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Hundegeschichten Hundewelt

In guten, wie in schweren Tagen…

…daran denkt man als frischgebackener Hundehalter erst mal nicht, aber sie kommen…

Magen- und Darmgeschichten

Unser Terrier-Rüde kam im Alter von 7 Monaten zu uns. Er war stubenrein und hatte die Grundkenntnisse des Gassigehens bereits vermittelt bekommen. Nach kurzer Zeit erbrach er sich in der Nacht, nachdem er erst einige Zeit gehustet und gewürgt hatte. Heute wissen wir, dass eine Impfung nicht vor Zwingerhusten schützt, denn dieser war die Ursache für das nächtliche Erbrechen und die darauffolgende Bodenbelagssanierung.

Nach 2 Jahren zog der Rottiwelpe ebenfalls praktisch stubenrein bei uns ein und wir waren richtig froh! Nach einiger Zeit – vielleicht war es einfach aber auch nur der Stress!? – hatte die arme Maus furchtbaren Durchfall. Das passierte natürlich auch wenn Besuch da war: Gerade das Essen auf dem Tisch und schwupp hatte der Rotti sein dampfendes Häufchen auf den Läufer gesetzt….Als kreativer Hundehalter befördert man den Teppich flux auf die Terrasse und schließt die Tür, um sich vom „Duft“ nicht den restlichen Appetit vermiesen zu lassen.

Immer wieder gab‘s dann mal die Magenprobleme wegen des frischen Grases und dann die, die man nur mit frischem Gras beheben konnte – und natürlich nur zur frühen Morgenstunde. So bekam „Stuttgart bei Nacht“ für Herrchen eine ganz andere Bedeutung…

Im Laufe des Erwachsen-Werdens hatte unser Rottimädel nicht kapiert, was Kastration bedeutet. Bevor wir ihr „PMS“ richtig deuten konnten, dachten wir, sie leidet unter Bauchweh! Dabei musste Sie sich nur öffentlich zeigen und markieren – das durfte gerne auch ausgiebig nachts und in den frühen Morgenstunden sein. Und als Herrchen verliert man da gerne mal in der Eile das angeborene Schamgefühl. Peinlich wird’s wenn man total „verorgelt“ im Jogging um die Ecke zieht und auf die schichtende Nachbarschaft trifft.

Unsere „Griechin“ Terry hatte anfangs Magenprobleme. Sie hat immer wieder erbrochen und wir mussten die Abstände zwischen den Mahlzeiten ungefähr gleich halten, damit ihre Galle nicht rebelliert. Es gab einen einfachen Alarm: „Hund kotzt“ und schon waren Küchenrolle, Müllbeutel und Antimief-Spray vor Ort. Auch heute noch bekommt sie drei anstatt zwei Mahlzeiten.

Extrem-Renovierung

Eigentlich waren wir von unserem Terrier verwöhnt: Außer einem alten Paar Birkenstock-Latschen und einem kleinen Gummitier unseres Sohnes hat er den Hausstand unbehelligt gelassen. Echter britischer Gentleman eben !!
Und dann kam sie: klein stark schwarz und immer für jedem Schmarrn zu haben !!

Rottimädchen Anastasia machte ihrem königlichen Namen so gar keine Ehre.

Denn wenn’s zuhause für den anspruchsvollen Hund gaaaaaaaanz langweilig ist, bekommt halt der Teppich, das Sofa oder die Wand besondere Beachtung. In unserem Fall hatte unser Rotti die halbe Sofalehne (Sofa war 3 Monate alt) aufgefressen, bis wir nach Hause kamen. Zudem entsprach die Wandfarbe wohl nicht ihren Vorstellungen, so dass die Wand bis auf das Mauerwerk freigelegt wurde. Der Züchter meinte, dass diese“ Neigung“ mit etwas Chili oder Tabasco rasch bekämpft sei – aber sie trank dann halt etwas mehr… – und hier bitte keine Kommentare zum „Auslasten“!!!!!!!


Für’s Ausquetschen von Tuben und die „Stoffveredelung“ ist seit Neuestem Terry zuständig.
Es geschieht so schnell und unauffällig, dass man ihr einfach nicht böse sein kann.

Aber nicht nur Hund, auch Mensch ist immer beschäftigt, denn ein kurzer Blick zum Fenster und man erkennt, dass der Rottweiler mal genau rausgeschaut hat: Sabber überall. Und die Futterreste, die sich beim Kopfschütteln oder nur Wegdrehen überall verteilen, oder auch gerne zum Beduften des Sofas mit der Backe verrieben werden.
Da die Näpfe in der Küche stehen, ist eine Arbeit dort phasenweise nur in rutschfestem Sicherheitsschuhwerk möglich
Auch das Bodenwischen sollte man nicht übertreiben, denn kurz darauf, ist der komplette Fußboden übersäht mit netten Pfotenabdrücken – wie von einer bekannten Outdoor-Marke. Diese Pfötchen befinden sich auch gerne mal auf dem Sofa oder gar dem frischbezogenen Bett….nach einer Gassi-Runde im Regen…..

Beinarbeit

Die Hundeapotheke ist zwischenzeitlich größer als die Eigene! Wir haben wirklich alles, zum Verbinden von verletzten Ballen und Pfoten zuhause: Jodsalbe, Jodtinktur, Schiefertauchbad, Zinksalbe, Propolisbalsam, Desinfektionsspray, Wundheilsalbe. Das weiche Füllmaterial zum Zehenspreizen, damit es keine wunden Stellen gibt. Das einfache und das elastische Mull, die sterile Wundauflage, das Tape- und Betonband. Die Einweghandschuhe als Nässeschutz, das Malerklebeband zum Befestigen der Handschuhe, die passenden Neopren-Überschuhe für Vorder- und Hinterpfoten – für große und kleine Hunde.
Chancen für den Einsatz gibt’s gar viele: Die abgerissene Kralle beim wilden Ballspiel, der Umknicker beim Frisbee, der Bienenstachel (vom Terrier selbst gezogen, beim Rottweiler konnte dieser erst nach langem Zureden entfernt werden). Der operativ entfernte Fremdkörper nach wildem Kratzen und Markieren beim Pinkeln.

Auslandseinsatz und Fremdsprachencheck

Unser Terrier hatte im Urlaub Probleme mit den Analdrüsen. In Nordschweden hatte er sich „selber“ behandelt, indem er sich den Abszess aufgebissen hatte. Es war nicht ganz so einfach, den dortigen Tierarzt aufzusuchen, denn wir scheiterten kläglich an der schwedischen Ansage auf dem Anrufbeantworter…Also gingen wir in die Tierklinik. Nun erkläre einem schwedischen Tierarzt, der wie wir über ordentliche Englischkenntnisse verfügt, dass der Hund am Hintern einen „Pickel“ hat. Diese Herausforderung wurde mit viel Humor und letztlich 3-sprachig gemeistert. Unser Schwedischvokabular ist seither um eine Vokabel reicher: Analfistel heißt auf schwedisch „Analfisteling“. Die Wunde an der „very personal area“ wurde behandelt und ausgespült und man verschrieb uns ein Medikament, das wir aus der Notdienst-Apotheke holen mussten, denn wie immer passieren solche Dinge auch im Ausland am Wochenende. Das bedeutet in Schweden: Nummer ziehen und warten bis man aufgerufen wird – auch wenn sonst niemand da ist! Nach ein paar Tagen musste man die Wunde nochmals spülen und wir machten Bekanntschaft mit dem nächsten Tierarzt. Das war alles zu Handyzeiten – ohne WLAN!

Personenschaden

Es gibt auch Momente im Leben eines Hundebesitzers in denen er selbst mit Leib und Leben in Gefahr kommt! Dabei meine ich nicht nur evtl. Bißverletzungen beim Trennen eines Hundekampfes (ähm, wir haben einen Terrier!).
Oh nein! Legt Stacy (Anastasia) mal unvermittelt den Turbo ein, bleibt schon mal ein Finger an den Ösen der verstellbaren Leine oder dem Halsband hängen und knickt um 90 Grad in die entgegen gesetzte Richtung um. Bei spontanem Zug rutscht auch schon mal ein Wirbel aus der Reihe und ich hatte auch schon mal Nasenbluten, als ich gegen einen Pfosten gezogen wurde. Bei Glätte setzt es einen auch schon mal unvermittelt auf den Allerwertesten, wenn man zwischen zwei Hunden aufgespindelt wird, von denen einer den fremden Hund begrüßen und der Andere ihn lieber fressen würde. Oder wenn beide einen Fuchs, eine Katze ein Eichhörnchen etc. sehen. Dabei leiden dann auch mal Knöchel oder Knie.
Nicht zu verachten war das Tauchbad unseres Sohn, der zuerst den Terrier aus dem kleinen Fischteich ziehen wollte, und dann durch einen Bodycheck des Rottweilers, selbst ins abgestandene Algenwasser befördert wurde.

Mahlzeit!

…dachte sich vermutlich auch der Terrier, als er den restlichen Schoko-Nikolaus aus der Alufolie leckte. Er hatte aber schon immer die Gunst der Stunde und die frühere, kindliche Verträumtheit unseres Sohnes genutzt, und dessen Brötchen geklaut, als dieser es begutachtend in der Hand hielt, oder vom Teller, der kurz unbeaufsichtigt auf dem Couchtisch stand. Auch die heiße Grillwurst, die vom Teller kullerte schlang er in sich hinein und ertrug, wie ein Mann, den sicherlich verbrannten Gaumen!
Eine Gemeinschaftsproduktion war die Beschaffung einer Riesenmaus oder Ratte: Rottweiler und Terrier schnaubten an unterschiedlichen Ausgängen des gegrabenen Kanals, bis das Vieh durch einen Tunnel zu fliehen versuchte und direkt im Maul des Terriers landete. Dieser biss nochmals nach und trug dann seine Beute stolz während des ganzen Spaziergangs mit sich herum. Ein vorbeikommendes Pärchen bewunderte das „so echt aussehende Spielzeug“!. Er musste die Beute kurz wegen „wichtiger Bedürfnisse“ ablegen und so konnten wir ihn davon abbringen. Er hat aber daraus gelernt, denn auf bestimmten Waldspaziergängen gibt’s schon mal ne „Maus-to-go“!

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es ganz still…

und jetzt weiß ich auch warum: Auf dem Sofa liegt das total zerkaute Maßband, das ich zum Abmessen des neuen Halsbandes und Regenmantels benutzt habe. Wir vermuten, die drei haben ihren BMI ausgerechnet…

Ein Gastbeitrag von Patricia

Alle Bilder & Quellen: Patricia