Die Gretchenfrage: Sind Hund und Full-Time-Job vereinbar?

Die Gretchenfrage: Sind Hund und Full-Time-Job vereinbar?

Sind Hund und Full-Time-Job vereinbar? Stellt man im Freundeskreis, auf der Hundewiese etc. diese eine Frage, so offenbaren sich in den Antworten sehr unterschiedliche Ansichten. Manches Mal verbirgt sich dahinter auch ordentlich Sprengstoff: Liest man in Foren oder in Social-Media-Gruppen hinein, so entzündet sich an dieser Frage die ein oder andere sehr hitzige Diskussion: Hund und Job, geht das? Meist folgt dann ein Kommentar wie dieser: Natürlich, oder sollten etwa nur Hausfrauen und Menschen ohne Job Hunde halten dürfen? Wie soll man denn dann bitteschön für den Hund aufkommen, der kostet ja schließlich auch Geld?! Berechtigte Kritik.

Hitzig wird diese Diskussion geführt, weil natürlich kein Hund mehr als 5 Stunden allein zuhause bleiben sollte – es sei denn, es kommen Verwandte, Freunde oder professionelle Hundesitter für Spiel- und Kuschelstunden sowie für Spaziergänge vorbei und versüßen Fiffi das Warten auf Herrchens Rückkehr.

Es gibt allerdings auch Hunde, die allein beim Gedanken ans Getrenntsein dermaßen unter Stress geraten, dass sie schon bevor die Türe sich vor ihrer Nase schließt zu Nervenbündeln werden. Entweder schafft man es, seinem Hund die übermäßige Trennungsangst abzutrainieren. Oder man engagiert Hundesitter, die sich rund um die Uhr um den Liebling kümmern. Eine weitere Option: das Arbeiten vom Home Office aus – entweder halbtags oder einige Tage in der Woche.

Die wahrscheinlich angenehmste und beste Lösung, wie man Job und Hund vereinen kann: Der Hund kommt mit ins Büro. Perfekt denkt sich jetzt der ein oder andere. Allerdings nicht für jeden. Nicht in jedem Job gibt es Platz für Kollege Hund, nicht jeder Arbeitgeber springt dem Mitarbeiter um den Hals ob des endlich vorgebrachten Vorschlages. Schade eigentlich, denn: Von der Hund-Mensch-Job-Synthese profitieren nicht nur Hund und Herrchen, sondern auch Arbeitgeber und Kollegen.

Besser als jede Anti-Stress-Pille

Zahlreiche Studien belegen die stimmungsaufhellende Wirkung von Hunden – und diese Wirkung verflüchtigt sich nicht an der Türschwelle der heimischen vier Wände: Schon 2001 stattete die Universität New York im Rahmen einer Untersuchung eine Gruppe von 24 Börsenmaklern mit einem Bürohund aus. Nach einem halben Jahr war der Blutdruck der stressgeplagten Makler um die Hälfte gesunken. Andere Studien blasen ins selbe Horn und setzen noch eins drauf: Mit Hunden verbessert sich das Arbeitsklima und die Motivation steigt.

Kuschelhormon auf vier Pfoten

Hunde bewirken, dass bei uns Menschen das Kuschel-Hormon Oxytocin freigesetzt wird. Es aktiviert unter anderem das Belohnungshormon Dopamin, erhöht die soziale Kompetenz und vermindert Depressionen. Oxytocin lässt den Blutdruck sinken, Ängste verschwinden und wirkt wie eine Beruhigungspille. Hunde sorgen jedoch nicht nur für seelische Balance. Ihre Anwesenheit hat auch direkte Auswirkungen auf den Körper: so sinken die Triglyzeridwerte (Ursache für Fettstoffwechselstörung , Übergewicht, Thrombosen, Arteriosklerose), die Cholesterinwerte (koronare Herzkrankheit, Schlaganfallrisiko, Krebserkrankungen) und der Umgang mit chronischen Krankheiten ( Herzerkrankungen, Demenz, Krebs) verbessern sich. Fakt ist: Kollege Hund wirkt wie ein Erholungsprogramm auf die Kollegen.
Neben den sehr positiven Auswirkungen auf das Team profitiert auch der Hund. Hunde sind Gruppenwesen. Das wichtigste für sie ist, bei ihrem Rudel zu sein. Experten gehen davon aus, dass Hunde, die allein zu Hause gelassen werden, grundsätzlich Angst fühlen. So sagt Dr. John Bradshaw, ein bekannter Forscher an der School of Veterinary Sciences der University of Bristol und Buchautor:

„Der Hund denkt die ganze Zeit an seinen Besitzer und versteht nicht, warum der weggegangen ist. Wir müssen begreifen: Diese Hunde fühlen tatsächlich Angst und Trennung. (…).“

Die Vorteile des Bürohundes auf einem Blick:

  • Hunde wirken als natürlicher Schutzschild gegen Burnout und Co., da sie einen nachweislich positiven Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit haben
  • Hunde im Büro verbessern neben dem allgemeinen Wohlbefinden der Mitarbeiter das Engagement, die Motivation, die Loyalität und die Kreativität
  • Bürohunde sind bei ihrem Herrchen oder Frauchen und leiden deutlich weniger unter Angst als zurückgelassene Hunde.
  • Wer kann einem freudigen Schwanzwedeln, liebevollen Knopfaugen und weichem Fell schon widerstehen?!

    Spielregeln: Was man beachten muss

    Bevor euer Liebling groß ins Geschäft einsteigt, müsst ihr natürlich das Einverständnis eures Arbeitgebers einholen und sicherstellen, dass kein Kollege übermäßig Angst hat oder unter einer Hundehaar-Allergie leidet. Die Zeit, die ihr für das Gassigehen investiert, wird von eurer Arbeitszeit abgezogen. Es empfiehlt sich, vor der Arbeit eine große Runde zu gehen, die nächste Gassirunde für die Mittagspause einzuplanen und den dritten Spaziergang auf die Abendstunden nach Feierabend zu legen.

    So ein Tag im Büro kann trotz ausgiebiger Spaziergänge sehr langweilig werden – vor allem für Junghunde und Hunde mit hohem Energielevel. Daher solltet ihr natürlich nicht nur für das leibliche Wohl eures Hundes (Futter und Wasser), sondern auch für ein wenig Spaß und Spannung (Spielzeug, Suchspiele etc.) sorgen. Die Pausen gehören eurem Liebling! Denkt daran, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und einen Platz mit Decke, Napf und Spielzeug zu reservieren.

    BürohundBildangaben: Liza / Pixabay, creative commons public domain

    Ein klassischer Bürohund? Liza / Pixabay, creative commons public domain

    Folgendes ist außerdem zu beachten:

  • Euer Hund muss geimpft, entwurmt, versichert und sozialisiert sein
  • Bestimmte Räume, wie Kantine, Kaffeeküche, Rechenzentrum, Archiv, Lager oder Meeting-Räume, sind tabu
  • Beseitigt möglichen Schmutz sofort
  • Euer Hund darf kein Kläffer sein, sonst stört er wichtige Telefonate, Gespräche oder konzentriertes Arbeiten
  • Er sollte euch zu 100 Prozent gehorchen
  • Klärt eure Kollegen darüber auf, was euer Liebling mag und was nicht
  • Pro Büro-Hund-Initiativen

    Auch der Tierschutzbund wirbt für den Hund am Arbeitsplatz: Bereits zum siebten Mal jährte sich Mitte Juni der Aktionstag „Kollege Hund“. Ein Tag, an dem Mitarbeiter ihre Hunde für einen Tag mit zur Arbeit nehmen dürfen. Dieser „Schnuppertag“ soll Mitarbeitern und Hunden dazu dienen, ein mögliches Miteinander am Arbeitsplatz auszutesten. So können Firmen, bei denen Hunde bisher tabu waren, Berührungsängste überwinden. Mehr als 1.000 Unternehmen aus verschiedenen Branchen – von der Anwaltskanzlei, der Buchhandlung über Tierarztpraxen und Autohäusern bis hin zu Reisebüros und Pflegehäusern – nahmen laut Tierschutzbund in diesem Jahr teil.
    Mittlerweile gibt es auch einen Bundesverband Bürohund http://bv-bürohund.de/ , der unter anderem Tipps und Voraussetzungen für das Mitbringen von Hunden an den Arbeitsplatz aufführt:
    http://bv-bürohund.de/vorteile-vonbuerohunden/voraussetzungen_buerohunde/

    Fazit

    Hunde sind sehr erfolgreiche Anti-Stress-Manager wie zahlreiche Studien und Praxisbeispiele belegen. Daher sollte sich das ein oder andere Unternehmen mit erhöhter Krankheitsrate – neben anderen Überlegungen – vielleicht auch Gedanken zum Thema Kollege Hund machen.

    Doch bedenkt: Neben dem Einverständnis von Chef und Kollegen muss auch sichergestellt sein, dass die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden. Dann steht der Mensch-Hund-Job-Synthese nichts mehr im Wege. Eine Win-Win-Situation wie man in der Geschäftswelt gemeinhin sagt.

    Welche Erfahrungen einzelne Firmen bereits gemacht haben, findet ihr unter anderem auf der Seite des Deutschen Tierschutzbundes: Interviews mit Firmen unter http://www.tierschutzbund.de/interviews.html.

    Übrigens: Es gibt seit Anfang 2012 eine Facebook-Seite für Arbeitgeber- und -nehmer, die sich ein Arbeiten nebst Fellnase vorstellen können. Arbeitgeber bieten auf dieser Seite explizit Jobs an, bei denen Hunde mit ins Büro gebracht werden dürfen! https://de-de.facebook.com/jobsmithund

    Wann wird der Kollege Hund bei euch zum Alltag? Oder dürft ihr euren treuen Freund bereits mit zur Arbeit nehmen?

    Ein Gastbeitrag von Conny Nyhof, von http://fiffibene.de.

    Beitragsbild & Quelle: SplitShire / Pixabay, creative commons public domain