Der Weimaraner – die graue Eleganz

Der Weimaraner – die graue Eleganz

Der Weimaraner wird in Deutschland als Jagdgebrauchshund gezüchtet. Wegen seines eleganten Aussehens und der markanten grauen Fellfarbe ist er auch bei Hundefreunden begehrt, die ihn nicht entsprechend seinen natürlichen Anlagen einsetzen können.

Allgemeines zum Weimaraner

In vielen Rassebeschreibungen wird der Weimaraner als intelligent und mit hohem Beschäftigungsbedarf beschrieben. Dem kann zugestimmt werden. Den Weimaraner als idealen Familienhund darzustellen kann allerdings als verantwortungslose Schönfärberei bezeichnet werden. Fast jeder Jagdhund ist heutzutage auch ein Familienhund.

Doch das Zusammenleben mit der Familie kann nur funktionieren, wenn die Rahmenbedingungen für den Hund stimmen.

Hierzu zählt eine konsequente Führung und eine Beschäftigung, die den Bedürfnissen des Weimaraners entspricht.

Die Praxis zeigt, dass viele Hundebesitzer nicht in der Lage sind einen Hund konsequent zu führen. Bei einem triebstarken Jagdgebrauchshund kommt es bei fehlender Führung zu massiven Problemen.

Es ist traurige Wahrheit, dass nicht wenige Weimaraner daher von ihren überforderten Besitzern ins Tierheim abgegeben werden.

Das müsste nicht sein, würden die Käufer bei ihrer Entscheidung sich nicht nur vom Aussehen leiten lassen.

Bildangaben: Eirik_Raudi / Pixabay, creative commons public domain

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Fellfarbe

Weimaraner sind immer einfarbig grau, wobei kleinere weiße Abzeichen an der Brust zulässig sind. Man unterscheidet drei verschiedene Grauvarianten:

  • rehgrau,
  • mausgrau und
  • silbergrau.
  • Die Fellfarbe „blau“ entspricht nicht dem Rassestandard.
  • Sogenannte „blaue Weimaraner“ sind nicht anerkannt und werden wg. der ursprünglichen Einkreuzung fremder Rassen vom Weimaraner-Klub e. V. als Mischlinge eingestuft.

    Papiere

    In Deutschland ist der Weimaraner-Klub e. V. der einzige vom VDH anerkannte Zuchtverein für Weimaraner. Papiere mit dem Stempel des VDH, JGHV und FCI darf nur der Weimaraner-Klub e. V. ausstellen.

    Dissidenzzucht

    Da die Züchter des Weimaraner-Klub e. V. ihre Welpen in der Regel nur an Jäger abgeben, hat sich in den letzten Jahren eine breite Dissidenzzucht entwickelt. Teilweise werden diese Hunde mit Fantasiepapieren, gefälschten VDH-Papieren oder mit Papieren von Zuchtvereinen außerhalb des VDH abgegeben.

    Bildangaben: Kaz / Pixabay, creative commons public domain

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    Welpenpreise

    Die Welpenpreise mit offiziellen VDH-Papieren liegen bei 700 € – 900 € (Stand 2014). Interessanterweise wurden noch bis vor wenigen Jahren Welpen ohne Papiere (bzw. mit Pseudo-Papieren) für weit höhere Preise abgegeben, als Hunde aus der regulären Zucht. Inzwischen sind wg. des größeren Angebotes die Preise für papierlose Weimaraner stark gesunken, sodass diese häufig für 300 € – 600 € angeboten werden.

    Jagdliche Verwendung

    Der Weimaraner gehört zu den kontinentalen Vorstehhunden. Der Begriff „Vorstehhund“ ist allerdings etwas irreführend. Das Vorstehen gehört zwar zu den angewölften Anlagen des Weimaraners, heißt aber nicht, dass sich der Einsatzbereich hierauf beschränkt.

    Der Weimaraner ist, wie die anderen kontinentalen Vorstehhunderassen, ein jagdlicher „Allrounder“.

    Außer zur Baujagd kann er für alle Jagdarten eingesetzt werden. Neben der Arbeit im Feld und im Wasser kann auch die Schweißarbeit zu seinen Stärken gerechnet werden. Hierfür bringt er die nötige Nasenleistung und Konzentrationsfähigkeit mit, sowie auch die erforderliche Wildschärfe und Schnelligkeit bei anspruchsvollen Nachsuchen. Die Ursprünge des Weimaraners gehen auf den Leithund zurück und damit auf den selben Ausgangspunkt wie der Hannoversche Schweißhund.
    Beim Einsatz zum Stöbern ist in aller Regel Führerbegleitung sinnvoll. Nur wenige Weimaraner zeigen eine so große Selbständigkeit, dass sie vom Stand aus geschnallt werden können. Wer diese Jagdart als Schwerpunkt hat, ist mit einem Stöberhund besser beraten. Der für den Stöbereinsatz unabdingbare Laut hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre innerhalb der Rasse deutlich verbessert.

    Schutztrieb

    Der Weimaraner steht im Ruf als ursprünglicher „Försterhund“ einen ausgeprägten Schutztrieb mitzubringen. Es gibt tatsächlich Weimaraner, die gegenüber Menschen oder auch an Wild ein ausgeprägtes Verteidigungsverhalten zeigen.

    Aber dass diese Eigenschaft beim Weimaraner stärker ausgeprägt ist, als bei anderen Jagdgebrauchshunden, ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält.

    Was unterscheidet den Weimaraner von anderen Vorstehhunden?

    Einer der größten Unterschiede ist das Temperament: Beim Weimaraner spricht man vom „gezügelten“ Temperament. Das heißt, der Weimaraner wird in aller Regel ein größeres Maß an innerer Ruhe und Selbstbeherrschung mitbringen, als manche anderen Vertreter von Vorstehhunderassen. Das erleichtert die allgemeine Ausbildung und die Einsetzbarkeit im Nachsuchenbereich. Dafür muss man mitunter Abstriche bei Arbeiten machen, bei denen Tempo und Temperament von Vorteil sind, nämlich beim Stöbern und bei der Suche.
    Doch auch das hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Es gibt einen zunehmenden Anteil an Weimaranern, die man als sehr temperamentvoll bezeichnen kann. Bei der Suche nach einem Züchter sollte man sich überlegen, welches Maß an Temperament den persönlichen Bedürfnissen entspricht und dann entsprechend auswählen.

    Bildangaben: coffy / Pixabay, creative commons public domain

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    Ein Gastbeitrag von Marcus Ehmann, bestätigter Nachsuchenführer des LJV Baden-Württemberg, Verbandsrichter, anerkannter Züchter des Weimaraner-Klub e. V, Zwinger „von der Vogelweide“ (www.weimaranerzucht.de)

    Beitragsbild & Quelle: coffy / Pixabay / creative commons public domain