von: Severine Martens – www.fabelschmiede.de

Mein Name ist Luna und ich bin ein Hund. Ein kleiner Hund, weshalb das Frauchen mich immer Klein Luna nennt – oder Luni Luninata Lunipüh, was ich aber ziemlich doof finde. Fast so doof wie meine Kindheit, als ich noch ein kleiner Welpe war, und meine Jugend, in der ich schwer krank wurde – und keiner es bemerkte. Ich habe das alles niemals vergessen, aber an meine Mutti kann ich mich gar nicht mehr erinnern, denn ich war erst sechs Wochen alt, als ich von ihr weg genommen wurde. Was ich noch genau weiß, ist die lange Autofahrt danach, meine Übelkeit und, dass alles aus meinem kleinen Magen heraus kam, was drin war – und an die erste Schimpfe und Haue meines Lebens. Ja, so war das und genau so sollte es dann auch drei lange Jahre bleiben. Ich hatte nicht die geringste Ahnung davon, dass ich ein Weihnachtsgeschenk war! Heute, nach so vielen Jahren, habe ich endlich ein liebes Frauchen gefunden – und einen tollen Kumpel, den die Menschen oft ‚Halunke‘ nennen, obwohl er eigentlich auch ein Hund ist!

Luna1

Bild & Quelle: Severine Martens

Bald ist wieder Weihnachten – das Fest der Liebe – und ich schreibe meinem Frauchen heute einen Brief. Ich schreibe einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann und an alle, die ihn lesen,

Dieser Brief geht so:

Ich wünsche mir, dass Du immer da bist, wenn ich Dich brauche. Dass Du mir niemals weh tust und ich immer zu Dir kommen kann, wenn mir danach ist. Ich möchte Dich und Deinen warmen Schoß genießen, mich auf Dir zusammen kringeln können und niemals das Gefühl haben müssen, dass Du mich dazu zwingst. Du sollst in der Nacht immer Deine Bettdecke anheben, wenn mir kalt ist, und wenn Du schläfst, soll der Platz zwischen Deinen Armen und Beinen mein Platz sein – meiner ganz alleine. Du sollst nie mit mir schimpfen und wenn ich mal meine Ruhe vor Dir haben möchte, sollst Du das respektieren. Ich verspreche Dir, das dauert nicht lange und wenn ich mich eine Weile von der Welt erholt habe, bin ich wieder für Dich da – einfach da!

Hündin Luna 2a auf der Decke

Bild & Quelle: Severine Martens

Ich habe Angst vor lauten Geräuschen und ich mag nicht festgehalten werden – schon gar nicht von fremden Menschen.

Früher war mir alles verboten, auch die vielen Sachen, die Hunde eben mal so machen: Bellen, Knabbern, mit Essen und Wasser kleckern, Jaulen und manchmal auch Beißen, wenn uns irgendetwas so gar nicht passt oder weh tut. Ich wurde irgendwann nur noch geschimpft und gehauen, später dann den größten Teil des Tages in einem Keller eingesperrt. Wenn ich da dann meinem Haufen wieder in eine Ecke machte, wurde ich wieder geschimpft – und ich wusste es immer schon lange bevor ich diesen Haufen überhaupt gemacht habe. Ich habe heute noch Angst vor Dingen, die für alle anderen völlig normal sind. Zum Trinknapf traue ich mich nur, wenn ich alleine bin oder alle anderen schlafen, und zum Häufchen machen muss ich mich draußen immer hinter einem Busch verstecken – oder ich mache einfach nicht und halte an, bis ich fast platze.

Hündin luna mit hasen 2

Bild & Quelle: Severine Martens

Vergiss nie, dass ich ein Hund bin und kein Mensch! Ich wünsche mir von Dir Respekt vor meiner Art und vor dem, was uns Hunden nun einmal wichtig ist.

Ich möchte niemals wieder eingesperrt werden. Ich möchte jeden Tag frei herumtollen können und mit anderen Hunden lauter Sachen machen, die Du für dummes Zeugs hältst. Den Kopf in schwarze Mauselöcher stecken, Fahrradfahrer hinterher kläffen und meinen großen Hundekumpels in den Schwanz zwicken. Ich möchte mit Dir zusammen durch die Gegend flitzen, in die nächstbeste schlammige Pfütze springen und manchmal auch nur so in der Gegend herumliegen und gar nichts tun. Ich möchte die Welt mit meiner Nase erleben, wie Du die Deine mit den Augen. Ich kann Sachen riechen, von denen Du Dir überhaupt keine Vorstellung machen kannst – ich wünsche mir, dass Du das verstehen kannst. Ich möchte ein Leben haben: Ein ganz eigenes Leben – aber mit Dir zusammen und an Deiner Seite!

Luna1

Bild & Quelle: Severine Martens

Ich möchte, dass wir oft dahin gehen, wo viele kleine Kinder sind. Ich mag kleine Kinder, sehr gerne sogar, und ich finde es toll, wenn die mit mir spielen. Viele verstehen das nicht, weil die Kinder mir damals so viel weh getan haben. Aber so sind wir Hunde nun einmal! Ich wurde damals mit einem Schleifchen unter den Weihnachtsbaum gesetzt und als dann die Kinder herein gestürmt kamen, habe ich auf den Teppich gepullert. Die Eltern hatten wieder geschimpft, aber die Kinder hatte das gar nicht interessiert. Die haben mit mir rumgetobt und viele verrückte Sachen gemacht, die einfach nur Spaß gemacht haben. Das war richtig toll, vor allem in den ersten Wochen. Aber irgendwann wurde das dann immer weniger und bald fand sich schon keiner mehr, der mit mir mal kurz vor die Türe gehen wollte. Immer öfter musste ich meine Geschäfte in der Wohnung machen und immer öfter wurde ich geschimpft und gehauen. Irgendwie konnte ich gar keinem mehr irgendetwas recht machen und ich hatte das Gefühl, einfach nur noch im Wege zu sein. Drei lange Jahre – bis Du zu mir kamst, mein liebes Frauchen!

Ich möchte nie wieder ein Geschenk sein, denn auch wir Hunde haben eine Seele.

Drei Jahre sind einfach drei Jahre zu viel! Wir sind keine Dinge, die man jemandem so einfach als Geschenk in die Hand drücken oder unter den Weihnachtsbaum legen kann. Wir sind denkende und fühlende Lebewesen, die ein Recht auf ein eigenes und artgerechtes Dasein haben. Wir bringen viel Freude in Euer Leben, aber auch sehr viele Pflichten – manchmal sogar Sorgen. Wir schenken Euch die gesamte Zeit, die wir hier auf Erden haben, unser ganzes Leben. Wir sind immer an Eurer Seite und immer für Euch da – und wir erwarten kaum etwas dafür: Einen vollen Napf und Respekt vor unserer eigenen Art. Mehr nicht!

Hündin Luna 9 schläft auf dem Rücken

Bild & Quelle: Severine Martens

Ich wünsche mir vom Weihnachtsmann, dass ich jetzt für immer ein Zuhause habe – dass ich für immer an Deiner Seite bleiben darf.

Ich wünsche mir ein warmes Bett, Deinen Schlafgeruch, jeden Tag viele frische Fährten in der Nase und, dass der Halunke nicht immer meine Knochen klaut.

Ich wünsche mir so vieles, aber am meisten wünsche ich mir, dass sich meine Geschichte nicht jedes Weihnachten wiederholt. Hunde sind keine Geschenke für kleine Kinder, schon gar nicht vom Weihnachtsmann. Hunde und andere Tiere haben unter dem Weihnachtsbaum nichts verloren, außer als Beschenkte an Eurer Seite!

Wir sind keine Sachen oder Dinge, wir sind Eure Freunde – und das unser ganzes Leben lang!

Vergesst das nicht!

Wo kann ich die anderen Episoden von Luna’s Weihnachtsgeschichte lesen?

Dieser kleine Text ist der dritte Teil von Luna Weihnachtsgeschichte. Der erste Teil „Luna und der Weihnachtsmann“ erschien 2012 und der dritte Teil „Milow und der verschenkte Hund 2013“ (bzw hier)!! … Klickt Euch doch einfach mal durch, es lohnt sich – versprochen!

Noch mehr von Severine Martens

Hundebuch 'Ich bin hier bloß der Mensch'

Bild & Quelle: Severine Martens

Unser neues Buch gibt es inzwischen überall im Buchhandel, u.a. auch bei Amazon – Bestimmt eine klasse Idee für den Weihnachtswunschzettel und super für kalte Tage am warmen Ofen!