Mein Hund zieht an der Leine!

Dann lassen Sie ihn doch!
Warum? Weil es Spass macht! Beiden. Nein, ich spinne nicht.

Wir haben begonnen für CaninCross zu trainieren. Zugeben, mit Beagle eine absolute Schnapsidee, sie ist eigentlich zu klein für solche Spässe. Aber das macht bei diesem Sport nichts. Nach der diesjährigen Jagdsaison hat meine Dame eine anbetungswürdige Figur und eine Kondition, die viele andere Hunde neidisch werden lässt. Dabei soll es bitte bleiben.

Wie ich zu CaninCross gekommen bin

Eine alte Studienkollegin hat mich einmal mit zu ihren Schlittenhunden, Eurohounds, genommen und mir vom CaninCross erzählt, letztes Jahr haben wir das erste Rennen gestartet. Mein Beagle Lotte (siehe auch die separate Homepage) war da schon Feuer und Flamme.
CaninCross ist in Europa eine junge Hundesportart, obwohl sie in meinen Augen vielen Hundebesitzern viel Spass machen würde. Es geht einfach darum mit dem Hund möglichst schnell einen Parcours zu rennen, der Hund zieht dabei vorne. Dabei wird man, je nach Zughund, richtig schnell.

Um was geht es dabei?

Mir geht es aber gar nicht so sehr um die Rennen, sondern um den Spass beim Training. Canincross ist schnell und einfach erklärt: man braucht

  • einen fitten Hund mit einem fitten Herrchen oder Frauchen,
  • ein paar gute Laufschuhe (die Belastungen sind viel höher als beim normalen Joggen, hier sollte man auf keinen Fall sparen),
  • ein x-back Geschirr oder wenigstens eines, das dem Hund eine gute Bewegungsfreiheit lässt und
  • einen Gurt mit einer Gummizugleine und Panikhaken dran.
  • Die Gummizugleine verhindert, dass Mensch und Hund sich verletzen, es dämpft die Schläge auf den Rücken ab, der Panikhaken stellt sicher, dass der Mensch sich lösen kann.

    Der Hund sollte vorher auch die Kommandos rechts und links oder „gee“ (rechts) und „haw“ (links) kennen. Und dann geht’s los, am besten im Wald.

    Das schont die Pfoten von Lotte und die Knie von Frauchen.

    Kondition ist vonnöten!

    Bei uns ist das Konditionsverhältnis zwischen Hund und Frauchen ausgesprochen unausgeglichen, ich habe das Gefühl mit hochrotem Kopf meinem vorausstrotzenden Beagle hinterherzustolpern.

    Zugegeben, aller Anfang ist schwer. Der schwierigste Schritt für mich war der zur Tür hinaus. Aber Hundemenschen gehen sowieso jeden Tag mit dem Hund spazieren, also warum nicht zwei- oder dreimal in der Woche die Laufschuhe schnüren und die Spazierrunde ein wenig schneller absolvieren? Ich mag dieses Teamgefühl, wenn Lotte vorne langgezogen rennt und ich das Muskelspiel in ihren Hinterbeinen sehen kann. Die Ohren fliegen tief und sie gibt, was sie kann. Anfangs war es schwer ihr bewusst zu machen, dass sie vorne rennen soll und ziehen darf. Sie neigt dazu an der Leine zu ziehen, natürlich haben wir daran gearbeitet, aber es hat nie ganz aufgehört. Seit wir allerdings regelmässig viermal in der Woche trainieren, hat es praktisch aufgehört.
    Ich war auch vorher schon regelmässig Fahrradfahren und gehe natürlich viel spazieren.

    Das Training macht sich bezahlt!

    An Bewegung hat es ihr nicht gemangelt, aber ich glaube es ist dieses Tempo, in dem Hunde hetzen, das ihr den Kick gibt. Und mir auch. Und wie! Ich verbessere praktisch wöchentlich meine Rundenzeiten, kann es mittlerweile kaum erwarten wieder rennen zu gehen. Das Training macht sich bezahlt, mein Mädel hat heute zum ersten Mal richtig Muskelkater, gestern hat sie acht Kilometer lang nicht locker gelassen, alles gegeben und ich musste sie zum ersten Mal nicht mehr bremsen.

    Man rennt sich in einen Rausch.

    Es ist zwar ausgeschlossen, dass ich jemals eine Hundemeute ersetzen kann, aber meiner Meutejägerin ist das offenbar egal. Sonst würde sie sich nicht so ins Zeug legen. Wir jagen gemeinsam über die Waldwege, ich bin ganz sicher, ohne Hund wäre ich niemals so schnell. Auf manchen Seiten wird CaninCross als der schnellste Laufsport weltweit angegeben, ich zweifle nicht daran. Die fliegenden Ohren lassen mich bis an die Schmerzgrenze gehen, damit ich ihr Tempo mithalten kann, die Lungen brennen, die Beine rebellieren, trotzdem geht es immer noch ein Stückchen weiter. Es ist ein absolutes Hochgefühl, wenn man gemeinsam nach Hause kommt, der Wahnsinn!

    Fazit

    Ich kann diesem Sport uneingeschränkt denjenigen empfehlen, deren Hund nicht allzu klein, gesund und fit ist. Die Hunde sollten auf keinen Fall schlecht Luft bekommen oder Gelenkserkrankungen haben, sehr junge Hunde dürfen ebenfalls noch nicht mitrennen. Die Gelenke, die sich noch im Wachstum befinden, könnten geschädigt werden.
    Es gibt mittlerweile sogar Kurse, in denen man CaninCross von der Pike auf erlernen kann, wie man mit dem Hund kommuniziert und welche Lauftechniken sich am besten eignen. Aus eigener Erfahrung würde ich empfehlen: Einfach probieren!

    Ein Gastbeitrag von Alica Junker.

    Beitragsbild: Kroston, Quelle: Wikimedia Commons, creative commons BY-SA 3.0