Bin ich ein schlechter Hundehalter?

Bin ich ein schlechter Hundehalter?

Isabella Staudt-Millmann hatte einige Freunde und Bekannte mit Hund, doch eine Frage geisterte im Raum herum.

Manche kannte ich schon in der Zeit „vor“ ihrem Hund, andere habe ich durch den Hund kennengelernt. Die meisten davon gehen regelmäßig in Hundeschulen oder Hundevereine, gut die Hälfte macht Sachen wie Agility, Flyball oder Schutzhundausbildung, ein paar andere machen Obdience, Clickertraining oder Fährtenarbeit. Alle erzählen mir von ihren stundenlangen Spaziergängen, den Schwimm-Einlagen und Hunde-Wander-Tagen mit anderen Hundebesitzern. Ich höre oft ganze Vorträge über Vor- und Nachteile vom Barfen, besonderen Trockenfuttersorten und Nahrungsergänzungsmittlen, die jeder Hund braucht.

Bin ich zu bequem?

Die meisten Leute wundern sich dann immer, wenn ich ihre freundlichen Einladungen zum Besuch im Hundeverein, der Hundeschule oder Vorträgen über Ernährung ähnlichem ablehne. Mir wird dann oft unterstellt, ich hätte zu wenig Interesse an der Entwicklung meiner Hunde, meine Bequemlichkeit wäre mir wichtiger als die geistige Auslastung der Beiden – ich wäre ein schlechter Hundehalter!

Muss man immer dem letzten Trend hinterherhecheln?

Es gibt so viele moderne Sport- und Beschäftigungsarten für Hunde bei denen ich erst mal googeln muss um herauszufinden, warum es geht. Einiges liest sich ja schon sehr interessant – aber ich frage mich dann, wie soll ich das noch in mein Leben mit einbinden und vor allem, was hätten meine Hunde davon. Die Ernährung meiner Hunde mag nicht dem neusten Stand der Forschung entsprechen – aber jeder von Beiden bekommt, was ihm gut tut. Damon ist ein echter Fleischfresser, daher bekommt er öfter mal etwas Rohes und Leckerchen aus getrocknetem Fleisch. Laika liebt Käse, daher ist ihr Futter immer mit Frischkäse gestreckt und ihre Leckerchen sind öfter mal Käsewürfel.

Oft sind es die einfachen Dinge, die Spaß bereiten

Damon hätte vielleicht bei einigen dieser Dinge seinen Spaß – aber den kann er auch so haben. Ohne Druck, ohne Zwang und sehr abwechslungsreich. Laika würde bei vielen dieser Sachen auch gerne dabei sein … irgendwo zentral liegend und alles beobachtend :)
Für Laika ist die schönste aller Beschäftigungen das Beobachten – egal wo wir sind. Wenn sie sich hinsetzten oder hinlegen darf und kann die Aussicht genießen, dann leuchten ihre Augen. Der Wind darf dabei ruhig heftig wehen, dann kommt zum Beobachten auch noch das Riechen. Selbst wenn ich mit Damon etwas unternehme, dann liegt Laika gerne in der Nähe und schaut zu. Sie käme nie auf die Idee, sich an etwas zu beteiligen.

Damon liebt Suchspiele – egal ob drinnen oder draußen. Deswegen verstecke ich manchmal Leckerchen oder Spielsachen. Laika geht manchmal mit – manchmal bleibt sie liegen!

Damon mag den Clicker – er lernt gerne Tricks. Deswegen probieren wir immer mal wieder etwas Neues oder vertiefen schon Gelerntes. Laika schaut zu und erwartet beim clicken kein Leckerchen.

Damon klettert gerne und springt auch – er mag Rampen, Tunnel und Rohre. Deswegen darf er auf Baumstämme klettern, in Rohre krabbeln und unter Stühlen durchlaufen. Laika beobachtet ihn und klettert auf das Sofa.

Damon jagt gerne – er fängt Mäuse und Bälle. Deswegen darf er unterwegs seinen Mäuselsprung üben und ich werfe Bällchen für ihn im Feld oder im Garten. Laika schaut dem Ball nach und legt sich hin.

Damon mag es, wenn ich mich mit ihm beschäftige – deswegen beschäftige ich mich auch gerne mit ihm. Aber er braucht dazu keine anderen Hunde und auch keine anderen Menschen – ich auch nicht.

Laika liebt es, wenn sie einfach dabei sein kann und kann sich alles ganz in Ruhe anschauen – deswegen laufen wir oft an eine Kuhweide (siehe Bild oben). Dort kann Laika stundenlang liegen bleiben und die Kühe beobachten – weil sie es mag, gehen wir hin.

Damon auf einem BaumstammBildangaben: Bild & Quelle: Isabella Staudt-Millmann

Bild & Quelle: Isabella Staudt-Millmann

Hauptsache man geht auf die Hunde ein!

Meine beiden Hunde haben sehr unterschiedliche Charaktere – die vorherigen hatten das auch. Ich bin der Meinung, es gibt keinen Verein, keine Sportart und keine Fütterungsmethode, die diesen unterschiedlichen Wünschen gerecht wird. Ich kann darauf eingehen und tue es auch sehr gerne.
Für mich ist es wichtig, dass wir mit unseren Hunden leben und sie mit uns.

Natürlich brauchen auch meine Hunde Erziehung und Regeln … aber eben meine Regeln. Bei mir muss Laika nicht sofort auf den Bauch fallen, wenn ich „Platz“ sage – ich will nur, dass sie sich gemütlich hinlegt, weil sie dann sicher auch eine Weile liegen bleiben soll. Ich will mir sicher sein, dass meine Hunde im Büro nicht stören, sie müssen sich in Restaurants und Hotels benehmen können. Ich möchte durch einen Tierpark laufen können ohne dass es permanent ein riesen Gebell oder Gezerre gibt. Wenn ich mein Brötchen nach dem Frühstück auf dem Tisch vergesse, dann will ich es auch später noch dort finden. Aber nichts davon muss ich irgendwo anders speziell trainieren – ich muss es meinen Hunden während des gemeinsamen Lebens beibringen.

Ich muss nicht in einem Hundeverein sein, damit ich mich mit den Leuten im Vereinsheim austausche während meine Hunde einfach mit anderen Hunden auf dem Platz machen können, was sie wollen. Ich muss keinen Kurs besuchen, in dem nur einer meiner Hunde seinen Spaß hat, während der andere nicht dabei sein darf, weil er an dem Kurs kein Interesse hätte. Ich muss mir keine Vorträge über Ernährung anhören, wenn ich mit meinem Tierarzt bei der regelmäßigen Gesundheitsprüfung auch darüber reden kann.

Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Hunden… (mehr dazu auch auf Isabella’s Internetseite) aber dann bin ich auch wirklich bei Ihnen und mit ihnen zusammen. Wenn mich das zu einem schlechten Hundebesitzer macht … dann bin ich es gerne!

Bild & Quelle: Isabella Staudt-Millmann