
Basset George

Nicht immer einfach, aber mit viel Liebe, Sturheit und Beharrlichkeit, erreicht man sein Ziel – meistens…

Diese Weisheit und so manches mehr, habe ich von meiner Mama Lola (Jordan Green von der Kreuzbreite) und Papa Charles (Charming Queens Hermelin) gelernt.
Mama hat immer sehr darauf geachtet, dass ihre Kinder sauber sind bzw. auch das menschliche Umfeld sauber sein muss. Ich liebe es, meinem Herrchen die Ohren zu putzen. Doof ist nur, wenn er sich dann rächt und meine dann auch ausgiebig pflegt. Mit meinem Papa habe ich gute Gespräche geführt, bevor ich das beschauliche Landleben verlassen habe und in die Großstadt ging.
Herrchen und Frauchen verdrehen diese Tatsache aber immer und sagen, dass ich zum Rapport zu Papa Charles ins rote Sommerhaus muss, wenn ich Dummheiten gemacht habe (dies kommt aber eigentlich nie vor). Hier liegt ein Missverständnis vor bzw. kennen die wohl nicht den Unterschied zwischen guten Gesprächen und Rapports! Manches Mal habe ich schon überlegt, mir einen anderen Zuchtnamen zuzulegen oder meinen Adelstitel abzulegen – warum diese Überlegung? Die sagen bei Sachen, die ich toll finde und die nicht – „so etwas machen die VON DER KREUZBREITES nicht…“

Wenn ich nicht damit beschäftigt bin Herrchen und Frauchen zu unterrichten, darf man mich in einem kleinen Fitness-Studio bewundern.

Obwohl es den Laden schon ein wenig länger als mich gibt, wurde wohl schon vorher an mich gedacht; ein Eckladen, durch dessen Eingangstür ich den gesamten Kiez bestens beobachten kann. Bzw. ich sehr gut bestaunt werden kann, wurde als Immobilie ausgewählt. Mein Arbeitsweg dorthin ist klasse; ich fahre mit der U-Bahn und kann auch Fahrstühle benutzen. Ihr werdet es nicht glauben, welche tollen Gerüche und Sachen man dort findet. Doof ist nur, wenn die Fahrstühle nicht funktionieren, dann werde ich doch glatt die Treppen heruntergetragen, peinlich, sage ich Euch.

Ich finde es viel lustiger, wenn die Leute mich ansprechen, komische Laute von sich geben oder meinen, sie seien Hundekenner. Ihr glaubt gar nicht, was ich schon alles war. Mein Frauchen führt eine Strichliste, wenn der Standardspruch komm „die sieht man aber selten“. Weniger „selten“ bin ich ein süßer Beagle, der Hund von Columbo oder ein Hush Puppy – die Antwort, dass ich kein Schuh bin, verstehen die Menschen auch eher selten… Toll dagegen war der Ausruf, der Dackel ist ein Mischling oder dass ich ein Doppel-Dackel oder Mops bin (eine Freundin von mir ist nämlich ein wahrer Mops).

Da ich meist eine 6-Tage Woche habe, darf ich als Belohnung meine Gut-Tage in der Hunde-Kita abbummeln. Stellt Euch vor, ähnlich wie bei den Menschen-Kindern, gab es erst eine Eingewöhnung, einen kleinen Eignungstest. Habe ich natürlich mit Bravour bestanden! Die hätten mich aber so oder so genommen – einen Basset hat/sieht man dort nämlich selten…
Da gehe ich nun auch schon über zwei Jahre hin, wobei das Wort „gehen“ hier nicht ganz richtig ist. Wenn mir morgens das Zauberwort KITA mit der richtigen Betonung zugerufen wird, dann ist klar, ich muss mich beeilen. Ich halte dann meine Schnüffelnase ein wenig im Zaum und werde zum Road-Runner. Fast jeder Lauf zur Kita schaffen wir/schaffe ich in neuer Bestzeit (ich arbeite ja schließlich auch in der Fitness-Branche)! Die Leute an der dortigen Haltestelle lachen wohl immer, wenn ich mit meinen wehenden, schönen Schlappohren den Eingang stürme, am Ende hängt dann Herrchen oder Frauchen und wieder heißt es… das (die) sieht man aber selten…

Der Tipp für meine Freizeitgestaltung kam übrigens von meiner Zucht-Mama. Man munkelt, dass ich beim Zahnwechsel ein wenig nervig war und in der Kita mich austoben sollte; ich meine, ich bin grundsätzlich tiefenentspannt und muss mich nur regelmäßig mit meinen Artgenossen austauschen.

Zwei Jahre ist es nun auch fast schon her, dass ich neben der Kita auch meinen ersten Tag in der Schule hatte.

Dort wurde ich auch freudig aufgenommen, natürlich mit der fachmännischen Bemerkung „einen Basset hatte ich schon lange nicht mehr“. Hat man auch gemerkt, denn sein Parcours war für meine Pfoten zuerst nicht geeignet. Seine Aussage (O-Ton) „mit einer stinknormalen Bockwurst aus dem Konsum klappt alles“ habe ich auch widerlegt. Wenn die Gerüche der Welpen Gruppe zuvor interessanter waren, dann war das so – den „Keks“ bekomme ich doch später auch noch. Nachdem wir dann zusammen unsere erlernten und geerbten Erfahrungen ausgetauscht hatten, trennten sich unsere Wege, aber die Freude ist immer noch groß, wenn wir uns im Grunewald treffen. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass der mich mal mit den Worten gelobt hat, „hoffentlich muss er heute nicht noch zum Physiotherapeuten wegen Nackensteife – die Schnauze ist die ganze Zeit oben“. War damals nur kurz beleidigt, denn ich weiß ja, dass der Herr Lehrer charakterfeste Schlappohren ganz doll liebhat; ich verrate aber besser nicht, dass die Schule ein „ü“ im zweiten Namen trägt…

Da meine Lieblingszahl 2 ist, war ich auch schon zwei Mal in diesem Jahr im „Ferienlager“ bei meiner Zucht-Mama. Beim ersten Mal passierten dort aber schon merkwürdige Dinge. Obwohl die Sonne schien, fuchtelte jemand mit einem großen Regenschirm vor meiner Nase, ein anderer zog scheppernde Dosen an der Leine mit sich. Ich dachte, komische Sachen passieren nur in Berlin. Na ja, hat mich alles nicht sonderlich beeindruckt, soll ja jeder seinen Spaß haben. Nur bei einer Sache hörte es dann für mich auf – hat sich doch ein anderer Rüde meiner Herzensdame Lady V. genähert; da habe ich doch kurz die Basset-Contenance verloren. Gab Ärger, wie man sich vorstellen kann, aber ich konnte etwas später klarstellen, dass ich ein typischer Basset bin – besonnen, gelassen, umsichtig, elegant, feinmotorisch – einfach nur süß!

Somit passen wir auch alle zusammen und wir alle zusammen sind ein ganz tolles Team.

Frauchen durfte sich ihren Kindheitstraum erfüllen (keinen Hund, sondern einen Basset!), Herrchen hat immer saubere Ohren und mein Kollege Ferdinand Aristoteles ist seit zwei Jahren nicht mehr allein im Laden. Er ist ja auch schon ein alter Bär, so dass er nicht böse ist, dass ich nun der eigentliche Guest Relation Manager bin. Manche Kunden kommen nur so regelmäßig trainieren, weil sie mir ausgiebig den Bauch kraulen möchten. Auch wurde schon gesagt, ich hätte die schönsten Beine Berlins! Das stimmt natürlich und passt auch zu dem Ausruf von Mama Lolas kleinem Frauchen „bei Eltern wie Lola und Charles mussten ja tolle Welpen kommen!“

Wir ergänzen uns alle super, schließlich bin ich zum ersten Mal Hund, Lola zum ersten Mal Mama, mein Herrchen und Frauchen zum ersten Mal menschliche Hunde-Eltern. Wir alle wurden und werden liebevoll von meinem sehr erfahrenen Papa Charles und meiner tollen Zuchtfamilie unterstützt.
Und so hoffe ich, wir sehen uns alle bald wieder häufiger und nicht „so selten“… – ich drücke dafür meine dicken Pfoten –.

Euer George

Bilder & Quelle:
Susanne Schwalm
Canva

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