Der Einsatz von Hunden in der psychiatrischen Praxis – Leseprobe

Der Einsatz von Hunden in der psychiatrischen Praxis – Leseprobe

Die Diplomarbeit im Fach Sozialpädagogik von Bianca Wippich, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Janine Linke vom Grin-Verlag.

Vorwort

Mein Interesse am Themenbereich der tiergestützten Arbeit im Allgemeinen und der tiergestützten Arbeit mit Hunden im Besonderen entwickelte sich vor ca. drei Jahren. Mir ist klar geworden, dass ich eine besondere Beziehung zu Tieren habe, die von anderen Menschen nicht immer nachvollzogen werden kann. Ich verzichte schon seit einigen Jahren aus moralischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen bei meiner Ernährung auf Tierprodukte und habe mich zum ersten Mal wissenschaftlich während meines Studiums der Soziologie an der Universität Hannover im Jahr 2003 mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinandergesetzt.

Gegen Ende meines Studiums der Sozialpädagogik machte ich mir gelegentlich Gedanken über ein mögliches Thema meiner Diplomarbeit. Ich absolvierte meine Praktika im Bereich der Psychiatrie, in einem Übergangswohnheim für psychisch kranke Menschen beim Kölner Verein für Rehabilitation und in einem Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Kinder- und Ju-gendpsychiatrie in Niedersachsen. Daher war schnell klar, dass sich auch die Abschlussarbeit um diesen Arbeitsbereich drehen sollte. Ich hatte schon von der Arbeit mit Tieren, insbesondere der populären Reittherapie und der Delphintherapie gehört. Diese Formen tiergestützter Arbeit sind im Fachbereich der Heilpädagogik, also in der Arbeit mit Menschen mit geistigen oder körperlichen Besonderheiten anzusiedeln.
Im Wintersemester 05/06 besuchte ich das von Dr. Fitting-Dahlmann angebotene Seminar Tiergestützte Förderpädagogik, in dessen Verlauf ich mit zwei weiteren Kommilitoninnen ein kleines Projekt zum Einfluss der Reittherapie auf psychiatrische Patienten in den Rheinischen Kliniken Bedburg-Hau durchführte.

Das Thema Tiergestützte Therapie, bzw. Tiergestützte Pädagogik begegnete mir nun immer öfter und ich begann, mich intensiver damit zu beschäftigen. Im Mai 2007 nahm ich im Hin-blick auf meine bevorstehende Diplomarbeit am Kongress Mensch und Tier. Tiere in Präven-tion und Therapie an der Humboldt-Universität in Berlin teil, der über aktuelle Forschungsbe-richte sowie Einsatzbereiche der Therapie mit Tieren informierte. Es kristallisierte sich heraus, dass mein spezifisches Interesse vor allem auf die Klientel Menschen mit psychischen Stö-rungen und die Tiergestützte Arbeit mit Hunden fokussiert war. Im Jahr 2006 wurde ich auf den ambulanten Betreuungsdienst Ein Stück Sonntag im Alltag in Köln aufmerksam, der mit Hunden und unterschiedlichen Zielgruppenarbeitet. Ich bemühte mich um eine Hospitation und nahm an einer tiergestützten Intervention in einem Kölner Seniorenzentrum teil. Im Juli 2007 nahm ich eine Weiterbildung dieses Betreuungsdienstes mit dem Thema „Einführung in die Tiergestützte Aktivität mit Hunden und in die Persönliche Betreuung“ wahr. Mein spezifi-sches Interesse im Zusammenhang mit dieser Arbeit liegt in den Auswirkungen für alle Betei-ligten, Mensch und Tier.

Einleitung

Tiere werden in Deutschland schon seit geraumer Zeit in der Behandlung von Menschen mit speziellen Bedürfnissen eingesetzt. Die Bandbreite der eingesetzten Tiere ist dabei mindestens so umfassend wie die spezifischen Interventionen für unterschiedlichste Zielgruppen.

Das spezifische Interesse der Verfasserin liegt darin, anhand dieser Arbeit zu zeigen, welche Möglichkeiten tiergestützter Interventionen mit dem Hund für Menschen mit psychischen Störungen existieren und ob diese davon im Rahmen einer ressourcenorientierten Sozialtherapie profitieren können. Da diese Arbeit unter sozialpädagogischen, bzw. sozialarbeiterischen Gesichtspunkten verfasst ist, gilt das Interesse der Wirksamkeit tiergestützter Interventionen hinsichtlich der Rehabilitation psychisch gestörter Menschen. Mit psychisch gestörten Men-schen sind in diesem Rahmen vor allem jene gemeint, die aufgrund ihrer Krankheit und den damit verbundenen Folgen unter sozialer Isolation leiden und deren Rehabilitation dadurch erschwert ist, dabei handelt es sich vor allem um Menschen mit schizophrenen Psychosen oder Depressionen.

Das Fachgebiet der tiergestützten Interventionen ist in Deutschland ein noch junger Wissen-schaftszweig, der sich in den Fachgebieten Ethologie, Psychologie, Medizin, Biologie und Pädagogik wieder findet. Von deutschsprachigen Wissenschaftlern sind bisher Veröffentli-chungen aus den Fachgebieten von Verhaltensforschern (z.B. Dr. Carola Otterstedt, Prof. Dr. Dorit Feddersen-Petersen), Psychologen (Prof. Dr. Reinhold Bergler, Prof. Dr. Erhard Ol-brich, Dr. Andrea Beetz etc.), (Heil-)Pädagogen (Dr. Andrea Vanek-Gullner), und Medizinern (z.B. Dr. Armin Claus, Dr. Andreas Schwarzkopf) erschienen. Sie untersuchten die Bereiche Mensch-Tier-Beziehung im Allgemeinen und spezifische Mensch-Tier-Interaktionen im Be-sonderen durch qualitative und quantitative Studien. Bei einem Überblick über die bisherigen Veröffentlichungen fällt auf, dass die Forschungsarbeiten vor allem aus den naturwissen-schaftlichen Fachgebieten Medizin, Biologie und Klinische Psychologie stammen. Zwar exis-tieren auch geisteswissenschaftliche Studien zum Thema tiergestützte Interventionen, etwa aus Heil-, Sonder- oder Sozialpädagogik. Allerdings scheinen diese den geringeren Anteil der Studien auszumachen, obgleich sich in der Praxis viele Projekte pädagogischer Herkunft fin-den lassen.

Mit dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, ob und wie der Einsatz von Hunden im psy-chiatrischen Versorgungssystem in Bezug auf die Rehabilitation von Menschen mit psychi-schen Störungen wirksam sein kann. Hierfür werden verschiedene Interventionsmöglichkei-ten und Beispiele aus der Praxis sowie wissenschaftliche Studien dargestellt.
In dieser Arbeit interessiert die Autorin unter sozialpädagogischen Bezügen ausdrücklich die spezifisch therapeutische Funktion des Tieres innerhalb eines professionellen Teams als sozi-altherapeutische Maßnahme und nicht der alltägliche Umgang mit einem Heimtier und des-sen potentiell positive Wirkung auf den Menschen. Auch liegt das Interesse nicht im therapeu-tischen Einsatz des Hundes als medizinische oder psychotherapeutische Maßnahme, son-dern als sozialpädagogische Maßnahme zur Rehabilitation. Für die Fachgebiete Sozialpäda-gogik und Soziale Arbeit ist das Thema daher von Interesse, da unter der Berücksichtigung gesellschaftskritischer Aspekte versucht wird zu klären, in wieweit sich eventuelle soziale Ef-fekte des Hundeeinsatzes zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft von Menschen mit psychischen Störungen eignen. Die Autorin weist auf die potentielle Gefahr der Ausbeutung des Tieres hin und betont ausdrücklich, dass es sich bei der Arbeit mit dem Tier immer um Teamarbeit handelt und jede tiergestützte Intervention eine Beziehung zwischen dem jeweili-gen Tier und dem professionell Tätigen unbedingte Voraussetzung ist.

Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten tiergestützter Interventionen mit dem Hund im Bereich der stationären und ambulanten Psy-chiatrie zu verschaffen. Daneben soll diese Arbeit einen kritischen Beitrag zum Diskurs über den noch jungen Bereich der tiergestützten Intervention leisten.

Bei der Bearbeitung meines Themas werde ich hermeneutisch vorgehen. Dafür wird der Le-ser von einem Kapitel zum nächsten dem Hauptthema dieser Arbeit näher gebracht. Beim Leser soll am Ende dieser Arbeit ein Bild entstanden sein, das durch das Verstehen der ein-zelnen Kapitel zu einem ganzheitlichen Verständnis der ganzen Thematik geführt hat.

Zunächst wird dem Leser im ersten Kapitel hinführend auf das Themengebiet der praktischen Psychiatrie das psychiatrische Versorgungssystem in Deutschland erläutert, um ihm eine Einleitung in das Hauptthema dieser Arbeit zu geben. Dafür wird zunächst definiert, worum es sich bei einer psychischen Störung handelt. Des Weiteren wird vorgestellt, wie psychische Störungen und davon betroffene Menschen behandelt werden, indem das ambulante und stationäre Versorgungssystem beschrieben wird. Im weiteren Verlauf wird der Blick auf die Soziale Arbeit in der Psychiatrie gelenkt.
Das zweite Kapitel führt in das Themengebiet der tiergestützten Arbeit im Allgemeinen ein. Zunächst werden die gebräuchlichen Begriffe definiert und differenziert. Im Anschluss daran wird die Organisationsstruktur der tiergestützten Arbeit in Deutschland mit ihren internationa-len Bezügen dargestellt. Des Weiteren wird der Fachdiskurs innerhalb des Fachgebietes der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik diskutiert. Dem Leser soll durch dieses Kapitel ein Überblick über die Thematik der tiergestützten Interventionen zum besseren Verständnis des speziellen Tiereinsatzes mit dem Hund ermöglicht werden.
Im dritten Kapitel werden verschiedene Aspekte der Beziehung zwischen Mensch und Hund angesprochen. Es werden zunächst die Voraussetzungen für die Möglichkeit von Bindungen zwischen Menschen und Tieren im Allgemeinen, sowie Mensch und Hund im Besonderen geklärt. Des Weiteren wird auf die Besonderheiten des Hundeeinsatzes eingegangen. Dieses Kapitel dient wie die ersten beiden der Hinführung auf das Thema des Hundeeinsatzes in psychiatrischen Einrichtungen.
Anschließend folgt im vierten Kapitel eine Abwägung der Chancen und Risiken eines Hunde-einsatzes für Mensch und Hund. Zunächst werden die potentiellen Vorteile des Hundeeinsat-zes für den Menschen vorgestellt. Anschließend werden die potentiellen Gefahren für den Menschen und den Hund aufgezeigt. Nach Lektüre dieses Kapitels soll der Leser in die Lage versetzt worden sein, Nutzen und Schaden einer tiergestützten Intervention mit dem Hund in psychiatrischen Einrichtungen differenziert beurteilen zu können.
Abschließend wird im fünften Kapitel der Hund als Medium in der tiergestützten Arbeit mit psychisch kranken Menschen eingeführt. An dieser Stelle werden verschiedene Beispiele aus der Praxis präsentiert und kritisch bewertet.

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Bild & Quelle: Grin Verlag, via Janine Linke

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