Wann wird „HUND“ olympisch?

Wann wird „HUND“ olympisch?

Ja, ich gebe es zu. Ich treibe mich schon lange nicht mehr in Fitnesscentern, in Turnhallen oder auf Sportplätzen rum. Die Frage „Treiben Sie Sport?“, gerne mal von einem Arzt, beim Small Talk oder beim gemeinsamen Sport-TV-Glotzen gestellt, beantworte ich ohne jedes Zögern mit: „Ich habe einen Hund!“

Die Antwort sorgt meist für Irritation, wird auch gerne mal belächelt oder mit Kopfschütteln quittiert; nur ganz selten – ich denke diese Menschen haben Hunde – wird wissend genickt.
Dabei gibt es viele Menschen, die nun mal lieber im Wald, Park oder zwischen Feldern spazieren gehen als sich in übelriechenden, überfüllten Fitnessräumen aufzuhalten. Wobei „spazieren“ in Begleitung eines Hundes durchaus zum vielseitigen Leistungssport gezählt werden sollte. Die 200 Kalorien, die man gemeinhin bei einer Stunde Spazierengehen verbrennt, verdreifachen sich in Begleitung eines Hundes ganz schnell.

Aus dem gemütlichen vor sich hin traben zu Beginn der Gassirunde (Stichwort: Aufwärmphase!) entwickelt sich nämlich ganz fix ein hektischer 100-Meter-in-10-Sekunden-Lauf, wenn der Hund das Kaninchen vor seinem Mensch gesehen hat und er seinen Vorsprung auf den Menschen auf die sichere Distanz von mindestens drei Armlängen schätzt. Sollte das blöde Vieh (gemeint ist selbstverständlich das Kaninchen!) nicht ganz schnell in einem Kaninchenloch verschwinden, sondern planlos über die endlosen Felder jagen, dann wird auch für den Menschen der Kurzsprint ganz schnell zum holprigen Marathon. Wenn sich das Haken schlagende Kaninchen dann für einen Abstecher in den Wald entscheidet, erweitert Mensch die Disziplin umgehend zum Hürdenlauf. Wobei die herumliegenden Baumstämme die sehr unangenehme Eigenschaft haben, nicht einfach umzufallen, wenn man das Knie nicht hoch genug hebt; ein eindeutiger Beleg dafür, dass es die Hürdenläufer bei Olympia irgendwie leichter haben. Als ob die Bäume nicht schon ausreichen würden, erfordern Bachläufe – ganz besonders nach Starkregen – ausgeprägte Talente im Weitsprung.

Irgendwann hat dann auch der aufregendste Wettbewerb zwischen Hund, Kaninchen und Mensch sein Ende gefunden. Meist hat der Hund das Kaninchen einfach aus den Augen und der Nase verloren, bemerkt in einem dieser fährtenlosen Momente, dass sein Mensch abhandengekommen sein könnte und reagiert höchst erleichtert auf die ach so vertraute, aber dennoch leicht hechelnd-schnaufende Stimme seines Zweibeiners. Nach Sinken des Adrenalinspiegels bei Hund und Mensch inspiziert Mensch seinen Hund nach Verletzungen. Eventuelle, aus der Verfolgungsjagd resultierende Verletzungen am Hund werden meist mit Gewichtheben quittiert, da das 50 Kilo Vieh (nach der Verfolgungsjagd ist jetzt doch der Hund gemeint!) in den Kofferraum gehoben werden muss oder die Treppen hinaufgetragen wird.

Selbst wenn kein Kaninchen in die Arena tritt und dem Spaziergang eine gewisse Dramaturgie verleiht, dann geht es beim ganz normalen Hundegassi nicht weniger sportlich zu. Das bisschen Gehorsam, das Dressurpferde bei Olympia zeigen, haben die meisten Hunde schon in der Hundeschule, beim Obedience oder gar Dogdancing trainiert. Beim Bällchenweitwurf werden enorme Weiten erzielt und das regelmäßige Aufheben des Balles sorgt für die notwendige Muskeldehnung. Hat man den Hundefrisbee erst mal hundertmal geworfen, bekommt auch diese Gummischeibe gefühlt das Gewicht einer Diskusscheibe von zwei Kilo. Beim Zerrspiel mit dem Hund wälzt sich selbst der Mensch schon mal mit bodenturnerähnlicher Eleganz über den Boden, um sich nicht zu arg im Seil zu verheddern.

Und was ist mit der anschließenden Erfolgsmessung und der Physio? Vollkommen überflüssig! Wenn sich Hund und Mensch erst mal mit einem tiefen Seufzer aufs Sofa begeben haben, müde und zufrieden eine Stunde geschlafen haben, um sich anschließend zu recken und zu strecken (Stichwort für nicht olympische Yogis: hinabschauender Hund!), dann weiß man, dass Hund und Mensch erfolgreich und gesund sind.

Was spricht also gegen „Hund“ als olympische Disziplin? Vielleicht das Doping? Da könnte der Hund begraben liegen. Für CoDo jedenfalls ist schon der Anblick eines Pansensticks oder eines Hundeeis so anregend, dass eventuelle Stimulanzien und Steroide nicht vollkommen auszuschließen sind.

Ein Gastbeitrag von Tanja Laube

Beitragsbild & Quelle: Gellinger / Pixabay, creative commons public domain