Der Kanaanhund

Der Kanaanhund

Der Kanaanhund zählt in unseren Breiten zu den Exoten, Kanaanhund Züchter gibt es keine in Deutschland. Umso glücklicher sind wir, dass Marlies Menge, Betreiberin von MengesKanaans uns einen Überblick über diese Hunderasse verschafft.

Die Geschichte der Kanaans

Prof. Rudolphina Menzel, eine österreichische Kynologin und Verhaltensforscherin, die vor den Nazis aus Wien nach Palästina ausgewandert war, Jahre vor der Gründung des Staates Israel, hatte die wildlebenden Hunde in der Umgebung der Beduinen entdeckt.
Sie hatte sich in Europa besonders für Schutzhunde interessiert, aber die Boxer, Schäferhunde, Dobermänner vertrugen das israelische Klima nicht.

Sie sah die wildlebenden Hunde, die sich vom Abfall der Beduinen, erjagten Mäusen und anderen Kleintieren ernährten.

Sie unterschied drei Typen dieser Wildhunde:

  • einen schweren, etwas plumpen Hund,
  • einen grazilen, windhundartigen und
  • einen, der eine Mischung von den beiden sein konnte.
  • Letzteren wollte Rudolphina Menzel für ihre neue Züchtung haben, den Kanaans, von ihr benannt nach dem biblischen Land Kanaan.

    Die Menzels lebten in Kiriat Chaim. In deren Nähe beobachtete Frau Menzel eine schwarz-weiße Hündin, wildlebend und scheu, doch Frau Menzel schaffte es, sie zu domestizieren. Sie nannte sie Duma, was übersetzt Muster heißt.

    Lange Zeit waren die Menzels und später Myrna Shiboleth die einzigen Kanaan Züchter. Inzwischen gibt es gottlob mehr Israelis, die sich für die israelische Rasse engagieren. Und es werden Kanaans in Amerika und in Europa gezüchtet. Ich hatte selbst zwei Würfe dieser Rasse. Die jüngste meiner Hündinnen stammt von einer Schweizer Kanaan-Züchterin.

    Rassemerkmale

    Anbei Auszüge aus dem Kanaanhund Rassestandard, wie er von Prof. Rudolphina Menzel aufgestellt und seitdem kaum verändert wurde:

  • Allgemeine Erscheinung des Kanaans: ein mittelgroßer, kräftiger, quadratischer Hund, nahe dem Wildhundtyp.
  • Gewicht und Größe: zwischen 50 und 60 cm hoch, Rüden gewöhnlich erheblich größer als Hündinnen. Gewicht: 18 bis 25 kg.
  • Farbe: sandfarben bis rotbraun, weiß, schwarz. Große weiße Abzeichen sind nicht nur bei allen Farben erlaubt, sondern erwünscht. Schecken aller Art erlaubt, ebenso weiße oder schwarze, möglichst ebenmässige Masken. Unerwünscht ist grau und dunkelbraun, gestromt und dreifarbige Hunde.
  • Allgemeine Bemerkung: Besonderes Gewicht muß auf die Punkte gelegt werden, die den Kanaanhund vom Deutschen Schäferhund, dessen n i c h t hochgezüchteter Form er manchmal ähnelt, unterscheiden:

  • quadratische Körperform,
  • Lendenpartie kurz,
  • Vorhand hoch aufgerichtet,
  • Nachhand weniger gewinkelt,
  • der Hals möglichst edel,
  • Rute in Erregung über den Rücken geringelt,
  • der Trab ist kurz.
  • Im Video auch noch der Kanaanhund mit dem Deutschen Schäferhund:

    Je kleiner und leichter ein Tier ist, desto weniger Futter und Wasser benötigt es. Es ist schneller bei der Flucht, entkommt leichter Gefahren und findet eher ein Versteck.

    Meine erste Begegnung mit dem Kanaanhund

    Den ersten Kanaan lernte ich durch meinen Beruf kennen. Ich war damals ZEIT-Korrespondentin in der DDR und interviewte irgendwann eine jüdische Dame, die aus der Emigration eine Kanaanhündin mitgebracht hatte.

    Ich lernte erst später, dass Kanaans zu den wenigen noch existierenden Hunderassen vom primitiven Typ gehören,

    zur Gruppe der Paria-Hunde, die im gesamten afrikanisch-asiatischen Raum zu finden sind.
    Kynologisch gehören sie zur Spitz-Familie, der ältesten Hundefamilie der Welt. Jahrtausendealte Felszeichnungen zeigen sie als Jagdgehilfen. Sie entwickelten sich durch natürliche Auslese, weshalb nur die stärksten und intelligentesten von ihnen überlebten, die dem schwierigen Leben in der Wüste gewachsen waren. Noch heute haben Kanaans starke Überlebensinstinkte, was sie zu intelligenten, unabhängigen, aber auch sehr vorsichtigen Hunden macht.

    Man kann sie nie zwingen, etwas zu tun. Man muß sie überzeugen, dass es vernünftig ist, es zu tun.

    KanaanhundBildangaben: Foto: M.Taube Quelle: Wikimedia Commons // creative commons CC BY-SA

    Foto: M.Taube
    Quelle: Wikimedia Commons // creative commons CC BY-SA

    Sein Charakter: freundlich distanziert

    Ein Kanaanhund ist zurückhaltend gegenüber fremden Menschen und Dingen. Diese Hunderasse ist sehr territorial, sie zeigt keinerlei Neigung zum Streunen. Den Ort, in dem sie leben inklusive seinem Besitzer, dessen Kindern und anderen Haustieren, betrachten sie als ihr Eigentum, dass sie gegen jeden – meist lauthals – verteidigen. Er kann also ggü Fremden aggressiv sein, ist aber keineswegs ein Kampfhund.
    Die alte jüdische Dame gab mir ihre Kanaanhündin, als sie ins Pflegeheim ging. Sie hatte sie von Myrna Shiboleth aus Israel, der ich von dem Besitzerwechsel schrieb.

    Die Hündin war 13 Jahre, und sie verhielt sich, als wäre sie nur bei mir zu Besuch, nämlich freundlich distanziert.

    Vom Sterben & von Kanaanhund Welpen

    Sie starb, wie man es jedem Hund wünscht. Am Nachmittag war sie noch mit mir und meiner Eurasierhündin spazieren gegangen, am Abend lag sie tot auf ihrem Kissen.
    Ich war von der Rasse so angetan, dass ich mir wenig später von Myrna Shiboleth einen Kanaanhund Welpen holte, eine schwarz-weiße Hündin. Sie hieß Shira und war über 12 Jahre meine Begleiterin, eine selbstbewußte Hündin, dabei zurückhaltend und fast ängstlich, wenn es um etwas ging, das sie nicht kannte.
    Myrna hat diese Besonderheit eines Kanaanhund so beschrieben:

    Sie steht mit einem Schäferhund und einem Kanaanhund an einer steilen Schlucht. Sie sagt zum Schäferhund: “Spring!” Und er springt. Sie sagt zum Kanaan: “Spring!”. Und er sagt: “Erst du!”

    Einen Kanaanhund kaufen ist heute schwieriger denn je

    Heute könnte ich mir keinen Welpen mehr aus Israel holen. Nach den europäischen Regelungen muß ein Hund aus Israel (wie aus jedem anderen nichteuropäischen Land) sieben Monate alt sein, ehe bei ihm der geforderte Bluttest gemacht werden kann und erst wenn das positive Ergebnis feststeht. darf er in ein europäisches Land eingeführt werden. Zu spät für einen Kanaan, der so früh wie möglich sozialisiert werden sollte und das bei seinen neuen Besitzern.

    Vor 20 Jahren hatte mich Myrna noch im Jeep in die Negev-Wüste zu Beduinen mit genommen, in deren Umgebung wir wildlebende, extrem scheue Kanaans beobachten konnten. Heute leben immer weniger Beduinen in ihren traditionellen Zelten.

    Wildlebende Kanaans gibt es so gut wie gar nicht mehr.

    Wir sind ein glückliches Rudel.

    Und noch einmal das Bild von oben mitsamt der Quellenangabe:

    KanaanhundBildangaben: Foto: Matilda Quelle: Wikimedia Commons// creative commons CC BY-SA

    Foto: Matilda
    Quelle: Wikimedia Commons// creative commons CC BY-SA