Stadt, Hund, Stress?

Stadt, Hund, Stress?

In den 40 Millionen deutschen Haushalten leben etwa 6 Millionen Hunde. Diese Haushalte befinden sich natürlich nicht ausschließlich in ländlichen Gebieten. Nicht jeder Hund lebt in einem schönen Haus mit großem Garten. Doch sind Stadthunde prinzipiell unglücklicher als Hunde, die auf einem 1.000 Quadratmeter Grundstück oder in einem Haus am Stadtrand leben? Sollten überhaupt nur Menschen mit ausreichend Platz und viel Grün in der näheren Umgebung Hunde halten dürfen?

Im Großstadt-Dschungel

Natürlich entspricht eine Umgebung, in der der Hund viel Freilauf auf Feldern, Wiesen und im Wald hat, eher dem Bedürfnis eines Vierbeiners als das U-Bahn-Fahren in einer dicht besiedelten Großstadt, in der ihm vielleicht zudem nur wenige Quadratmeter in der Wohnung zur Verfügung stehen.

Statt Grillenzirpen, Vogelgezwitscher und Bienensummen warten im Großstadt-Dschungel nur lautes Motorengeräusch, Menschenmassen, Abgase und Hektik.

Treffen wenig Platz, Auslauf und Entspannung sowie eine ständige Reizüberflutung und Überforderung aufeinander, ist das Unglück meist vorprogrammiert.

Zwischen Leine, schreienden Kindern und fahrenden Autos

Vor allem für ängstliche Hunde, die entweder bereits schlechte Erfahrungen mit den Protagonisten des städtischen Lebens gemacht haben oder für die die Stadt Neuland ist, kann der Schritt über die Türschwelle schnell in einem Spießrutenlauf enden. Dies gilt auch für Hunde, die zu den eher stressanfälligen Rassen mit niedriger Reizschwelle gehören.
Auch der Spaziergang im nahe gelegenen Park gleicht nur ansatzweise dem, was sich Hund vorstellt: Freies Laufen und ausgelassenes Spiel mit Artgenossen wird wegen strenger Leinenpflicht, picknickenden Großstädtern mit Kind und Kegel sowie wegen der stark befahrenen Straße unweit des Parks zur Makulatur.

Hund im AutoBildangaben: PublicDomainPictures / Pixabay, creative commons public domain

So sieht selbst ein Stadthund eher selten aus…
PublicDomainPictures / Pixabay, creative commons public domain

Hund und Mensch im Stress-Strudel

Hinzu kommt, dass die Aggression unter den Stadthunden in vielen Fällen deutlich erhöht ist. Das mag daran liegen, dass in einer Stadt mehr Hunde (und Menschen) mit weniger Platz auskommen müssen. Außerdem können Hunde an der Leine weniger leicht ihre Individualdistanz aufrechterhalten und dem Artgenossen (und auch den Menschen) ausweichen. Es scheint, als gäbe es im städtischen Umfeld mehr „angriffslustige“ Hunde als andernorts.
Zu der gefühlt höheren Dichte an schwierigen Hunden kommt übrigens noch die höhere Anzahl an „Hundefeinden“ hinzu, die aus ihrer Abneigung gegen Hund und Herrchen keinen Hehl machen.

Der Weg zu einem unglücklichen Hund

Stadthundehalter sind gut beraten, ausreichend Zeit für ausgiebige Spaziergänge in der Umgebung einzuplanen – auch wenn das Ziel der hündischen Träume oftmals nur via Auto zu erreichen ist. Was nicht funktioniert ist, wenn Herrchen und Frauchen bevor sie zu einem 8- oder Mehr-Stunden-Arbeitstag aufbrechen den quirligen Jack Russel noch einmal schnell in einem 10-minütigem Power-Walk um den Block führen – es sei denn, sie möchten einen gestressten Hund und genervte Nachbarn. Kläffen, Jaulen und Randalieren könnten nämlich die Folge sein. Auch mit einem langen, abwechslungsreichen Spaziergang und einem ermüdenden Suchspiel vor Arbeitsantritt gilt grundsätzlich:

Mehr als 4 bis 5 Stunden sollte kein Hund allein zuhause bleiben

(das trifft aber auch auf Haushunde auf dem Land zu).

Die Größe macht´s

Und bedenken Sie in einer Stadtwohnung Folgendes: Ein Berner Sennenhund, ein Husky, ein Schäferhund, ein Irischer Wolfshund etc. werden in einer 30 Quadratmeter-Wohnung garantiert nicht glücklich – und Sie auch nicht. Wer will sich schon im engen Flur oder der Mini-Küche an seinem Hund vorbeiquetschen. Oder wie fänden Sie es, einen 50 Kilogramm schweren Koloss im fortgeschrittenen Alter oder bei Verletzungen in den 5. Stock tragen zu müssen? Das erfreut wahrscheinlich nur die wenigsten – wenn überhaupt nur die Bodybuilder unter uns.

Mehr Hürden für ein Stadtleben mit Hund

Will heißen: Natürlich soll den Menschen, die in der Stadt leben, nicht der Besitz eines Hundes abgesprochen werden. Es wird für sie nur schwieriger – nicht unmöglich!-, den Bedürfnissen ihres felligen Familienmitglieds gerecht zu werden. Sie sollten sich beispielsweise vor der Anschaffung ausreichend Gedanken darüber machen, welche Rasse (Charakter, Größe etc.) am besten in ihr(en) Leben(sraum) passen würde (kein Postkartenkauf!), wie sie sich genügend Zeit freischaufeln können, um ihrem Vierbeiner trotz Stadtleben ausreichend Freilauf, Spiel und Abwechslung– egal wie weit sie dafür fahren müssen – zu bieten, und ob die Wohnung, in der Herrchen und Frauchen zurzeit leben, dem Hund den Raum und die Rückzugsmöglichkeiten bietet, die er braucht. Kleine bis mittelgroße Hunde sind dann auch in einer Stadtwohnung glücklich.

Ein glücklicher Stadthund

Diese Gedanken sollte sich natürlich grundsätzlich jeder machen, der seinen Lebensweg fortan mit einem Hund teilen möchte. Der Stadtmensch sollte jedoch aufgrund der besonderen Herausforderungen deutlich genauer prüfen, ob er bereit und fähig ist, ein hundgerechtes Umfeld zu schaffen.

Orientieren Sie sich als Hundehalter an den Grundbedürfnissen der Spezies Hund, d.h., ermöglichen Sie ihm Auslauf, Grün, Kontakt mit Artgenossen, Spiel sowie stressfreie Stunden und Ruhephasen in einer ausreichend geräumigen Wohnung, dann steht dem Lebenskonzept „dog in the city“ nichts im Wege.

Ein Gastbeitrag von Conny Nyhof von http://fiffibene.de.

Bild & Quelle: ferobanjo / Pixabay, creative commons public domain