Eigentlich habe ich ein perfektes Hundeleben!

Eigenes Hunde-Sofa im familieneigenen Haus. Heißgeliebtes Lieblingshaustier von zwei entzückenden Kindern und noch entzückteren Eltern. Zweimal täglich Futter. Dreimal am Tag vor die Tür, meistens nur in den Garten, wenn es denn sein muss einmal um den Block.
Das beste aber: Alle sind den ganzen Tag außer Haus und ich kann das tun, was ich am liebsten mache: Rumliegen und dösen.
Mal auf meinem feinen Bett…mal auf dem Sofa der Menschen. Darf ich zwar nicht aber ist ja keiner da hihi.

Gestatten: Holmes, English Bulldog, vielleicht ein klitzekleines bisschen übergewichtig und vor allem… schlafsüchtig…

Ja, ich gebe es zu. Ich bin der Hund für Menschen, die eine Katzenallergie haben. Zum kuscheln, knuddeln und „um Gottes willen bloß nicht“ vor die Tür gehen. 20 Minuten…. Maximal. Reicht mir.
Aber nicht wenn es regnet. Oder schneit. Oder kalt ist. Kalt geht gar nicht. Aber ich schweife ab.

Eines schönen Tages aber, es war glaub ich Montag,  veränderte sich alles. Die Vier gingen nicht wie gewohnt morgens aus dem Haus sondern trafen sich am Esstisch. Mit ihren Computern und Tablets. Sehr seltsam.

Noch (!) unbeeindruckt rollte ich mich auf meinem Sofa zusammen und schloss ein Auge. Mit dem anderen beobachtete ich unauffällig das seltsame Zusammentreffen.  Ruhig ging es zu an diesem Tag. Die Frau des Hauses fuhr weg und kam mit viel Papier zurück. Das gab sie den Kindern und nannte es „Aufgaben für die Woche“.
Für mich allerdings lief der Tag wie immer. Fressen, schlafen, kurz um die Ecke gehen.

Am nächsten Tag das gleiche Szenario. Und am übernächsten auch. Und am überübernächsten auch. Eine Woche lang ging das so. Alle saßen zusammen am Esstisch, jeder starrte auf seinen Bildschirm und arbeitete vor sich hin. Manchmal ging der Herr des Hauses in die Küche mit seinem Computer, murmelte etwas wie „Konferenz“ und war eine Stunde lang verschwunden.

 

Hund im Anzug

Foto: Matt Barber // Matt512
Quelle: Flickr // Creative Commons CC BY

 

…und täglich grüßt das Murmeltier…

Nach einem ganz normalen Wochenende (wie schön!) ging es … gerade so weiter. Alle trafen sich am Esstisch. Täglich.
Und täglich wurde es lauter. Die Kinder wurden unruhiger, ständig musste die Frau ihnen etwas erklären, Streit schlichten und zwischendurch „Wie soll ich denn so arbeiten!?“ rufen.
Kurz: Es wurde sehr viel lauter.
Das stresste mich. Ich konnte kein Auge mehr zumachen mit der Zeit. Es war einfach zu laut.

Die Eltern gerieten immer häufiger aneinander. Auch die beiden wurden öfter mal laut.
Es war zum aus der Haut fahren. Jedes Mal wenn ich dann endlich eingedöst war, flog irgendwo eine Tür zu „BUMM!“ … ich stand kerzengerade auf meinem Sofa. Und obwohl alle  jetzt immer zuhause waren bekam ich nicht mehr Streicheleinheiten, ganz im Gegenteil, irgendwie hatte jeder nur noch seinen eigenen Kram im Kopf.

Es sollte noch schlimmer kommen….

Kind 1, männlich, 8 Jahre alt, begann mich mit Papierkügelchen abzuwerfen. Das fand er lustiger als zu arbeiten. Ich eher nicht. Ich war gestresst. Stellt Euch das vor, ihr liegt da und wollt schlafen und irgendwer beschmeißt Euch mit kleinen Steinchen. Klingt nicht toll, oder?
Kind 2, weiblich, 6 Jahre alt,  versuchte mir ihre Puppenkleidung anzuziehen. Wäre ich nicht so faul hätte ich sie vermutlich mal angeblafft, aber so strafte ich sie nur mit Mißachtung. Was sie nicht interessierte. Sie zog mir dieses bekloppte rosa Röckchen an.
Und alle lachten mal wieder zusammen. Und machten Bilder von mir. Ich bin nämlich auf „Insta“ #dogsofinstagram …Ihr wisst schon. Bis vor kurzem echt cool. JETZT brauche ich mich da niiiiie wieder blicken zu lassen. Nicht nach diesem Bild! Rosa Röckchen und Schleife aufm Kopp.

Ich bin total gestresst.

Woche 3:
Die sitzen immer noch täglich alle zuhause. Seit Wochen habe ich gefühlt tagsüber kein Auge zu getan, sofort schmeißt mich einer vom Familiensofa wenn ich mich dahin verkrümele und die Stimmung ist gereizt.

Gerade als ich denke, dass es nicht mehr schlimmer werden kann kommt die Frau mit der grässlichsten aller Ideen um die Ecke: „Kinder, wir gehen jetzt jeden Tag mindestens eine Stunde zusammen raus!“ Das tut uns gut. Auch dem Hund, der ist eh ein bisschen zu mopsig.
BITTE WAAAS? Mopsig? Ich? Nope.
Das ist wohl noch nicht schlimm genug… eine Stunde raus?? Ich? Jeden Tag? Spinnen die? Das meinen die nicht ernst??

Doch. Tun sie. Und sind unerbittlich. So oft ich mich auch hinlege… Die Kinder zerren mich weiter. Es ist zum heulen. Es ist zum auswandern.

Wenn dieser Zustand noch weiter anhält, setze ich mich selbst irgendwo aus!
Auf jeden Fall brauche ich Urlaub. Dringend!
Lockdown und Homeoffice? Worst case für jeden ruhebedürftigen Hund.

Text: Claudia Wolter, Autorin in den Kurzgeschichtenbänden „Was für ein Hundeleben“.
– Das Buch kann bestellt werden über AmazonAutorenwelt oder direkt beim Herausgeber zum gleichen Preis mit persönlicher Widmung (portofrei) Buch@Burkhard-Thom.de

 

Bild & Quelle:

Hund im Anzug – Foto: Matt Barber // Matt512
Quelle: Flickr // <a href=“http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en“ title=“cc“ target=“_blank“>Creative Commons CC BY</a>

 

Beitragsbild & Quelle: https://pixabay.com/de/users/elvisclth-44850https://pixabay.com/de/users/elvisclth-448505/5/