8 Lektionen, die Du von deinem Hund lernen kannst

8 Lektionen, die Du von deinem Hund lernen kannst

Mein Name ist Axel Löwenstein. Ich bin 44 Jahre alt und wohne mit meiner Frau in der Nähe von Hamburg. Dem Aufruf von „Issn Rüde“ konnte ich nicht widerstehen und habe natürlich sofort einen Gastbeitrag geschrieben.

Meine Frau und ich haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ein Hund würde wohl einiges in unserem Leben verändern und durcheinanderwirbeln. Zwei spontane, freiheitsliebende und reislustige Menschen, die sich jetzt freiwillig so einen Klotz ans Bein binden? Ja! Das Votum war eindeutig und einstimmig.

Die akribische Vorbereitung war eigentlich eher verwirrend, als sonderlich hilfreich, denn allein bei Amazon erhält man mit dem Suchbegriff „Hund“ ca. 29.000 Ergebnisse in der Kategorie Bücher. Die Rezensionen schwanken hierbei von „völlig unbrauchbar“ bis „unfassbar gut“, was für ein einziges Buch schwer nachvollziehbar ist. „Wie Du aus deinem Welpen in nur zwei Tagen eine perfekte Kampfmaschine machst“, war eigentlich mein Favorit, aber meine Frau erhob berechtigte Zweifel, dass dieses Versprechen vielleicht etwas zu vollmundig sei.

Im Fernsehen erzählt einem dann ein Mexikaner mit auffallend weißen Zähnen, dass man den Hund erst mal unterwerfen muss, um dann sein Rudelführer werden zu können. Aha? Ein pummeliger deutscher Hundeprofi quasselt später auf einem anderen Sender, dass das alles Unfug sei und stopft seine „Patienten“ mit Leckerlies voll. Ok?

Die ersten Zweifel kommen in uns auf und die Unruhe wächst.

Vor ziemlich genau einem halben Jahr war es dann so weit. „Horton“ ein vier Monate alter Mischlingsrüde aus Rumänien steht nach einer anstrengenden Fahrt erschöpft in unserem Wohnzimmer und schaut uns ängstlich und unsicher an.
Das trifft sich gut, denn wir sind genauso ängstlich und unsicher!
Meine Frau und ich sind sehr bemüht unserem Hund alles Nötige beizubringen, um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten. Ich merke aber immer mehr, dass diese Lehrzeit keine Einbahnstraße ist und lerne ebenso einfache, wie erstaunliche Lektionen von meinem Hund.
Acht dieser Lektionen möchte ich hier gerne mit Dir teilen.

1. Mach regelmäßig Stretching

Wenn man seinen Hund mal in Ruhe beobachtet wird man feststellen, dass er sich nach jeder längeren Ruhephase ausgiebig streckt. Da macht er sich erst mal gaaaanz lang und dehnt sorgfältig seine Gliedmaßen, um sich auf die bevorstehenden Belastung vorzubereiten Das ist nicht nur für Hunde ziemlich schlau, denn Dehnung ist für die Sehnen und den gesamten Bewegungsapparat des Menschen genauso wichtig. Hast Du schon mal an Yoga gedacht? Der „herabschauende Hund“ ist ja nicht frei erfunden. Die Natur diente hier als gutes Vorbild. Ich versuche diese Dehnung jetzt in meinen täglichen Ablauf zu integrieren und beginne den Tag einfach mal mit dem „Sonnengruß“, wenn Horton mich lässt, denn meine Übungen wirken wohl wie eine Einladung zum Spiel auf ihn.

2. Trainiere kurz, aber hart

Kaum ein Hund läuft ohne Grund einen Marathon. Einige Hunderassen bestätigen hier als Ausnahme natürlich die Regel. „Otto-Normal-Hund“ aber trottet umher, um dann wiederholt plötzlich zu explodieren und zu rennen, als gäbe es kein Morgen mehr. Das ist eine effektive Methode zur Leistungssteigerung, wie z.B das sog. HIT (High Intensity Training) beim Menschen. Kurze Intensive Einheiten mit ständigem Wechsel der Intensität. Im Grunde genommen kann man so sein sportliches Ziel mit weniger Aufwand erreichen. In der Sportszene vielleicht ein Hype, für Hunde völlig normal. Diese Art der Bewegung scheint aber trotzdem die Ausdauer nachhaltig zu fördern, denn Horton wartet auch dann noch auf ein fliegendes Stöckchen, wenn mein Wurfarm schon völlig verzweifelt seinen Dienst quittiert hat. Böse Zungen behaupten Horton macht das nur mir zum Gefallen, weil er glaubt, dass ich Stöckchen-Werfen so toll finde.

3. Schlafe ausreichend

An der Tatsache, dass Schlaf die effektivste Möglichkeit der Regeneration ist, kommt man wohl nicht vorbei. Die Frage, wie viel Schlaf denn nun ausreichend ist, kann so pauschal nicht beantwortet werden. Die richtige Dosis muss jeder für sich selbst herausfinden.
Hunde schlafen bis zu 20! Stunden am Tag, was für mich sicherlich ausreichend wäre. Entgegen unserer ersten Befürchtung kann eine „Frührunde“ mit unserem Hund entfallen, denn Horton wird man zu so früher Zeit aus dem Haus tragen müssen. Krafttraining vor Sonnenaufgang ist dann aber doch nicht so mein Ding.
Ein tief atmender, schlafender Hund ist übrigens für Herrchen schon oft sehr inspirierend gewesen und führte mich zielstrebig auf die heimische Couch.

4. Sei bescheiden bei der Lebensmittelwahl

Menschen sind meiner Meinung nach zu verwöhnt und wählerisch, was ihre Ernährung betrifft. Schon zum Frühstück sollen es die vielfältigsten Leckereien aus aller Welt sein. Der Hund bekommt (in unserem Fall Trockenfutter) fast jeden Tag das Gleiche und er lässt keinen Rest. Nie! Wenn die Nährstoffzusammensetzung in der Nahrung stimmt, ist das kein Problem und bestimmt nicht einseitig. Auch nicht für Menschen.
Ich halte es für wenig sinnvoll, dass unsere Lebensmittel weite Wege gehen müssen, bevor sie auf dem Tisch landen. Meine Oma hat damals aus frischen, regionalen Lebensmitteln Essen für mehrere Tage gekocht. Und es war unglaublich lecker. Auch noch am zweiten Tag! Also, „Support Your Local Bauernladen!“
Mal ganz nebenbei, dein Metabolismus wird auch ohne stündliche Nahrungszufuhr nicht schlagartig zusammenbrechen. Dein Hund isst zwei Mal, vielleicht sogar nur ein Mal am Tag und erbringt trotzdem sportlich Höchstleistungen

5. Lebe hier und jetzt und trau dich glücklich zu sein

Ich habe Horton mal beobachtet, als er völlig gebannt eine Fliege mit den Augen verfolgte. Er war ganz in der Situation versunken und nichts und niemand sind in diesem Moment wichtiger gewesen. Da kann man als Mensch tatsächlich neidisch werden. Wann warst Du zuletzt so fokussiert?

Manchmal sitze ich mit einer Tasse Kaffee im Wohnzimmer und schaue in den Garten.

Da sehe ich dann unser „bellendes Känguru“ völlig enthemmt über den Rasen springen. Wirbelt sein Stöckchen wieder und wieder mit der Schnauze in die Luft und jagt es dann voller Begeisterung. In solchen Momenten wird mir klar wie wenig man wirklich braucht, um glücklich zu sein.

Mir fehlt aber nicht selten der Mut bellend über den Rasen zu springen!
Vielleicht hat Steve Jobs damals sogar an einen Hund gedacht, als er sein wegweisendes „Stay Hungry – Stay Foolish“ formulierte. Wenn Horton irgendetwas definitiv ist, dann nämlich „ständig hungrig und nicht selten töricht“.

6. Sei verlässlich, konkret und ehrlich

Hundeerziehung funktioniert m.E. nur, wenn der Hund genau weiß, was von ihm erwartet wird und was er zurückbekommt. Wenn Du nicht ehrlich bist, merkt dein Hund das als erster. Ich glaube, der Hund macht keine absichtlichen Fehler. Der Mensch ist oft nur nicht in der Lage klar zu zeigen, was er vom Hund erwartet. Dafür kann man sich gern mal beim Hund entschuldigen.

Hund Horton mit der Schnauze im ObjektivBildangaben: Bild & Quelle: Axel Löwenstein

Bild & Quelle: Axel Löwenstein

Ein „Nein“ in der Hundeerziehung sollte auch tatsächlich Nein bedeuten. Wir haben uns viel zu oft gelegentlich von Horton „weichkochen“ lassen und seinem Drängen nachgegeben. Das verlängert den Lernprozess für alle Beteiligten nur unnötig.

Diese Lehre ist für mich besonders im Umgang mit Menschen sehr wertvoll, denn die meisten Probleme entstehen doch durch schlechte Kommunikation. Ich habe mir vorgenommen anderen Menschen gegenüber jetzt immer klar zu formulieren, was ich von ihnen erwarte und gemachte Versprechen auch verlässlich einzuhalten.

7. Nimm dir mal Zeit für dich selbst

Hund Horton in der Ecke der WohnungBildangaben: Bild & Quelle: Axel Löwenstein

Bild & Quelle: Axel Löwenstein


Beneidenswert zu sehen, wie sich der Hund entspannt in seine Ecke zurückzieht und sich ausgiebig der Körperpflege widmet. Da zählt nur er. Ein gesunder Egoismus, der auch dem Menschen gelegentlich nicht schadet.

  • Wann hast Du dich eigentlich zuletzt einfach nur mal um dich gekümmert?
  • Wie wäre es mit einem gemütlichen Aroma-Bad?
  • Keine Arbeit, keine Kinder, keine Haustiere oder sonstige Verpflichtungen. Einfach nur DU!
    Ich denke, diese kleinen Auszeiten sind wichtig, um sich wieder für die anstehenden Aufgaben zu sammeln. Viele Menschen verbringen die meiste Zeit damit, sich um andere zu kümmern und verlieren sich selbst dabei aus dem Blick.
    Ein kleiner Tipp: Wenn Du das nächste Mal in ein Flugzeug steigst, dann schau dir doch einfach mal in Ruhe den Film mit den Sicherheitshinweisen an, denn zuerst musst Du dir im Notfall die Atemmaske aufsetzen. Erst dann bist Du in der Lage anderen zu helfen!

    8. Liebe bedingungslos und verzeihe

  • Du hast nicht das aktuellste Smartphone und keine Designerjeans?
  • Deine Frisur sieht nach „Second-Hand“ aus?
  • Und die Hose will einfach nicht mehr mitwachsen?
  • Es gibt sicherlich Menschen, die dich deswegen kritisch beäugen, aber deinem Hund ist das völlig egal. Für ihn hat Liebe keine Bedingungen.

    Obwohl manche Hunde sehr streng und grenzwertig erzogen werden, lieben sie Herr- und Frauchen und verzeihen ihnen viele Fehler.

    „Gott sei Dank“! Wenn mein Hund mich für alle meine Fehler und Unzulänglichkeiten weniger lieben würde, wäre eine Trennung wohl unausweichlich.

    Diese Liebe und das damit häufig verbundene „blinde Vertrauen“ bringt natürlich eine enorme Verantwortung mit sich und birgt auch viele Gefahren. Ich bin mir dessen bewusst und versuche dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ich hoffe, Du tust das auch!

    Danke „Horton“, dass Du für uns da bist und uns einen anderen Blick auf die Welt zeigst.

    Was durftest Du von deinem Hund lernen?

    Ein Gastbeitrag von Axel Löwenstein

    Mehr von Axel gibt es auch hier: www.denkfalle.de

    Ausserdem von Axel Löwenstein bei Issn’ Rüde! erschienen:

    Alle Bilder & Quellen: Axel Löwenstein