Kokosöl – der Star im Hundenapf

Kokosöl – der Star im Hundenapf

Kokosöl – der Star im Hundenapf

„Superfoods“ – ein Wort, das einem inzwischen an jeder Ecke begegnet und das bei mir nicht nur leichte Genervtheit auslöst. Eines dieser Superfoods ist Kokosöl, das immer beliebter wird, vor allem auch bei unseren Hunden. Es gilt als Allzweckwaffe und hat fast schon unendlich viele Einsatzgebiete. Also ein Superfood? Da es bei uns in den Napf kommt, nenne ich es lieber Superstar. Mit dem Wort kann ich besser leben.

Aber was ist nun drin im Superstar Kokosöl? Warum sollte es überhaupt im Napf landen?

Was ist Kokosöl?

Eine reife Kokosnuss besteht zu circa 35 % aus Öl. Das Fruchtfleisch wird zerkleinert und getrocknet und dann wird mit einer Ölmühle das Öl herausgepresst. Der Schmelzpunkt des Öls liegt bei 23-26 Grad, weshalb wir es meist als festes weißes Öl kennen. Flüssig wird es im Glas nur in warmen Sommermonaten. Wichtig ist, dass bei einem guten nativen Bio-Öl hier der Prozess endet. Viele preiswerte Kokosöle werden noch weiter raffiniert und desodoriert. Dadurch verlieren Sie einen Großteil der Bestandteile, die wir am Kokosöl schätzen und wofür wir es nutzen möchten.

Was ist drin im Kokosöl?

Kokosöl besteht zu über 90 % aus gesättigten Fettsäuren, aber die meisten davon sind sogenannte mittelkettige Triglyceride. Es ist das einzige natürliche Öl, das zu weit über 50 % aus mittelkettigen Fettsäuren besteht.

Warum das wichtig ist? Mittelkettige Fettsäuren sind leicht verdaulich. Außerdem sind sie wasserlöslich und gelangen daher direkt über die Blutbahn in die Leber. Dort werden sie vom Körper dann zur Energiegewinnung genutzt. Eine Einlagerung in Fettdepots ist eher selten.

Die meisten positiven Eigenschaften von Kokosöl lassen sich auf die mittelkettigen Fettsäuren, darunter besonders die Laurinsäure, zurückführen. Damit die Laurinsäure aber gut wirken kann, sollte ihr Anteil mindestens 45 % ausmachen. Und das ist beim Kokosöl gegeben. Allerdings nur bei kalt gepresstem Bio-Kokosöl.

Welches Kokosöl soll ich kaufen?

Wichtig ist, dass du ein kalt gepresstes natives Kokosöl in Bio-Qualität kaufst. In raffiniertem Kokosöl lässt sich meist kaum noch Laurinsäure und das ebenfalls enthaltene Vitamin E finden.

Achte mal auf das Etikett, die Laurinsäure sollte ausgewiesen sein und am besten 50 % oder mehr ausmachen.

Es lohnt sich hier also nicht, auf das preiswerte Kokosöl aus dem China-Markt auszuweichen. Vor allem, weil das häufig Palmöl mit Kokosduft ist. 😉

Wie viel Kokosöl kann ich meinem Hund geben?

Je 10 Kilogramm Körpergewicht sollte es ein halber bis ein Teelöffel Kokosöl sein. Wenn dein Hund eine schlechte Verdauung hat, würde ich mich langsam an die Endmenge herantasten. Sonst kann es sein, dass dein Hund Dünnpfiff bekommt und du gleich wieder eine Morosche Karottensuppe kochen musst. Versuche es doch mit einem Viertel und erhöhe langsam binnen der nächsten 4 Wochen auf die Endmenge.

Nun aber die Frage aller Fragen: Was macht das Kokosöl eigentlich?

Flöhe und Zecken

Hier greift die enthaltene Laurinsäure. Diese Säure hat einen repellierenden (also vertreibenden) Effekt. Es gibt immer wieder Studien, die diesen Effekt belegen,wie zum Beispiel ‚Tick repellents: Past, present, and future‘ von Brooke W. Bissinger und R. Michael Roe, 2009.

Es gibt aber auch Studien, die gegen einen Effekt auf Zecken sprechen. Wie so oft bleibt einem hier nur das selbst ausprobieren. Bei meinen Hunden wirkt es zum Beispiel beim kurzhaarigen Enki sehr gut, bei meinem langhaarigen Aussie Luna hingegen gar nicht.

Kokosöl für ein gesundes Immunsystem

Kokosöl stärkt das Immunsystem. Unser Hund nutzt zum Beispiel die Laurinsäure (umgewandelt in Monolaurin) zur Bekämpfung von Viren und Bakterien. Und auch die Aktivität von Pilzen wird reduziert. Es macht also Sinn, Kokosöl nicht nur innerlich, sondern im Fall einer Verletzung oder eines Pilzbefalls auch äußerlich auf die Stellen zu geben.

Auch bei Arthrose hilft Kokosöl, die Entzündungen in Gelenken in Schach zu halten.

Kokosöl wirkt auch bei Verdauungsproblemen

Kokosöl kann Verdauungsprobleme verhindern. Gerade auch durch seine Wirkung gegen Viren, Bakterien und Pilze. Wobei es so zu sein scheint, dass Kokosöl keinen negativen Einfluss auf die „guten“ Darmbakterien hat. Außerdem hilft Kokosöl dem Darm, andere Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe aufzunehmen.

Kokosöl als Energielieferant

Kokosöl wird sofort in Energie umgewandelt und steigert so die sportlichen Leistungen eines Hundes. In gleichem Maße hilft es aber auch alten Hunden, wieder mehr Energie zu haben, und ist gut für Hunde, die sich von einer Krankheit erholen.

Auch das Gehirn unserer Hunde wird vom Kokosöl mit Energie versorgt, sodass es auch hier einen positiven Effekt bei älteren Hunden geben kann, die vielleicht schon etwas vergesslich werden. Natürlich wirkt es ebenso vorbeugend.

Energiebällchen

Die Funktion als Energielieferant bietet sich an, um aus Kokosöl leckere Energiehappen für deinen Hund selbst herzustellen. Das geht sehr fix, ohne backen.

Du musst bei mir leider ohne feste Grammangaben leben, ich mache das meiste „nach Gefühl“.

Für die Energiebällchen nehme ich

  • Haferflocken
  • Kokosöl (bio)
  • Erdnussbutter (bio)
  • Kräuter, die ich als Mischung für die Hunde im Haus habe
  • etwas Honig
  • Kokosraspeln

Ich mische alles bis auf die Kokosraspeln, sodass eine gut formbare Masse entsteht. Etwas mehr Haferflocken, wenn es zu weich ist, etwas mehr Kokosöl, wenn es zu trocken ist.

Kokosöl für HundeBildangaben: Bild & Quelle: Stephanie Rose

Bild & Quelle: Stephanie Rose


Dann rolle ich aus der Masse kleine Bällchen und rolle diese danach durch die Kokosraspeln.

Die fertigen Bällchen platziere ich auf einem flachen Tablett und stelle sie für 30 Minuten in den Gefrierschrank, bis die Bestandteile ausgehärtet sind. Dann ziehen sie in den Kühlschrank um und halten sich dort gut 2 Wochen. Meine Hunde freuen sich nach dem Sport oder auch einfach zwischendurch über diesen kleinen Snack.

Aber Achtung, wie oben geschrieben wird Kokosöl ab 23 Grad flüssig. Es ist also keine gute Idee, die Bällchen in der Hosentasche mit auf eine Wanderung zu nehmen.

Kritik am Kokosöl

Einerseits gibt es immer wieder Kritik an den gesättigten Fettsäuren des Kokosöls. Denn haben wir nicht alle gelernt, gesättigte Fettsäuren sind Killer, nur die ungesättigten sind gut?

Hier kommt es zu Schlammschlachten der Fachleute und unterschiedlichen Studien, die mit ebenso unterschiedlichen Erwartungen an das Ergebnis durchgeführt wurden.

Daher möchte ich hier auf die Seite einer Ernährungswissenschaftlerin verweisen, die sich weit versierter, als ich es je könnte, der Kritik stellt: Kokosöl – Alleskönner oder überbewertet?

Ich kann dazu nur sagen, dass es im Leben nun mal selten schwarz und weiß ist.

Und die gleiche Aussage trifft auf den zweiten Kritikpunkt: Kokosöl sei nicht nachhaltig, weil es um die halbe Welt geschifft würde, die Plantagen Lebensraum zerstören und die Bauern nicht genug zum Überleben haben. Der Kritikpunkt der fehlenden Nachhaltigkeit trifft natürlich. Also ja, ja und ja. Oder doch nicht?

Denn wie ich schon schrieb, es ist eben nicht alles schwarz oder weiß. Natürlich wird das Kokosöl um die halbe Welt geschifft. In Deutschland fühlen sich Kokospalmen einfach nicht so wohl. Und natürlich findet das in Containerschiffen statt. Wie auch Kaffee, Kakao, Tee, das verflixte Palmöl, das in allem zu stecken scheint und vieles vieles mehr. Ein Weg in die Zukunft ist in meinen Augen daher nicht eine totale Abschottung und damit auch die Verweigerung eines Marktes für diese meist eher armen Länder, sondern Druck auf Verbraucherseite, damit die großen Reedereien der Entwicklung von Containerseglern mehr Priorität einräumen. Meiner Überzeugung nach müssen wir die Art ändern, wie wir Dinge um die Welt schippern.

Und tatsächlich werden Überlebensräume durch Anbau zerstört. Egal, ob hier in Deutschland die unendlichen Weiten von Rapsfeldern oder auf der anderen Seite der Welt Plantagen für Kokosnüsse. Aber gerade im Bereich des Anbaus für biologische Kokosöle gibt es viele Firmen, die mit kleinen nachhaltigen Plantagen zusammenarbeiten. Das trifft dann auch auf den zweiten Punkt des Überlebens zu. Wenn Kokosölbauern eine faire Entlohnung erhalten, werden wir hier Kokosöl nicht zum Discounterpreis erhalten. Einen unglaublich interessanten, aber langen Artikel zur Herstellung von Kokosöl findest du hier: Kokosöl Guide: Qualität, Wirkung & Anwendungsbereich Aber denke daran: Da der Artikel so lang ist, solltest du vorher schon deinen Becher Fairtrade Kaffee fertig haben.

 

Ein Gastbeitrag von Stephanie Rose, von The Pell-Mell Pack

Alle Beitragsbilder & Quellen: Stephanie Rose