Hund und Beruf

Hund und Beruf

Der Hund ist des Menschen bester Freund. Etwa zehn Millionen Deutsche leben heute mit einem Hund im Haushalt. Das heißt, in jedem achten Haushalt wohnt ein Hund.

Viele Menschen hätten gern einen Hund. Doch wie ist das mit Berufstätigkeit vereinbar? Wenn jemand ganztägig im Hause ist und nach dem Hund guckt, ist eine Berufstätigung der Hundehaltung nicht abträglich. Wenn man jedoch alleine lebt …..

Wie lange darf man einen Hund alleine lassen?

Einsamkeit macht Hunde krank. Hunde sind Rudeltiere. Ein Rudel lässt die Seinen niemals im Stich. Alleinbleiben ist in einem Rudel nicht vorgesehen. Trennung löst eine Ur-Angst aus. Angst vor dem Zurückgelassen-werden steckt in jedem Hund. Wie viel Einsamkeit ist also zumutbar? Eine Stunde, vier Stunden, acht Stunden? Ab wann wird das Warten zur Qual? Einig sind sich Hundeexperten, dass bei einem jungen Hund zwei Stunden nicht überschritten werden sollten. Beim erwachsenen Hund gehen die Meinungen jedoch stark auseinander. Der Hund schläft doch sowieso meistens, meinen die einen. Zwei Hunde beschäftigen sich miteinander und überstehen ohne Frust auch sechs Stunden, meinen andere. Eine weitere Meinung ist, dass auch bei acht Stunden noch genug Zeit für den Hund bleibt.

Hunde alleine zu Hause – eine Kunst für sich

Viele Hunde sind heute so überfordert, dass sie nicht mal zwei Stunden allein bleiben können, ohne zu jaulen, die Einrichtung zu zerlegen oder sich wundlecken bzw. beknabbern.

Ich habe zwei Hunde. Als mein Labrador Ida noch kein Jahr alt war, wagte ich es einen Wocheneinkauf zu erledigen, als niemand zu Hause war. Ich war etwa anderthalb Stunden außer Haus. Bei meiner Rückkehr wurde ich mit einer angefressenen Holztreppe belohnt. An dieser hatte mein Hund seinen Frust über das Alleinsein ausgelassen. Mein Golden Retriever Grace hat sich übrigens einmal gefrustet über Tapeten hergemacht. Nur selten mussten meine Hunde alleine bleiben. Zwei Söhne und deren Freundinnen wohnten noch mit im Haus. Es war meist jemand da. Ich war mit einer Praxis für Ergotherapie selbständig und nahm meine Hunde, die zu Therapiehunden ausgebildet waren, stets mit zur Arbeit. Allerdings stand ab und zu ein Hausbesuch an und meine Damen mussten dann doch mal alleine bleiben. Als ich einmal nur Grace mitnahm, machte Ida sich über einen Teller Spekulatius her, der auf dem Tisch im Wartezimmer stand. Sie meinte wohl, fürs allein bleiben müssen, hätte sie eine Belohnung verdient. Mittlerweile lebe ich allein und bin nur noch mit Hund berufstätig (Hundebesuchsdienst). Wenn ich meine Hunde einmal nicht mitnehmen kann, z.B. eine längere Sitzung beim Friseur habe, bringe ich meine Hunde zu meinem Vater.

Alternative 1: Hundesitter

Wer unbedingt trotz Berufstätigkeit einen Hund haben möchte und niemanden hat, der sich während dieser Zeit um den Hund kümmert, sollte bereit sein, für einen Hundesitter tief in die Tasche zu greifen.

Alternative 2: Hund mit zur Arbeit zu nehmen

Manchmal besteht die Möglichkeit, den Hund mit zur Arbeit zu nehmen. Vorausgesetzt ist die Zustimmung des Arbeitgebers und der Kollegen. Es muss abgeklärt werden, ob jemand eine Tierhaarallergie oder massive Angst vorm Hund hat. Der Hund muss geimpft sein. Natürlich sollte er auch versichert sein, falls er etwas kaputt macht oder doch mal unerwartet schnappt. Selbstverständlich ist, dass der Hund sauber ist. Ihr Chef und ihre Kollegen sind sicher nicht erfreut, wenn der Hund sie mit Dreckpfoten freudig anspringt und Abdrücke auf der Kleidung hinterlässt. Der Hund sollte auch gut erzogen sein, damit er auf seinem zugewiesenen Platz liegen bleibt. Wer möchte schon gern über einen in der Tür liegenden Hund fallen oder von einem Hund angefallen werden, der die Räumlichkeit seines Herrchen oder Frauchen verteidigt? Es ist außerdem nicht witzig, wenn der Hund aufspringt und betteln geht, nur weil jemand gerade sein Butterbrot ausgepackt hat. Abhilfe könnte bei letzterem ein Kauknochen schaffen. Natürlich kann ein Hund auch nicht acht Stunden ohne Bewegung ruhig auf seinem Kissen oder Decke liegen.
Geben Sie zu: sich acht Stunden nicht zu rühren, würde Ihnen selbst extrem schwer fallen. Sie müssen mal zur Toilette. Auch der Hund muss sich lösen. Daher ist eine längere Mittagspause, in der man seinen Hund Gassi führen kann, unbedingt von Nöten. Ich habe uns immer zwei Stunden gegönnt: Spaziergang zum Cafe, dort Mittagstisch eingenommen und wieder zurück. Ich war gestärkt und die Hunde erst mal wieder zufrieden, da sie ausgiebig Zeitung lesen konnten und ausgepowert wurden. Wenig Freude macht es, mit einem Butterbrot in der Hand los zu marschieren, den Hund hinter sich herziehend, weil man ja in einer halben Stunde schon wieder am Schreibtisch sitzen muss. Das ist Stress pur – für Frauchen oder Herrchen und für den Hund.

Fazit: Wer nicht ausreichend Zeit für einen Hund hat und nicht die Kosten für einen Hundesitter aufbringen möchte oder kann, sollte dem Hund zuliebe auf diesen verzichten. Alternative wäre ein Tierheimbesuch.

Die Hunde dort freuen sich stets über Spaziergänge und Zuwendung. Oder legen Sie sich eine Katze, jedoch keinen Freigänger, zu. Katzen macht es weniger aus länger allein zu bleiben.

Ein Gastbeitrag von Gabriele Voigt-Papke von www.competo-hund.de