Der Beginn der Chemotherapie

Der Beginn der Chemotherapie

Diese Woche war sehr turbulent… Ich sollte meine erste Tablette bekommen, was sich verzögert hat, weil Frauchen die Tabletten nicht so schnell wie erhofft von der Apotheke bekommen hat. Genau an diesem Tag fühlte ich mich abends sehr schlecht. Ich setzte mich bei Frauchen an die Füße und lehnte mich an ihr Bein an. Dann habe ich gewartet.

Wie sollte ich Frauchen auch sagen, dass sich mein Blut wieder so verdickt hat, das wieder alles am Kribbeln war, meine Augen schmerzten und mein Herzschlag im Keller war? Ich hoffte darauf, sie merkt es.

Habt ihr euch mal überlegt, wie wir Hunde das ohne mit euch zu sprechen machen können? Dazu müssen wir nicht unbedingt eure Sprache lernen, sondern ihr müsst unsere können.

Aber wer seinen Hund kennt, weiß was er möchte und ob es ihm gut geht oder nicht.

Frauchen merkt es

Natürlich merkte Frauchen das es mir schlecht ging und holte sofort MEIN Herrchen dazu. Und wieder hieß es: Blut muss aus mir raus, so schnell es geht, damit ich keine bleibenden Schäden bekomme. Das hatte uns nämlich die tolle Ärztin in der Klinik erklärt, dass ich bei so einem „Anfall“ komplett erblinden könnte oder mein Gehirn so stark geschädigt werden kann, das mir nicht mehr zu helfen ist. Boah, ich sage euch, das war wieder eine Nacht! Nachdem ich etwas Blut „gespendet“ hatte, sollte ich trinken.

Mein Rudel ist mir vielleicht auf den Keks gegangen mit dieser blöden Wasserschale! Ich wollte nichts trinken. Irgendwann dachte ich : ok, schnell zweimal die Zunge ins Wasser, dann lassen sie mich vielleicht in Ruhe.

Hat auch gut funktioniert, manchmal muss man halt nachgeben. In dieser Nacht durfte ich alleine bei MEINEM Herrchen im Bett schlafen, Anni musste sich bei einem anderen Zweibeiner unseres Rudels ein Nachtquartier einrichten. In solchen Situationen habe ich MEIN Herrchen immer ganz für mich alleine und er mich.

Die erste Tablette

Am nächsten Tag hat Frauchen mich wieder mit zur Arbeit genommen und hat mit der Tierärztin in der Klinik telefoniert! Sie hatte nämlich Angst, mir die erste Tablette zu geben und wusste nicht, ob das nach dieser Nacht so gut für mich ist.
Aber die Tierärztin hat gesagt, ich solle die Tablette noch an dem Tag bekommen.Mir ging es ja auch schon wieder viel besser. Als wir wieder zu Hause waren, hat Frauchen sich Handschuhe angezogen, weil, und man achte genau darauf, die Zweibeiner diese Tabletten nicht mit der Hand anfassen sollen.

Frauchen darf sie nur mit Handschuhen anfassen und ich muss sie schlucken! Fällt euch was auf?
Ich konnte dieses Ding einfach nicht so schlucken, also wurde die Tablette in ein riesiges Stück Teewurst gesteckt und bei Teewurst kann ich nicht nein sagen.

Und wenn man dann MEIN Herrchen auch noch so tut, als würde er mir mein Leckerchen wieder wegnehmen, kaue ich gar nicht erst, sondern schlucke gleich alles runter. Beagle typisch! Frauchen sagt immer, Beagle bestehen aus 80 % Magen!

Was passiert mit mir??

Kurz nachdem ich die Tablette geschluckt hatte, wurde mir komisch. Und ich meine: richtig komisch. Mein Herz raste wie verrückt, ich musste hecheln und Frauchen sagte, meine Zunge verfärbt sich bläulich. Auch mochte ich nicht in meinem Korb liegen und habe mich ganz klein auf der großen Hundedecke zusammengerollt. Obwohl mein Kreislauf verrückt gespielt hat, bin ich doch tief und fest eingeschlafen. Später bin ich zu MEINEM Herrchen ins Bett gekrochen und im Laufe der Nacht besserte sich mein Zustand wieder. Am nächsten Morgen war alles ganz normal und ich fühlte mich richtig gut. Das soll jetzt jedes Mal nach der Tablettengabe so sein: na prost Mahlzeit.

Ich habe auch gehört, wie MEIN Herrchen und Frauchen sich unterhalten haben, das ich meine Fellfarbe verliere! Diese Tabletten machen mich grau.

Frauchen weiß nicht, wie schnell das geht und MEIN Herrchen hat gesagt: dann bist du eben kein Tricolor mehr! Aber wir alle finden das es egal ist, ob man mit 4 Jahren schon ganz grau ist, Hauptsache ich kann noch ein paar Jahre bei MEINEM Herrchen bleiben.

Ein Gastbeitrag von Katrin Kränzler

Beitragsbild & Quelle: Katrin Kränzler