Wandern liegt im Trend – vor allem in der schönen Herbstzeit. Kein Wunder, denn vieles spricht dafür: Der Aufenthalt in freier Natur ist ein idealer Ausgleich zum Berufsalltag und stärkt die Gesundheit von Mensch und Hund. Viele sind diesem Trend erlegen, aber es bedarf einer gewissen Vorbereitung und Kräfteeinschätzung. Wir sagen euch, auf was ihr beim Wandern mit Hund achten solltet.
Warum ist Wandern mit dem Hund so gut für Mensch und Hund?
Wandern fördert die Ausdauer, stärkt das Immunsystem und ist gut für den Bewegungsapparat sowie das Herz-Kreislaufsystem. Doch Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Gelenkbeschwerden, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht mehr nur uns Menschen „vorbehalten“. Auch für des Menschen besten Freund, den Hund, ist eine gesunde und artgerechte Freizeitgestaltung wichtig für das körperliche und seelische Wohlbefinden.
Wandern mit Hund birgt auch ein gewisses Risiko
Immer wieder gibt es Meldungen wie diese, die wandernde Hundehalter wach gerüttelt:
- Am Dachstein wird ein 85-jähriger Mann von einer Kuhherde attakiert und verstirbt.
- In Nordtirol hat eine Kuhherde eine Wanderin mit Hund angegriffen und tödlich verletzt.
- In Schladming wird eine Frau von Kähen schwer verletzt.
- Am Watzmann attackiert ein Steinbock einen Bergsteiger mit Hund.
- In Tirol wird eine Frau durch Mutterkühe verletzt
Ziel der Attacken sind laut Experten fast immer die Vierbeiner. Wanderer mit Hunden leben offensichtlich gefährlich(er).
Aber auch durch mangelnde Vorbereitung und falsche Annahmen über die Anforderungen einer Wanderung kann der Berg-Trip zur Gefahr werden.
Nachfolgend findet ihr einige Tipps und Erfahrungswerte, was ihr auf euren gemeinsamen Wanderungen im Gebirge beachten solltet, damit sie zum Vergnügen und nicht zum Desaster werden.
Dauer und Beschaffenheit der Strecke
Es gibt Wanderwege mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und Dauer. Nicht alle Strecken sind für Hunde geeignet. Manche Abschnitte können zum Beispiel zu schmal sein oder Klettersteige enthalten. Hierüber solltet ihr euch frühzeitig informieren. Wanderungen können von ein, zwei bis zu mehreren Stunden oder sogar Tagen dauern.
Wie weit ihr wandert, hängt nicht nur von eurer Kondition und Fitness ab, sondern auch vom Zustand und Alter sowie der Rasse eures Hundes. Noch nicht ausgewachsene Hunde sollten keinesfalls zu sehr belastet werden. Gelenke und Knochen könnten in Mitleidenschaft gezogen werden, was sich dann im Erwachsenenalter durch Bewegungseinschränkungen zeigt. Wenn euer Hund bereits zu den betagteren Fellgenossen zählt, kann ein Tierarzt vor Urlaubsantritt bzw. geplanter Wanderung beurteilen, welchen Anforderung er gewachsen ist. Auf alle Fälle sollte auch hier Rücksicht genommen werden.
Zur Vorbereitung auf eine längere Wandertour solltet ihr mit dem Hund mehrmals eine kürzere Strecke von zwei bis drei Stunden laufen – falls ihr das nicht ohnehin macht. Vor allem untrainierte Tiere, die keine ausgiebigen Spaziergänge gewohnt sind, könnt ihr so an drei bis vier Wochenenden auf die anstehende Belastung vorbereiten. Sie bauenen genauso Muskeln auf wie ihr, wenn ihr im Training seid.
Aktive Rassen wie Hüte- und Jagdhunde sind prinzipiell geeigneter für eine lange Wanderung als beispielsweise ein Mops. Ein Bully packt den Auf- und Abstieg erfahrungsgemäß etwas besser. Allerdings nur, wenn er trainiert ist und keine Atemprobleme vorliegen, was leider nicht selten der Fall ist.
An heißen Tagen solltet ihr keinen (anspruchsvollen) Aufstieg planen, schon gar nicht, wenn die Strecke ausschließlich in der Sonne liegt und ihr erst zu späterer Stunde aufbrecht. Das gilt grundsätzlich für alle Hunderassen, für diejenigen mit kurzem Fang aber umso mehr.
Falls euer Hund Zeichen von Erschöpfung zeigen sollte, macht entweder eine längere Pause oder tragt ihn (ist natürlich nur bei kleineren Rassen möglich) einen Teil der Strecke. Plant zwischen mehreren Wandertagen unbedingt ausreichend Erholungsphasen für euren Vierbeiner ein. Er wird es euch danken.
Ausrüstung
Beim Packen eurer Rucksäcke braucht ihr für Wanderungen mit Hund etwas mehr Stauraum als ohne haarigen Wanderpartner. Denn auch euer Hund benötigt ein, zwei Dinge für den Berg-Trip. Dazu gehören unter anderem:
Proviant:
Denkt an ausreichende Energiespender für euren Liebling. Am besten eignen sich Trockenfutter und kleine Snacks in Form von Leckerlis. Nassfutter und Rohfutter sind aufgrund der Verderblichkeit nicht sinnvoll. Füttert euren Hund nicht direkt vor Beginn der Wanderetappen. Nach der Fütterung solltet ihr eine einstündige Pause einlegen.
Wasservorräte:
Am besten sucht ihr euch vor allem Wanderwege aus, die an Wasserläufen oder Seen liegen. Ein See auf dem Weg erfreut natürlich besonders die Wasserratten unter den Hunden und sorgt für eine schöne Abkühlung – vor allem bei warmen Temperaturen. Zusätzlich solltet ihr genügend Wasser für euch und euren Hund für bach-arme Streckenabschnitte mitnehmen. Ein faltbarer Futter-/Wasserbehälter ist praktisch und nimmt wenig Platz ein.
Tragegurt/Hunderucksack:
Falls euer Hund müde wird oder es streckenweise sehr steil und steinig wird, empfiehlt sich ein Tragegurt oder Hunderucksack (nur für Hunde bis zu einer gewissen Größe möglich). Für Herrchen und Frauchen bedeutet das mitunter schwere Last, aber wenn man anspruchsvollere Wanderungen gehen möchte, muss man da für seinen Schützling durch.
Decken/Schutzkleidung:
Je nach Witterungsverhältnissen und geplanten Höhenmetern gehört ein Wind- und Regenschutz für euren Vierbeiner in den Rucksack. Eine Hundedecke (z.B. aus leichtem Fleece-Material) kann bei den Raststationen als Unterlage oder aber auch zum Abtrocknen nach einem Regenguss oder einem Bad im Bach oder See verwendet werden. Manche Hundehalter nehmen noch ein zusätzliches Handtuch mit.
Notfall-Apotheke:
Egal wie vorsichtig ihr seid und wie sicher die ausgewählte Strecke zu sein scheint, kann sich der Hund verletzen. Wir haben immer ein kleines Erste-Hilfe-Set bestehend aus Verbandsmaterial, Pinzette, Schere, Desinfektionsspray und Mullbinden im Rucksack. Ihr könnt auch ein größeres Set mitnehmen, das zusätzlich einen Schutzschuh (Größe vorher prüfen), sterile Kochsalzlösung, eventuell Augentropfen und eine Zeckenzange beinhaltet.
Achtung Herdenvieh!
Die zum Teil tödlichen Attacken von Kuhherden haben gezeigt, dass man mit Hund eher zum Angriffsziel von Nutztieren (oder auch Wildtieren) wird als ohne. Um Kühe solltet ihr möglichst immer einen Bogen machen. Wir selbst haben am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich eine ganze Herde in Bewegung setzen kann, wenn ihnen die Anwesenheit eines Hundes nicht passt. Kühe gehören einfach instinktbedingt nicht zu den größten Fans unserer Vierbeiner – egal wie verträglich diese sind. Hunde sind im Kuhhirn als Eindringling und Feind etikettiert – umso so mehr, wenn sich Jungtiere in der Herde befinden.
Es ist natürlich nicht immer leicht Herden zu umgehen, wenn man zu einer Alm unterwegs ist. Wenn es keinen Ausweg gibt und man tatsächlich durch eine Herde gehen muss, ich empfehle ich, den Hund an einer Leine zu führen, die weder Griff noch Schlaufe hat. Damit ist der Hund unter Kontrolle, und falls die Kühe tatsächlich auf ihn losgehen, kann man ihn wegrennen lassen, ohne dass er irgendwo hängenbleibt.
Leine am Berg: ja oder nein?
Das kommt darauf an:
- 1. Die Leinenführigkeit eures Hundes
- 2. Die regionalen/landestypischen Vorschriften zum Führen des Hundes
Wir haben unseren Hund bei Wanderungen fast immer an der Leine – aus einfachem Grund: Er ist ein Höhen-Junkie und überschätzt sich und seine Fähigkeiten maßlos.
Eine Bulldogge eben, die zudem ein Selbstbewusstsein ohne Grenzen hat. Die Tiefe zieht sie magisch an. Am Berg kann das natürlich böse enden. Daher haben wir sie auf Wanderungen mit Steilhängen grundsätzlich an der Leine.
Führt ihr euren Hund an der Leine, sollte er nicht zu den „Zugtieren“ gehören – auch wenn das beim Anstieg mitunter ganz praktisch ist. Zieht euch euer Liebling allerdings beim Abstieg, habt ihr ein Problem: Wenn der Hund zieht und euch damit aus dem Gleichgewicht bringt, ist ein Sturz vorprogrammiert. Viele Hunde können aber garantiert auch leinenlos den Berg erklimmen – vorausgesetzt sie lassen sich zuverlässig abrufen.
Ob ihr euren Vierbeiner an der Leine führt oder frei laufen lasst ist aber nicht nur eine persönliche Entscheidung: Je nach Gegend gelten unterschiedliche Gesetze, die Hundehalter beachten sollten: Nicht überall dürfen Hunde frei laufen. Manchmal herrscht Leinenzwang, unter Umständen sogar Maulkorb-Pflicht.
Packliste für die Wanderung mit Hund:
- Wasservorrat
- Faltbarer Wassernapf
- Futter (am besten Trockenfutter)
- Erste-Hilfe-Set
- Tragegurt oder Hunderucksack
- Decke
- Schutzkleidung
- Handtuch
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