Therapiehund im Klassenzimmer – Leseprobe

Therapiehund im Klassenzimmer – Leseprobe

“Therapiehund im Klassenzimmer – Die Wirksamkeit hundgestützter Pädagogik bei Kindern mit ADHS” von Simon Bransch und Katja Schwartz als Diplomarbeit im Fach Sozialpädagogik verfasst, freundlicherweise für Issn’ Rüde! zur Verfügung gestellt von Janine Linke vom Grin-Verlag.

1. Einleitung

Das große Interesse am ADHS-Syndrom und den damit einhergehenden Auffälligkeiten in unserer Gesellschaft führt zu einem ständigen Diskussionsstoff gerade im Bezug auf die Therapierbarkeit dieser Erkrankung. Tiergestützte Interventionen, an denen das Interesse fortwährend zunimmt und deren Angebote in Deutschland immer zahlreicher werden, bieten eine alternative Möglichkeit, ADHS-Kinder zu therapieren.
Die vorliegende Examensarbeit stellt hinsichtlich dieser Tatsache einen theoretischen Querschnitt der beiden Themenkomplexe ADHS und Tiergestützte Intervention dar und widmet sich der Wirksamkeit hundgestützter Pädagogik als Form der Tiergestützten Intervention in einer exemplarischen Fallstudie. In dieser Fallstudie werden vier Sitzungen einer hundgestützten Therapie begleitet, um deren Kurzzeiteffekte zu evaluieren.

Die vorliegende Arbeit teilt sich in drei Themenkomplexe auf, die im Folgenden näher vorgestellt werden.
Der erste Themenkomplex gibt einen Einblick in die theoretischen Grundlagen tier- und hundgestützter Interventionen. Zunächst werden die Beziehung zwischen Mensch und Tier, deren Erklärungsansätze und Verhaltensaspekte dargestellt. Weiter werden Definitionen zum Themenkomplex gegeben. Im Anschluss wird eine pädagogische Basis zur Tiergestützten Therapie und deren Voraussetzungen dargestellt. Es erfolgt eine Differenzierung verschiedener Interaktionsformen bis schließlich die Wirkung eines solchen Therapieansatzes auf den Menschen dokumentiert wird und dies von empirischen Forschungen flankiert wird.
Der zweite Themenkomplex widmet sich der Darstellung des ADHS-Syndroms. Nach einer Klärung verschiedener Ursachenhypothesen wird ein Entwicklungsverlauf dieser psychischen Störung in den einzelnen Lebensphasen des Menschen beschrieben. Es folgt eine Vorstellung einzelner wichtiger Diagnoseverfahren, bis sich der Teil möglichen therapeutischen Interventionsversuchen widmet. Einer dieser Interventionsversuche stellt die hundgestützte Pädagogik dar, deren Wirkungsweise schließlich im Anschluss aufgezeigt wird.
In der Fallstudie werden zunächst das Umfeld und der in der Studie beobachtete Schüler dargestellt. Basierend auf den theoretisch dargestellten Wirkungseffekten von Hunden auf den Menschen innerhalb der Tiergestützten Pädagogik werden Hypothesen aufgestellt, die im weiteren Verlauf auf ihre Validität geprüft werden.
Unsere Erfahrung mit Kindern und unsere eigene starke Affinität zum Hund regten uns dazu an, deren oftmals zu beobachtendes Zusammenspiel weiter zu untersuchen. In der Interaktion mit Tieren wirkten Kinder auf uns immer sehr motiviert und schienen unbewusst in ihrem Verhalten verändert. Es schien, als würden Kinder vor allem sozial und emotional durch den Umgang mit Tieren profitieren. Dadurch wurde unser Interesse für die gezielte pädagogische Arbeit mit Tieren geweckt. Bei unserer Recherche für das Thema dieser Arbeit wurden wir auf den Einsatz von Therapiebegleithunden in Schulen aufmerksam. Dabei trafen wir auf Frau Steffi von Vietinghoff und ihren Therapiebegleithund „Nemo“. In den darauf folgenden Gesprächen und Beobachtungen wurde uns gezeigt, dass eine professionelle, gezielte Arbeit mit Tieren einen sehr großen pädagogischen Nutzen beinhaltet und die Kinder in vielerlei Hinsicht bereichert.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Tiergestützte Intervention als ernstzunehmende Möglichkeit einer pädagogischen, therapeutischen Intervention bei Kindern mit ADHS-Syndrom in Betracht zu ziehen. Es ist nicht ausreichend, einen Hund nur mit in die Schule zu bringen. Die professionelle Tiergestützte Arbeit impliziert fundierte Konzepte, systematische Planung, kritische Reflexion und eine qualifizierte Ausbildung von Hund und Mensch. Ziel dieser Arbeit ist es weiterhin, aufzuzeigen wie das Arbeiten mit dem Tier dazu beitragen kann die Situation von Kindern mit ADHS zu verbessern und die Wirksamkeit dieser Therapieform darzustellen.

2. Grundlagen Tier- und Hundgestützter Interventionen

2.1 Die Mensch-Tier-Beziehung

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist eine Relation, die seit den Anfängen der Menschheit dokumentiert wurde. Tiere dienten nicht nur als Nahrungsquelle oder wurden als Nutztiere gehalten, sondern lebten in enger emotionaler Bindung zum Menschen. Die Faszination und das Interesse an lebenden Tieren werden schon in den frühen Felsmalereien zum Ausdruck gebracht. Eine wesentliche Mensch-Tier Beziehung war die zwischen Menschen und Wölfen. Wie genau diese zu Stande kam, kann man heute nur hypothetisch vermuten. Es ist anzunehmen, dass die Anwesenheit domestizierter Wölfe dem prähistorischen Menschen Sicherheit vor anderen Raubtieren bot und sie so einen beruhigenden Effekt ausübten (vgl. Krowatschek 2007, S.96).
Es gibt verschiedene Erklärungsansätze und Modelle, welche die Mensch-Tier-Beziehung repräsentieren, beispielhaft werden zwei davon im weiteren Verlauf aufgezeigt.

2.1.1 Die Biophilie Hypothese

Biophilie bezeichnet die Liebe zum Lebenden. Da der Mensch in seiner evolutionären Entstehung sich stets gemeinsam mit anderen Lebewesen entwickelt hat und fortwährend von abiotischen und biotischen Faktoren der Umwelt bedingt wurde entstand eine starke Verbundenheit zur Natur (vgl. Olbrich & Otterstedt 2003, S.68). Die Biophilie skizziert die Tendenz des Menschen, zur Natur eine Verbindung herzustellen, was vor allem durch den Kontakt zu Tieren geschieht. Der Biologe Edward O. Wilson veröffentlichte als erster zu diesem Thema sein Buch „Biophilia: The Human Bond with other Species“ (vgl. Frömming 2006, S.18). Während die Beobachtung von Tieren und deren Reaktionen für unsere Vorfahren von existenzieller Bedeutung war, da deren Sinnesorgane wesentlich besser ausgebildet waren und sie somit Gefahren schneller wahrnehmen konnten, suchen die Menschen auch heute noch den Kontakt zu Tieren. Dies zeigt, dass die Neigung zur Zuwendung zur Natur weiterhin gegeben bleibt. Begründet auf dieser innigen Verbindung zwischen Menschen und ihrer belebten Umwelt ist es kein Wunder, dass im Zeitalter der Massenmedien, Industrialisierung, Urbanisierung und Globalisierung, in dem der Kontakt zur Umwelt immer weniger wird, die Begegnung mit dem Tier als beruhigend und positiv wahrgenommen werden kann (vgl. Vernooij & Schneider
2010, S.5).

Das Tier für den Menschen nicht nur einen materiellen Nutzen, sondern über das Verhalten der Tiere kann der Mensch Informationen über seine Umwelt gewinnen. Besonders Kinder haben eine Affinität zu Tieren, diese kann genutzt werden, um Interesse zu wecken und fundiert somit eine pädagogische oder therapeutische Arbeit mit Tieren (vgl. Frömming 2006, S.18). Tiere wirken dabei nicht als Arznei, die eine Störung bewusst heilen kann. Tiere sind vielmehr evolutionär bedeutsame Beziehungsobjekte; sie können das Leben vervollständigen oder ergänzen und wirken dabei vor allem auf der sozialen Ebene. Es ist nicht mehr bloßer Luxus, sich Tiere zu leisten, sondern eine Chance auf eine persönliche, geistige und emotionale Entwicklung (vgl. Beetz 2003, S.80).

2.1.2 Bindungstheorie

Die Forscherin Beetz versucht die Relation von Mensch und Tier durch die Bindungstheorie zu erklären. Diese sieht einen starken Zusammenhang zwischen der frühkindlichen Bindung an eine oder mehrere Bezugspersonen, bzw. deren Abwesenheit und der emotionalen Entwicklung von Kindern (vgl. Vernooij & Schneider 2010, S.10). Die frühen Verhaltensmuster und emotionalen Bindungsmuster zwischen der ersten Bezugsperson und dem Kind sind ausschlaggebend und prägend für alle weiteren Bindungen im Leben. Diese Erfahrungen bilden eine Basis für emotionale und soziale Fähigkeiten und somit für die Qualität der späteren Sozialbeziehungen (vgl. Beetz 2003, S.77). Durch Bindungserfahrungen entwickelt das Kind ein internes Bild von sich und seinen Bezugspersonen und integriert die verschiedenen Lebenserfahrungen in dieses. Es entwickelt somit ein Bild seiner Wirklichkeit (vgl. Beetz 2003, 77).
Bei Defiziten in frühkindlichen Bindungen kann es folglich zu emotionalen Auffälligkeiten kommen. Sicher gebundene Kinder entwickeln meist bessere soziale Fähigkeiten. Ainsworth (1978) arbeitete in seiner Studie vier verschiedene Bindungstypen aus:

  • Bindungsverunsicherte Kinder
  • Bindungsvermeidende Kinder
  • Bindungsambivalente Kinder
  • Bindungsdesorientierte Kinder
  • Beetz überträgt diese Bindungstheorie auf die Verbindung zwischen Mensch und Tier und baut dies auf zwei Hypothesen auf. Sie behauptet, dass Tiere für den Menschen Bindungsobjekte darstellen können und umgekehrt. Zudem stellt sie die Hypothese auf, dass mögliche positive Bindungen zu Tieren die soziale Kompetenz bei der Bindung mit Menschen fortschrittlich suggerieren können. Dies impliziert die Chance, gerade Kindern mit negativen Bindungserfahrungen durch die Beziehung zu einem Tier in ihren emotionalen Qualitäten zu verbessern und mögliche Defizite zu verringern. Beetz bezieht sich mit ihrem Model nicht auf die natürliche Affinität des Menschen zur Natur, sondern erklärt die Verbundenheit von Mensch und Tier auf Basis der Bindungstheorie. Die Ergebnisse einer Studie von Endenburg (1995) unterstreichen die Hypothese der Bindung zwischen Mensch und Tier. Endenburg fand heraus, dass Menschen dazu tendieren, im Adultstadium die Tierart zu wählen, mit der sie als Kind aufwuchsen und die ihnen Sicherheit vermittelte (vgl. Beetz 2003, S.83). „Sie kommt zu dem Schluss, dass die Beziehungen zu einem Tier in der Kindheit, ähnlich wie frühe Beziehungen zu Menschen, zur Ausformung eines individuellen Bindungsmodells im Hinblick auf Beziehungen zu Tieren führen“ (Vernooij & Schneider 2010, S.11). Die Bindung zu Tieren bietet ein breites Potenzial, um soziale und emotionale Fähigkeiten zu verbessern, die im weiteren Leben und Lernen der Kinder von enormer Signifikanz sind. Möglicherweise bildet sich ein neues internes Bild über den Bezug zu einem Tier, dieses positive Beziehungsbild zu einem Tier kann einfacher gebildet werden und die Beziehung zu anderen Personen positiv beeinflussen (vgl. Beetz 2003, S.84).

    2.2 Verhaltensaspekte der Mensch-Tier Beziehung

    Das Verhalten zwischen Mensch und Tier ist durch ein komplexes Gebilde von Aspekten geprägt. In der Forschungsliteratur werden im Wesentlichen drei Aspekte genannt die im Weiteren genauer dargestellt werden:
    • Anthropomorphisierung
    • Kommunikation
    • Interaktion

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    Bild & Quelle: Grin Verlag, via Janine Linke