Rasseportrait American Staffordshire Terrier

Rasseportrait American Staffordshire Terrier

„Oh Gott, ein Kampfhund!“
„Habt ihr da keine Angst mit den Kindern?“
„Geiler Hund, ey!“
Ständig müssen sich Besitzer von American Staffordshire Terriern solche Kommentare anhören. Dazu gibt es noch allerlei Ammenmärchen über diese wundervollen Hunde wie zum Beispiel, dass sie eine Beißkraft von 2 Tonnen haben, eine Kiefersperre, die es verhindere, dass sie ihr Maul öffnen können, sobald sie sich festgebissen haben und die Hündinnen würden ihre Welpen direkt nach der Geburt töten, würde man sie ihnen nicht sofort wegnehmen. Sogar eine doppelte Zahnreihe à la „Weißer Hai“ wurde ihnen schon angedichtet. Dabei sind auch Amstaffs (so die Abkürzung der Rassebezeichnung) tatsächlich nur ganz normale Vierbeiner und haben noch so viel mehr zu bieten als ihr Image als „Hund aus dem Milieu“ vermuten lässt.

Aussehen und Rassestandard

Der American Staffordshire Terrier hat eine Schulterhöhe von 46-48 cm und ist somit ein mittelgroßer Hund. Er gehört laut VDH zur FCI-Gruppe 3, Sektion 3, den bullartigen Terriern. Sein kurzes und pflegeleichtes Fell gibt es in allen möglichen Farbvarianten.

Sein Körperbau ist muskulös, er vermittelt den Eindruck von Stärke, ohne überbaut zu wirken; ein Athlet durch und durch!

Er hat einen breiten Kopf mit einem kräftigen Gebiss und Rosenöhrchen.

American Staffordshire Terrier 2Bildangaben: Bild & Quelle: Kathrin Weisgerber

Bild & Quelle: Kathrin Weisgerber

Wesen und Verwendung

Wenn man den Namen „American Staffordshire Terrier“ hört, denken viele vor allem an „Kampfhunde“, was bis vor einem halben Jahrhundert auch noch der Hauptjob dieser Hunde war.

In brutalen Kämpfen wurden sie nach monatelangem Training und Selektion in der „Pit“ (daher auch der Name „Pitbull Terrier“) aufeinander losgelassen, bis der Schwächere entweder zu stark verletzt war um weiter zu kämpfen oder aufgab. Die Hunde mussten im Kampf jeder Zeit von ihren Menschen getrennt werden können, wer in dieser Situation zubiss, wurde sofort eliminiert. Durch diese Zuchtselektion ist auch die unbedingte Treue zum Menschen zu erklären, die den American Staffordshire Terrier bis heute noch ausmacht. Nach und nach gab es Bestrebungen, die Hunde nicht mehr nach Leistung, sondern nach ihrem Aussehen zu selektieren, so entstand aus dem American Pitbull Terrier der American Staffordshire Terrier als Showlinie. Der Pitbull Terrier stellt nach wie vor die Leistungslinie dar, seine Kraft und Stärke werden heute allerdings in diversen hundesportlichen Wettkämpfen wie dem „Weightpulling“ gemessen. Diese Rasse ist vom VDH nicht anerkannt, im Gegensatz zum American Staffordshire Terrier.

So ist der American Staffordshire Terrier heute ein ausgeglichener und gesunder Familienhund, der wenig bellt und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Er ist sehr kinderlieb, weswegen er in Amerika gerne als „Nanny Dog“ oder Therapiehund eingesetzt wird.

Der prominenteste Kinderfreund ist Pete von den „Kleinen Strolchen“, der der erste American Staffordshire Terrier war, der offiziell beim Amerikanischen Kennel Club registriert wurde und als Filmhund heute noch weltberühmt ist. Auch in Deutschland sieht man mittlerweile immer mehr American Staffordshire Terrier, die mit ihrer ursprünglichen Verwendung nichts mehr gemein haben und viel lieber als Therapie-, Besuchs- und Rettungshund arbeiten.

Sie sind sehr aufmerksam gegenüber ihrer Umwelt, haben aber keinen ausgeprägten Schutztrieb. Der American Staffordshire Terrier möchte immer gefallen. Er besitzt einen besonderen „Will to please“ ohne ein Hütehund zu sein.

Er will am liebsten überall dabei sein und ist für jeden Spaß zu haben: wandern, schwimmen, Frisbee spielen oder einfach nur über Bäume springen, er ist für alles zu haben, ohne dass er es einfordert.

Auch für den Hundesport (Agility, Mantrailing, Dogdancing, Obedience oder Schutzhundesport) ist er optimal geeignet, da er sehr leichtführig, gelehrig und leicht zu begeistern ist. Der Amstaff ist ein echter Allrounder, der für alles zu haben ist, was Spaß und Action verspricht. Genau so liebt er es aber auch auf der Couch zu lümmeln. Das kann er bei schlechtem Wetter den ganzen Tag, weswegen er auch optimal für Schönwettergassigänger geeignet ist.

Alles in allem sind American Staffordshire Terrier lammfromme Clowns, die einfach Spaß machen.

Nichtsdestotrotz sollte vor allem bei dieser Rasse auf eine gute und frühe Sozialisierung mit anderen Hunden und Tieren Wert gelegt werden, da sie wegen ihrer Geschichte und dem Terriercharakter einer Rauferei nicht zwangsläufig aus dem Weg gehen, ohne allerdings per se unverträglich oder übermäßig streitsüchtig zu sein. Das große Selbstbewusstsein dieser Hunde macht einen Streit in ihren Augen überflüssig, da sie sich selbst für stets überlegen halten.

Rasseproblematik – ist der American Staffordshire Terrier ein Kampfhund?

Trotz seiner Liebenswürdigkeit und kompromisslosen Liebe zu seinem Menschen leidet die Rasse des American Staffordshire Terriers nach wie vor unter einem schlechten Image, was vor allem aus seiner Geschichte als „Kampfhund“ und einigen traurigen Vorfällen mit diesen Hunden resultiert. Gerade die kompromisslose Treue zu ihren Menschen wurde ihnen zum Verhängnis, da sie sich allzu leicht für die fragwürdigen Interessen ihrer Besitzer instrumentalisieren ließen. Deswegen und wegen einer sehr medienwirksamen Berichterstattung herrschen in fast allen Bundesländern außer Nordrhein-Westfalen und Schleswig Holstein strenge Auflagen zum Halten und Führen dieser Hunde. Die Gesetze unterscheiden sich alle, aber fast immer beinhalten sie das Ablegen eines Wesenstests oder eine erhöhte Hundesteuer, Leinen- oder Maulkorbpflicht. Beim Wesenstest wird getestet, wie sich der Hund in Stresssituationen verhält, wenn er zum Beispiel von Menschen bedrängt oder von Hunden angepöbelt wird. Dabei hat sich bis jetzt immer gezeigt, dass der American Staffordshire Terrier wie jeder andere Hund auch reagiert, wenn nicht sogar weitaus ruhiger und gelassener.

Heute gibt es zahlreiche verhaltensbiologische Veröffentlichungen, die sich mit der vermuteten gesteigerten Aggressivität dieser Hunde befassen (zum Beispiel von Günther Bloch oder Dorit Urd Feddersen-Petersen) und alle zu dem gleichen Ergebnis kommen: ein American Staffordshire Terrier zeigt keine größere Aggressivität als ein Golden Retriever. Trotz alledem eilt diesen Hunden ihr schlechter Ruf voraus, sodass sie in manchen Ländern wie zum Beispiel Dänemark komplett verboten sind und man mit ihnen nicht in jedem Land Urlaub machen kann, da auch für Touristenhunde ein Einreiseverbot bestehen kann.

Dank einer umfassenden Aufklärungsarbeit durch verschiedene Organisationen wie zum Beispiel den SoKa-Run e.V. verbessert sich aber nach und nach das Rassebild in der Öffentlichkeit und einige Bundesländer haben ihre Rasseliste bereits abgeschafft.

Ein Gastbeitrag von Kathrin Weisgerber

Beitragsbilder & Quellen: Kathrin Weisgerber