Frühstückshunde oder warum man wohl stets Hallo sagen sollte

Frühstückshunde oder warum man wohl stets Hallo sagen sollte

Urlaub mag ich. Ruhe ebenso. Nicht in Form von herum sitzen, nichts tun und Seele baumeln lassen. Wann baumelt eine Seele? Ich mag es Dinge zu tun, die sonst liegen bleiben, ohne Zeitdruck einfach anfangen was man möchte. Meist hat es eh mit meinem Job zu tun. Das ist schön, denn ich liebe meinen Job.

Nun ist Urlaub angesagt, mit Ferienhaus und Frühstücksbuffet. Das mag ich auch. Und wenn man gut erzogenen Vierbeiner einfach mitnehmen kann ohne vorher eine Überlebensstrategie nebst Schlachtplan entwickeln zu müssen.
So suchen der Teenager, das Cattlechen und ich uns im großen, aber gemütlichen Essenssaal einen Tisch.
Da dieser Urlaubsort sich durch seine Hundefreundlichkeit auszeichnet, sind diese reichlich vertreten. Das große Kind schlurft, noch nachttrunken und scheints um 9.30 Uhr geistig nicht voll anwesend, gen Buffet. „Ich brauch heute einen Kaffee“, murmelnd. Ich besetze den netten Zweiertisch, lege das rote Tier ins „Platz“.

Auf dem Weg zum Brötchenkorb bemerke ich am Nebentisch Emma – wie sich dann herausstellt – ein fröhlicher Cockerpoo (1), am Tischbein lang angepflockt. Brötchen ausgesucht, das im „Platz“ Abgelegte im Augenwinkel unter Kontrolle, noch Aufschnitt und Butter auf den Teller geladen.
Kaum zurück, mit Teller und Korb jonglierend, da auch noch das Glas Tee mit muss, auch schon die säuselnde Frage vom Nebentisch: „Darf Emma mal Hallo sagen?“ Ein bärtig und bebrillt grinsendes Mittzwanziger Gesicht lächelt erwartungsvoll. Mit leicht irr wirkendem Augenzucken erstarre ich innerlich, registrierend, dass Emma fern ab von jeglicher Warteposition, lustig wedelnd auf dem Bauch robbend, an eineinhalb Meter Leine um den Tisch feudelt und bei jeder Runde dem Cattle eindeutige Spielaufforderungen signalisiert.

Da das Cattlechen sich bekannterweise nicht durch ihre Kontaktfreudigkeit unter Artgenossen auszeichnet, starrt es not amused und sichtlich genervt gen Buffet. Keinen Millimeter ihre Ablageposition verlassend, die zwei Meter Leine neben sich liegend. Was bin ich stolz!

Seufzend lade ich Angeschlepptes auf dem Tisch ab und erwidere in erstaunlich freundlichem Ton: „Nein, das möchte ich nicht so gern.“ Der Teenie, sich erschöpft in den Stuhl gegenüber fallen lassend, legt sein Basecap ab, flüstert leicht vorgebeugt: „Mama, bitte fang jetzt keinen Stress an. Ist doch kein Ding mal eben Hallo sagen. Du bist echt manchmal spießig.“ Seufzend wende ich mich dem Bärtigen zu, der immer noch erwartungsvoll strahlt, während Emma Kreis Nummer wer weiß wie viel zieht und leise fiept. „Hören Sie, ich möchte hier in Ruhe frühstücken. Es hat Zeit und Arbeit gekostet meinen Hund so zu erziehen, dass er hier ruhig liegt. Es wird nicht beim Essen herum gekaspert.“

Die Bärtigenbegleitung schaut nachdenklich auf das Kreiselnde. Er strahlt nicht mehr, wendet sich wortlos ab. Ebenso mein Teenager, kopfschüttelnd nach einem Brötchen greifend.
Die Tür geht auf, der Havanesentibet (2) aus dem Nachbarhaus zerrt Frauchen herein. „Oh guck mal, da ist ja die Emma“. Ich ahne Fürchterliches.

Eineinhalb Meter im Doppelpack toben nun verhalten quietschend um die Tischbeine. Frauchen setzt sich kumpelhaft zu Emmas Gefolge. Köpfe werden zusammen gesteckt. Ich schmiere konzentriert Marmelade auf meinen Frischkäsesemmel.

Der eben noch bärtig Strahlende setzt sich kerzengerade, schmollend tief Luft holend. Ich greife nach der Serviette, da Orangenmarmelade am Finger klebt.

„Da kann man nichts machen, es gibt eben Leute die keinen Wert auf Sozialkontakte legen und Kleinhunde Feinde sind.“, fester Blick auf mich, leise seufzend unbeeindruckt in meinen Semmel beißend.
Sichtlich genervt die Serviette zusammen knüllend auf den Teller feuernd, beugt sich dafür mit einem Mal der Pubertierende über den Tisch. „Mama, wenn Du jetzt wieder Stress mit denen machst, hol´ ich mir was vom Imbiss. Das nervt echt,“ mir augenrollend zu zischelt.

Kommentarlos erhebe ich mich, „Fuß“, Cattlechen hüpft erleichtert an meine Linke. „Ich hoffe, die haben auch „hab – mich – lieb –Tee“ hier“, murmelnd, marschiere ich zum Buffet. Urlaub mag ich aber immer noch. Hunde und meinen Teenie übrigens auch.

(1) Modekreation aus Cockerspaniel und Pudel
(2) Mischling aus den zwei Rassen Havaneser und Tibetterrier

Ein Gastbeitrag von Susanne Pauly, Hundeschule Fintel

Beitragsbild & Quelle: VictorianLady / Pixabay, creative commons public domain