Tierschutz in Portugal

Tierschutz in Portugal

Nach Schätzungen der ESDAW und der RSPCA leben in Portugal rund 2 Millionen Hunde. Neben den heimischen portugiesischen Hunderassen sind auch viele Hunde anzutreffen, die eigentlich nicht aus Portugal stammen und auf anderen Wegen ins Land gekommen sind.

Hunde-Statistiken in Portugal: Fehlanzeige

Wie viele davon in Familienhaushalten leben und wie viele auf der Straße, ist nicht ganz eindeutig geklärt. Nach Schätzungen von ESDAW belief sich die Zahl 2014 auf 250.000 Tiere, die RSPCA geht von rund 500.000 obdachlosen Hunden aus.

Fest steht allerdings, dass das Problem von Jahr zu Jahr wächst und die Zahl der Tiere stetig zunimmt.

Und damit stellt sich für uns natürlich unmittelbar die Frage, wie es um diese Tiere bestellt ist – und wer sich um sie kümmert.

Wie in Portugal Tierschutz aussieht

In Portugal ist Tierschutz kein wirklich wichtiges Thema, was sowohl politische als auch ökonomische Gründe hat. Obwohl es ein Tierschutzgesetz gibt, entscheiden letztendlich die Kommunen selbst, wie sie mit Straßentieren umgehen.

Der Entscheidungsprozess

Der Bürgermeister einer Kommune hat dabei erheblich mehr Einfluss als beispielsweise in Deutschland und kann frei entscheiden, welche Leute seiner Partei welche Ämter bekleiden.

Der Bürgermeister und seine Partei stellen somit unter anderem auch den Amtsveterinär, der nahezu freien Handlungsspielraum besitzt.

Er kann entscheiden, wie er mit Straßentieren verfahren will, ob das Problem überhaupt angegangen werden soll etc.

Regionale Unterschiede

In ländlichen Regionen beziehungsweise in solchen Regionen, in denen wenig bis gar kein Tourismus herrscht, werden Straßenhunde in der Regel toleriert. Darum ist die Anzahl der Straßenhunde in den nördlichen Gegenden von Portugal, beispielsweise in Porto oder in Vila Real höher als in den touristischen Ballungszentren.

Denn dort, wo der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist, wollen die Kommunen ihr Straßenbild nicht durch streunende Hunde „verschandeln“ lassen.

Darum veranstalten manche Gemeinden große Aktionen, bei denen freilaufende Hunde zusammengetrieben und abtransportiert werden. Alle Tiere lassen sich dabei nicht einfangen, aber auf diese Weise können Gegenden wie die Algarve oder Tourismus-Knotenpunkte wie Lissabon von sich behaupten, geringere Populationen an Straßenhunden zu besitzen.

EU-Richtlinien werden nicht umgesetzt

In Portugal sieht der Tierschutz eigentlich vor, dass verwaiste oder abgegebene Hunde, den EU-Richtlinien entsprechend, zunächst in Tierheimen aufgefangen und eine gewisse Zeit gehalten werden, ehe man sie entweder weitervermittelt oder sie einschläfert.

Tatsächlich haben wilde Hunde in Portugal aber keinen hohen Stand. Sie werden als eine Belastung angesehen und oft auf schnelle und billige Weise entsorgt.

Alte Hunde werden von Tierheimen auf die Straße gesetzt, damit sie dort entweder aufgrund ihres Alters oder als Folge eines Verkehrsunfalls sterben.

Welpen entsorgt man teilweise einfach in der Mülltonne.

Maßnahmen zur Regulierung wie die Kastration oder eine standardisierte Einschläferung sind in Portugal vom Tierschutz nicht vorgesehen: Auch Impfungen gegen übliche Hundekrankheiten des Mittelmeerraums wie

  • Ehrlichiose,
  • Leishmaniose,
  • Filariosis oder
  • gegen Wurmbefall
  • werden nicht durchgeführt. Denn diese Maßnahmen kosten Geld, welches die Kommunen nicht aufbringen wollen. Stattdessen bezahlen sie private Unternehmen, welche die Tiere einfangen und oft noch direkt vor Ort töten sollen. Dabei geht von den Hunden von Portugal eigentlich keine Gefahr aus. Die meisten Tiere sind Fremden gegenüber zwar misstrauisch, verlieren aber schnell ihre Scheu und suchen den Kontakt zu Mensch und Tier. Trotzdem geht man in Portugal gegen sie vor, um den Touristen ein vermeintlich besseres Bild des Landes und seiner Tourismusziele zu präsentieren.

    Organisationen, die in Portugal Tierschutz betreiben

    ANIMAL

    Um den unerträglichen Zuständen in Portugal entgegen zu wirken, haben sich diverse Organisationen gebildet, welche sich in Portugal für den Tierschutz engagieren und auch Hunden ohne Besitzern eine Chance auf ein normales Zuhause geben möchten. Eine dieser Organisationen ist ANIMAL, welche sich im Jahr 1994 in Portugal gegründet hat und ein Teil der ECEAE (die Europäische Koalition für die Beendigung von Tierexperimenten) ist. Die Mitglieder von ANIMAL reisen durch das Land und halten Informationsveranstaltungen und Kampagnen ab, welche die Öffentlichkeit auf das Problem des mangelnden Tierschutzes aufmerksam machen und ein Bewusstsein dafür schaffen soll, wie Tiere behandelt werden sollten Gleichzeitig setzt sich ANIMAL verstärkt für den Schutz der Tiere vor grausamen Tierexperimenten ein.

    Mehr Infos unter: http://animal.org.pt

    Animal Welfare

    Eine andere Organisation ist die Portugese Animal Welfare aus Großbritannien. Dabei handelt es sich um eine kleine Organisation aus Suffolk, welche regelmäßig nach Portugal reist, um dort Tierschutzheime und andere Tierschutzorganisationen zu besuchen. Die Organisation will den örtlichen Anlaufstellen für verwaiste Tiere helfen und aufgenommene Tiere an neue Besitzer in und außerhalb von Portugal vermitteln. Spenden sammelt sie über ihren gemeinnützigen Verein in England sowie über Ladenlokale in Regionen wie der Algarve.

    Mehr Infos unter: http://portugueseanimalwelfare.onesuffolk.net

    APAA (Association for the Protection of Animals in the Algarve)

    APAA wurde in den 1990er Jahren gegründet, mit dem Ziel Straßenhunden wieder ein Zuhause zu geben, sei es in Portugal oder in EU-Ländern wie Deutschland. Man betrieb sogar einen eigenen Shelter, musste diesen jedoch aus finanziellen Gründen wieder aufgeben. Immerhin kann sich die Organisation noch durch 3 Shops entlang der Algarve sowie Spenden finanzieren und somit sein hehres Ziel weiterverfolgen!

    Mehr Infos unter: http://www.apaaportugal.com

    Bianca

    Die Organisation Bianca ist ein weiteres Beispiel für eine private Tierschutz-Initiative. Seit 2002 betreibt diese Organisation in Portugal mehrere private Auffangstationen für Straßenhunde- und Katzen, wobei der Hauptsitz in Sesimbra liegt, einer Kleinstadt in der Nähe von Lissabon, wo besonders hart gegen Straßentiere vorgegangen wird. Bianca bemüht sich darum, so viele Tiere wie möglich von der Straße zu holen und an Privatleute zu vermitteln, damit auch diese Tiere schnellstmöglich wieder ein Zuhause finden und kein weiteres Opfer der portugiesischen Politik gegen Straßentiere werden.
    Derzeit finden hier über 200 Tiere ihr Zuhause.

    Mehr Infos unter: http://www.bianca.pt/english/

    Hunde aus Portugal adoptieren

    Abschließend folgt nun noch eine Check-Liste mit Dingen, die man beachten sollte, wenn man einen Hund aus Portugal adoptieren möchte und damit der Misere vieler Strassenhunde ein Ende bereiten mag.

    1) Kontakt herstellen:

    Der erste Schritt zu einer Adoption ist der Kontakt zu einer Tierschutzorganisation oder Tierauffangstelle, welche sich mit Adoptionen beschäftigt. Hierfür gibt es sowohl deutsche als auch ausländische Anlaufstellen im Internet. Bei den Adoptionsstellen kann man sich in der Regel schon die Hunde aussuchen, die man adoptieren möchte, damit man genau weiß, welche Ansprüche der Hund hat und ob man ihm die entsprechende Zeit und Pflege zukommen lassen kann, die der Hund benötigt. Eine kleine Check-Liste zu diesem Thema findet sich auch hier.

    2) Der Transport:

    Der Transport des Hundes wird normalerweise durch die Adoptionsstelle organisiert. Entweder haben die Mitarbeiter der Organisation die Hunde bereits nach Deutschland geholt oder sie haben Kontakte direkt vor Ort, welche die Hunde in Portugal betreuen und den Transport bewerkstelligen. Je nachdem, wie die Adoptionsstelle es vorsieht, kann man den Hund dann entweder direkt in Deutschland am Flughafen bei der Einreise abholen oder man vereinbart einen günstigen Treffpunkt, wo das Tier in Empfang genommen werden kann.

    3) Die Schwierigkeiten des ersten Kontakts:

    Auch wenn die Hunde bereits eine gewisse Zeit in einer Auffangstelle verbracht haben und sich wieder etwas mehr an Menschen gewöhnt haben, bedeutet eine Adoption für sie sehr viel Stress. Gerade der Transport ist eine große Belastung, da viele Hunde es nicht mögen, wenn sie längere Zeit in einem Flugzeug oder in einem Auto liegen müssen und sich nicht frei bewegen können. Darum stehen die Hunde nach einem Transport auch normalerweise sehr unter Spannung und reagieren auf zu viele unbekannte Menschen eventuell abwehrend. Es empfiehlt sich deshalb, nicht direkt mit der ganzen Familie los zu fahren, um den neuen Hund abzuholen, sondern nur einzeln zum Treffen zu kommen. Soll die Übergabe am Flughafen stattfinden, dann sollte man den Hund direkt nach der Anreise erst einmal von dem Strom an Menschen wegführen, die auch aus dem Flugzeug kommen und ihm die Zeit geben, sich wieder etwas zu beruhigen. Wenn der Hund mit einem Wagen transportiert wird, kann man dem Fahrer nach der Ankunft bereits eine Leine und ein Halsband geben, welches er dem Hund noch im Wagen anlegt, damit die Übergabe dann leichter ist.

    Nach der Übergabe braucht der Hund erst einmal ein wenig Zeit, um sich mit seinem neuen Besitzer ein wenig vertraut zu machen. Hier kann es helfen, dem Hund beispielsweise durch das Anbieten von Leckerlie etwas mehr Zuversicht zu geben und langsam eine Verbindung zu ihm aufzubauen, ehe man ihn dann mit nach Hause nimmt, um ihn dort mit dem Rest der Familie und mit seiner neuen Unterkunft bekannt zu machen.

    4) Zur Gesundheit:

    Auch wenn manche Organisationen vorab die Gesundheit der Hunde in Portugal oder nach der Anreise in Deutschland überprüfen, gibt es keine Gewährleistung, dass ein neuer Hund kerngesund ist. Auf den Stress der Reise und der neuen Umgebung reagieren manche Tiere mit Nahrungsverweigerung und auch mit Durchfall. Das heißt nicht zwingend, dass die Hunde krank sind, sondern zunächst einmal, dass die Belastung durch die Umstellung für sie sehr groß ist. Das Wichtigste in der Anfangszeit ist, dass die Tiere einen ruhigen Platz bekommen und ausreichend Wasser haben. Bei der Ernährung sollte man ein wenig auf die Mengen achten, da die Tiere über Monate hinweg nur sehr wenig und eher unregelmäßig gefressen haben. Wenn man ihnen einen vollen Napf hinstellt, werden sie den auch komplett leer machen, selbst wenn ihre Mägen an solche Mengen nicht mehr gewöhnt sind. Darum ist es gut, wenn man dem Hund in der ersten Zeit eher halbe Portionen serviert und die Menge dann langsam steigert, sollte man bemerken, dass er die kleineren Portionen gut vertragen kann.

    Ein Besuch bei einem Tierarzt ist innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Adoption Pflicht, um zu überprüfen, ob mit dem Hund alles in Ordnung ist. Hier sollte man auch sagen, dass der Hund aus Portugal kommt und nachfragen, ob er auf Kokzidien und Giardien geprüft werden kann und um eine Entwurmung bitten.

    In manchen Fällen kann es aber auch trotz eines Besuchs beim Arzt dazu kommen, dass der Hund krank wird. Dies hängt häufig mit der Züchtung und der Haltung zusammen, die ein Hund in Portugal erfahren hat. Es gibt keine Garantien, dass man einen komplett gesunden Hund adoptieren kann und einer Adoptionsstelle ist kein Vorwurf zu machen, wenn ein Hund in Deutschland krank werden sollte.

    5) Zur Stubenreinheit:

    Bei adoptierten Hunden muss man zunächst davon ausgehen, dass sie nicht stubenrein sind. Das liegt einfach daran, dass die Tiere lange Zeit auf der Straße gelebt haben und dort ihr Geschäft immer und überall verrichten konnten. An die Haltung in einem Haus oder in einer Wohnung müssen sie erst wieder gewöhnt werden und entsprechend lernen, dass sie ihr Geschäft nicht überall verrichten können.

    6) Anfallende Kosten:

    Für das Adoptieren eines Hundes fallen natürlich auch Kosten an. Diese unterscheiden sich aber von Organisation zu Organisation. Manche veranschlagen eine sogenannte Schutzgebühr in Höhe von 250 Euro, andere möchten dagegen 320 Euro haben oder dergleichen. Die Schutzgebühr ist mit der Übernahmegebühr für den Hund vergleichbar. Für die Überführung der Tiere von Portugal nach Deutschland muss man dagegen meistens nichts bezahlen. Dafür fallen Kosten für die Anschaffung von Hundesachen wie Näpfen, Futter, einer Decke oder einem Korb, Halsbändern und Leinen an und auch der Besuch beim Arzt will bezahlt werden. Der letzte Kostenpunkt ist die Registrierung des Hundes und das eventuelle Chippen, damit man den Hund auch legal in Deutschland halten kann. Im Zweifelsfall kann man sich auch mit der Adoptionsstelle noch einmal beraten, wenn man weitere Fragen zur Adoption oder mehr darüber erfahren möchte, wie in Portugal der Tierschutz gestaltet ist.

    Beitragsbild & Quelle zu „Tierschutz in Portugal“: Alexas_Fotos / Pixabay, creative commons public domain

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