… ist das für den Halter eines solchen Hundes ein sehr einschneidendes und erschreckendes Erlebnis. Erst kommt der Schock über den krampfenden Hund, dann die Panik und die Hilflosigkeit, gefolgt von unzähligen Fragen und Kosten.

 

Was habe ich selbst mit dem Thema „Epilespie beim Hund“ zu tun?

Ich vergesse nie den Tag, als mein Louis im 2. Lebensjahr plötzlich neben mir zusammensackte, ruderte, speichelte, die Augen vedreht, mit den Beinen wie wild ruderte und schließlich bewusstlos war. Ich weiß nicht mehr wieso, aber aus irgendeinem Grund schoss mir sofort der Gedanke „Epilepsie“ in den Kopf, obwohl ich vorher noch nie damit Kontakt hatte.

Ich geriet in Panik, denn mein Hund wog 63 Kilogramm und dieses Gewicht bewegt man nicht mal so eben aus einer Gefahrenzone. Mir blieb nur, hilflos zuzusehen und abzuwarten. Mein Hund kam zu sich, es war furchtbar, er erkannte mich nicht und lief wimmernd durch die Gegend.

Instinktiv tat ich das Richtige und lies ihn gewähren und sprach leise mit ihm und nach ca. 20 Minuten wurde er ruhiger und erkannte auch alles um sich rum wieder.

 

Wichtig: Die Untersuchung

Am nächsten Tag fuhr ich mit ihm in die Klinik und lies ihn auf den Kopf stellen, er war vollkommen gesund und somit stand die Diagnose „ideopathische Epilepsie“ (die sogenannte „vererbte Epi“) im Raum. Zum Glück habe ich eine hervorragende Tierklinik und die Tierärztin riet mir, erstmal abzuwarten, wie sich das entwickelt.

Das war unser großes Glück, denn einmal auf Epi-Medikamente eingestellt ist „immer auf Epi-Medikamente eingestellt“. Trotzdem gibt es Hunde, die so zahlreiche Anfälle haben, dass sie sofort eingestellt werden MÜSSEN.

Es folgten in größeren Anständen weitere solcher Grand Mals (wie man solche Anfälle mit Bewusstlosigkeit nennt) und ich sprach mit den Züchtern, die völlig entsetzt waren. Es waren gute Züchter, die das sehr mitnahm. Durch den Tipp einer lieben Freundin, die sich sehr gut auskennt, konnte ich meinen Louis 7 Jahre lang bis zu seinem Tod anfallsfrei halten.

 

Und noch ein Hund für mich mit Epilepsie

Zeitgleich, ich war in einer Berner Notorganisation Pflegestelle, sah ich bei den hereinkommenden Hunden das Bild einer Großen Schweizer Sennenhündin unter dem der Satz: „6-jährige GSS-Hündin, kastriert, EPILEPTIKERIN“ stand. Mein Mann sah das Bild und sagte: Mit der Diagnose findet die niemals ein Zuhause…

Lange Rede kurzer Sinn: Dieser Hund kam zu uns und blieb! Leider kennen wir uns mit so einer Diagnose ja gut aus…

Aber fast 4 Jahre später war es ein Glückstag für uns und für unsere „Greta“ gewesen, sie ist einfach nur toll. Sie hatte ebenso wie unser Louis Grand Mal’s und sie lebt seit Jahren hier jetzt anfallsfrei. Sie kam allerdings schon mit Medikamenten hier an. Die sie auch bis zum Rest ihres Lebens nehmen muss.

 

Was bedeutet es, einen Epi, wie wir sie liebevoll nennen, zu haben?

Um es vorweg zu nehmen, es stellt das ganze Leben auf den Kopf! Das fängt an bei einer peniblen Medikamentengabe alle 12 Stunden, die, wenn diese Zeitspanne nicht eingehalten wird, zu Entzugskrämpfen führen kann.
Antiepileptika haben Suchtpotential und ein Entzug oder Absinken des Medikamentenspiegels ist sehr riskant.

Was eine solche zeitliche Einschränkung im Leben bedeutet, das braucht, man, glaube ich, nicht groß zu erwähnen, man denke nur an Beruf, Kinder, Urlaub, ausgehen usw. usw.

Ich habe Glück gehabt, mit Louis sein Leben lang – und mit Greta bis jetzt. Die Schicksale der anderen Hunde im Epiforum, welches ich dem Andenken meines Louis gewidmet habe, machen mich jedoch fassungslos!

  • Fassungslos, weil so viel Hilflosigkeit da ist, wenn ein Hund nicht einstellbar ist oder im Status (Serienanfälle) verstirbt oder eingeschläfert werden muss.
  • Fassungslos aber auch, weil es immer noch Züchter gibt, die die Augen davor verschließen und ohne Rücksicht auf Erbkrankheiten züchten,. Das Leid hat der Hund und dessen Besitzer.
  • Fassungslos aber auch, wie viele Menschen Hunde einfach so vermehren, aber ich spreche da nicht nur von Vermehrern, wo die Hündinnen als Gebärmaschinen gehalten und Welpen wie am Fließband produziert werden, sondern auch Hundehalter… Man braucht nur mal auf die Seite eines großen Auktionshauses im Netz unter „Kleinanzeigen“ und „Deckrüden“ zu gehen. Die Hündin, die einmal Junge haben soll (das Ammenmärchen hält sich leider hartnäckig) und „mein Rüde soll mal Papa werden“…

Leider ist neben Unwissenheit auch die Ignoranz und das schnelle Geld ein großes Thema.

Die Leidtragenden sind am Ende die Hunde und deren Besitzer. Letztere müssen nicht selten den „Anschaffungspreis“ des „günstigen“ Welpens um ein zigfaches noch einmal „nachzahlen“, was in der Summe nicht selten dem Preis eines Kleinwagens gleichkommt. Sie zahlen an Tierärzte, Trainer (auch das Wesen ist vererbbar…eine agressive Mutter oder ängsliche Mutter zieht nunmal keine sozialen Welpen auf), lebenslang Medikamente usw.

 

Was hat das mit dem Epiforum zu tun?

Der Sinn meines Epiforums besteht, neben Hilfe, Anteilnahme und Infos, Infos, Infos darin, den Hundebesitzer mit allen notwendigen Informationen zu versorgen, damit er nicht nur mit der Epi seines Hundes umgehen kann, sondern auch ein mündiger Patientenhalter wird, der versteht, was sein Tierarzt ihm rät und gezielte Fragen stellen zu können oder aber auch Dinge abzulehnen.
Neben allen Infos rund um

  • die Epilepsie,
  • deren verschiedene Facetten,
  • der Unterschied der Epiformen,
  • Medikamente,
  • epierfahrene Tierärzte,
  • Ernährung eines Epis,
  • Verhalten während eines Anfalles und noch vieles mehr,

rundet die enorme Hilfsbereitschaft aller Betroffenen im Forum den Inhalt ab.

 

Ganz wichtig: die Ausschlussdiagnostik!

Auf eines möchte ich noch einmal speziell eingehen: die Ausschlussdiagnostik.
Sie ist sehr, sehr wichtig, um herauszufinden, ob es erworbene Epi ist (Gift, Unfall, Trauma, Krankheiten etc), deren Anfälle man dann epileptiforme Anfälle nennt, weil sie wie Epianfälle aussehen und der Hund auch so reagieren kann, diesen aber eine organische Ursache oder Trauma zugrunde liegt. Bei so einer Form der Epilepsie kann man durch Behandlung der Ursache (außer bei einem Tumor z.B.) die Anfälle meist abstellen, je nach Ursache. Und auch extrem wichtig, um richtige Zuchtplanung zu betreiben.

Um mal ein Beispiel zu nennen: Der Hund hat Anfälle, wird nicht untersucht und bekommt AE’s. Zugrunde liegt aber vielleicht ein Herzproblem. Die AE’s lösen das Problem nicht, der Hund hat weiterhin Anfälle. Wäre das untersucht worden, hätte man vielleicht das Herz therapieren können und alles wäre gut gewesen, so aber tut sich nichts. Andersrum kann ein Hund mit vererbter Epi nicht vernünftig therapiert werden, wenn keine Ausschlussdiagnostik gemacht wurde.

Wichtig ist diese Ausschlussdiagnostik auch deshalb, weil man erwägen muss, Antiepileptika einzusetzen. Und dazu muss man zwingend wissen, ob es sich um eine behandelbare Ursache handelt oder um vererbte Epi, die anders behandelt werden muss.

Und man muss den Auslöser finden. Die Anfälle sind das Eine, das Andere ist, wodurch werden sie ausgelöst – und das ist selbst bei gleichen Anfällen verschiedener Hunde immer individuell. Der größte Auslöser jedoch ist meistens Stress und der kann vielfältig sein:

  • Stress im Zuhause,
  • Läufigkeit,
  • Liebeskummer bei Rüden,
  • Allergien,
  • Grunderkrankungen (z.B. Schilddrüse) usw.

 

Bei einer vererbten Epilepsie hat der Hund die Krampfbereitschaft vererbt bekommen, der Auslöser, durch den es dann zu Anfällen kommt, ist unterschiedlich.

 

Was tun, wenn es soweit ist?

Wenn der eigene Hund plötzlich Anfälle bekommt, ist es notwendig, Ruhe zu bewahren, so schwer das auch fällt, ich weiß, was das heisst.

Ganz besonders dann, wenn der Hund „aufwacht“. Dann nämlich können (müssen nicht) Sinne eingeschränkt oder kurzfristig nicht vorhanden sein. Der Hund kann vielleicht kurz nichts sehen, nicht riechen oder hören.

Das muss nicht zwangsläufig auftreten, aber man muss damit rechnen. Wenn der Hund zu sich kommt, ist er orientierungslos und hat Angst, läuft hektisch rum, schnüffelt alles ab, möglicherweise auch seinen Besitzer
winselt oder kann sogar kurzfristig nicht stubenrein sein. In so einer Phase versucht der Hund, sich zu orientieren, wo er ist, wer die Personen sind, die anderen Hunde. So reagieren viele Hunde, es gibt aber auch Hunde, die dann agressiv sind, weil sie Angst haben, nicht wissen, was passiert ist, dann ist es besser, man bringt sich ein wenig in Sicherheit, z.B. hinter einer Tür, wo man trotzdem mal gucken kann, ob und wann er wieder „normal“ wird. Diese Phase muss man abwarten.

 

Planung, Mut und Organisation… aber wie?

Um einen Anfall abzukürzen, gibt es medikamentöse Möglichkeiten, die immer auf den Anfall des Hundes abgestimmt werden müssen. Während eines Anfalles mit Bewusstlosigkeit (Grand Mal) kann man nur versuchen, den Hund aus einer möglichen Gefahrenzone zu ziehen, so wie ich das mit meinem Louis machen musste, der vor den Rankrosen zusammenbrach und in sie hineinfiel.

Da die Augen während eines Anfalles geöffnet sind und die Bewegungen des Hundes unkoordiniert, musste ich z.B. sehen, dass ich seine Augen schütze vor den Dornen.

Alles das erfordert Planung, Organistaion und vor allem Mut. Was ist, wenn mehrere Hunde da sind, was ist, wenn ich nicht da bin, während der Fahrt auf der Autobahn, im Ausland usw.

 

Jeder kann seinen Beitrag gegen die Ausbreitung der Epilepsie leisten

Helfen Sie mit, dass die Zahl der Epihunde nicht steigt, indem Sie kritisch hinterfragen beim Züchter, oder aber nicht beim „Vermehrer“ kaufen, wo es egal ist, was da zusammenkommt. Eine Erbkrankheit wie die Epilepsie kann Generationen überspringen, daher sind Papiere nicht „unnötige Geldmacherei“, sie sind der Nachweis über die Ahnen. Zudem hat ein guter Züchter, der alles mit einbezieht und sorfältig einen Wurf plant ganz andere Kosten, weil er immer zusieht, dass er den richtigen, passenden Rüden für seine Hündin aussucht und der dann vielleicht auch schnell mal 1000 km entfernt steht. Und nicht einfach „den um die Ecke“ nimmt, weil der „gerade da ist“.

Sie können mithelfen, indem Sie die Epi Ihres Hundes dem Verein melden, damit, so wie es beim Schweizer Sennenhundverein gehandhabt wird, es in eine Datenbank eingetragen werden kann, um so epilastige Verpaarungen zu erkennen und zu vermeiden. Oder in Vereinen anzuregen, solche Datenbanken aufzubauen. Sie können mithelfen, gute Züchter zu unterstützen.

Dem – häufig genannten – Einwurf „ich habe meinen Hund von einem guten Züchter und er hat trotzdem Epi“ möchte ich entgegnen: Der Hund ist ein Lebewesen und niemals ist ein Lebewesen 100% einschätz- und planbar, aber: Man muss glaube ich keine große Phantasie haben um sich vorzustellen, wo die „Chance“ auf einen kranken Hund größer ist: Dort, wo sorgfältig geplant wird – oder dort, wo genommen wird, was kommt, egal ob Erbkrankheiten in den Ahnen waren.

Jeder Hund, bei dem nicht nachvollzogen werden kann, was die Ahnen vererben, ist zwangsläufig ein Überraschungs-Ei.

Sie haben es in der Hand! Bei jedem Auto wird unendliche Male verglichen und gefragt und nur dort gekauft, wo alles stimmt. Bei einem Lebewesen sollte das doch erst recht so sein.

In diesem Sinne
Viele Grüße
Beata Petry

 

Beitragsbild & Quelle: AnnaER / Pixabay / creative commons public domain