Des Pudels Kern in der Menschensprache

Des Pudels Kern in der Menschensprache

Es ist wirklich nicht immer einfach, die Menschen zu verstehen. Da denkt man, man hätte Sitz, Platz, Aus, Hier & Co. verstanden, da wird es auch schon bis zur Unauffindbarkeit in ganzen Monologen versteckt:
CoDo , nimm die Katze jetzt bitte wieder aus Deinem Maul heraus, weil der Nachbar sonst ganz böse auf uns ist.“ Meint in kurz: AUS!

Oder:

„CoDo, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt, aber ich habe Dir dieses Lammfellsitzkissen für 299 Euro gekauft, damit Du es auch mal benutzt.“ Meint in kurz: SITZ!

Ich habe gelernt, aus all diesen sinnlosen Worten die kleinen Wortfetzen rauszufiltern, die mir etwas sagen sollen. Ich habe dabei auch verstanden, dass meine Menschen meinen Namen auch sagen, wenn sie sich über mich unterhalten und dass ich damit nicht notwendigerweise auch angesprochen bin. Denn Menschen sind unhöflich: Sie unterhalten sich über Dritte als ob diese nicht im Raum wären. Ich erkenne nun sicher die eine (aus 100) CoDo Nennungen, bei der ich auch wirklich angesprochen bin. Trotzdem verwenden meine Menschen gerne mal den Codenamen „Hund“, wenn sie nicht wollen, dass ich sie verstehe:

„Gut, dass der ‚Hund‘ nicht weiß, dass wir ihn heute Abend alleine lassen, weil der Hundesitter sich kurzfristig mit Grippe krank gemeldet hat und wir die Geburtstagfeier bei Onkel Wolfgang ja jetzt schlecht so kurzfristig absagen können.“

Ein Satz, den ich als „Hund“ selbstverständlich vollkommen begriffen hätte, wenn nur „CoDo“ drin vorgekommen wäre. So liege ich ahnungslos in meinem Körbchen und weiß nicht, dass Wolfgang Geburtstag hat, der Sitter krank ist und ich alleine bleiben muss.

Was mich – als Hund – allerdings wirklich in der Pfanne verrückt macht, ist der inflationäre Gebrauch von „Hund“ in der Menschensprache. So ging ich vergangenen Samstag mit meinem Menschen vor die Tür – bei einem Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagen sollte. Aber was soll ich sagen: Ich war zwar noch hundemüde, bin meinem Menschen aber treu wie ein Hund gefolgt. Ich fühlte mich eh schon hundeelend, fand es dann aber zusätzlich hundsgemein, dass ich zuschauen musste, wie mein Mensch ein Stück Kalter Hund aß, ohne mir etwas abzugeben. Es ist eben ein ungerechtes Hundeleben und da hilft es auch nicht, wie ein Schlosshund zu heulen. Um nicht vor die Hunde zu gehen, besorgte ich mir eben mein eigenes Futter: Pferdeäpfel, Fuchskacke, Apfelkitsche … was man als Lumpenhund so alles im Wald findet. Ich bin ja in der Nachbarschaft bekannt wie ein bunter Hund für meine Müllverwertungsqualitäten. Mein Mensch beschimpft mich in solchen Situationen immer wieder gerne als „dicker Hund“, aber da bellt eh kein Hund nach. Denn, soll ich all die Leckereien wirklich liegen lassen? Dann fressen Bello, Rex und Susie die Snacks, und mich als Letzten beißen die Hunde.

Ich war froh als wir wieder vom Spaziergang zurück waren, wo zwar der Hund begraben ist, ich aber zuverlässig mein Futter und meine Ruhe bekomme. Gerade an Hundstagen wie diesem, weiß ich das ganz besonders zu schätzen. Als dann am Nachmittag endlich die Sonne rauskam, lockten die hellen Strahlen mich hinterm Ofen hervor und führten mich direkt in meinen Garten, wo ich friedlich vor mich hindöste. Ich bin kein Hund, den man zum Jagen tragen muss.

Daher sollte der Nachbar eigentlich wissen, dass er mich schlafenden Hund nicht mit Rasenmäherkrach wecken sollte. Zumal dies in der Regel bedeutet, dass auch sein Kater auf mein Grundstück flüchtet, wo wir uns dann angemessen wie Hund und Katz verhalten.

Und an dieser Stelle sei betont: Hunde die bellen, können sehr wohl beißen. Da beißt sich der Hund nicht in den Schwanz. Das ist so! Also jagte ich wie ein Höllenhund hinter dem nervigen Kater hinterher. Und hinter mir jagte der Nachbar hinterher, mit Nettigkeiten wie „Hundesohn“, „Sauhund“, „Schweinehund“ oder auch „Misthund“ auf den Lippen.

Am Ende kriege ich meist von dem Kater was über die Nase gezogen und schleiche dann wie ein geprügelter Hund zu meinem Menschen, um mich ganz als Schoßhund trösten zu lassen. Was ist schon schlecht daran, in solchen Momenten wie ein Hund behandelt zu werden? In meinem Fall bedeutet das eigentlich nur Gutes. Ich fühle mich dann jedenfalls pudelwohl. Auch mein Mensch sagt bei solchen Kuschelstunden gerne, dass sie es hundertfach schöner hat als die Menschen, die nicht auf den Hund gekommen sind und daher wie begossene Pudel allein im Nassen stehen, wenn es junge Hunde regnet. Da sollte man sich dann doch überlegen, ob das nicht zum junge Hunde kriegen ist und man sich doch einen zulegen sollte. Das ist doch eigentlich des Pudels Kern meiner Geschichte! Oder wie Menschen es gerne theatralisch ausdrücken: Der Sinn des Lebens!

Ein Gastbeitrag von Tanja Laube vom codo-shop.com

Beitragsbild & Quelle: 825545 / Pixabay, creative commons public domain