Herkunft und Geschichte

Im Gegensatz zu manchen Behauptungen im Internet ist die Bezeichnung „Ratero Mallorquin“ kein Sammelname für allerlei kleine Mischlinge von den Mallorquiner Straßen, sondern eine (auf Mallorca) seit ca. 170 Jahren etablierte Rasse. „Zusammengebaut“ wurde diese Rasse aus englischen Toyterriern, Manchesterterriern und kleinen, lokalen Schlägen. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass die rassereinen, standardkonformen Hunde eher von Züchter zu Züchter weitergegeben werden und sich somit im Tierschutz hauptsächlich die Mischlinge und diejenigen Hunde finden, die „übrig geblieben“ sind, da nicht rasserein. Genau diese Hunde landen dann in Deutschland, häufig mit erstaunlichen Verhaltensmustern, die sie von der eingekreuzten Rasse übernommen haben (Hütetrieb, usw.).

Ratero Mallorquin

Bild & Quelle Birgit Chengab

Rassestandard

Es gibt für den Ratero Mallorquin einen festgeschriebenen Rassestandard. Dieser ist im Internet abrufbar und sieht für diesen Hund Folgendes vor (die Kurzfassung):

Es handelt sich um einen kleinen Hund (Stockmaß zwischen 29 und 36 cm) mit einem Gewicht zwischen 3 und 6 kg (Hündinnen sind etwas kleiner und damit leichter als Rüden). Das Fell ist kurz und liegt eng an. Die Ohren sind an der Basis breit und laufen spitz zu, sie müssen spätestens im Alter von einem Jahr stehen, Knickohren gelten als Fehler. Die vorherrschende Farbe des Rateros ist schwarz und loh, seltener sind Exemplare mit weißen Abzeichen, ganz schwarze oder nur lohfarbene oder auch weiße Rateros mit großflächigen schwarzen Flecken. Seine Augen sind groß und rund und stehen leicht hervor. – Die Rute wird bis heute in den meisten Fällen nach dem ersten Schwanzwirbel kupiert, auch wenn das in der EU inzwischen verboten ist: Der Standard schreibt das immer noch vor.

Ratero Mallorquin

Bild & Quelle Birgit Chengab

Wesen

Der Ratero wird bis heute auf Mallorca als Gebrauchs- und Familienhund gezüchtet. Auf den Bauernhöfen dient er tagsüber als Wachhund und weckt beim Eintreffen jedes „Verdächtigen“ (auch des Postboten, der jeden Tag kommt und den der Hund schon lange kennt) laut bellend seinen „Kollegen“ – den Pastor Mallorquin, den mallorquinischen Schäferhund.
Fazit: Lenken Sie seinen Wachtrieb von Anfang an in akzeptable Bahnen, denn Kläffen macht Spaß (jedenfalls dem Ratero)…

Weiterhin geht Herrchen abends mit ihm auf die Kaninchenjagd.
Fazit: Der Jagdtrieb des Ratero Mallorquin ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Im Allgemeinen lässt er sich in erwünschte Bahnen lenken (sprich: Der kleine Racker jagt nur im Umkreis von ca. 5 m
nach Mäusen und setzt zu diesem Zweck zu dem typischen, känguruhähnlichen „Mäuselsprung“ an).

Ratero Mallorquin

Bild & Quelle Birgit Chengab

Anders als z. B. manche Hütehunde, die darauf gezüchtet wurden, eng mit dem Menschen zusammenzuarbeiten, wurde der Ratero ganz bewusst auf Selbständigkeit selektiert.
Fazit: Bauen Sie von Anfang an eine enge Bindung zu ihm auf, denn andernfalls „macht der Ratero sein Ding“ und braucht Sie nicht wirklich – zur Not ernährt er sich nämlich auch eigenständig durch Mäusefangen.

Weiterhin ist der Ratero sehr sensibel, liebebedürftig und anhänglich. Er liebt es, „nach Feierabend“ mit seinen Menschen gemeinsam auf der Couch zu kuscheln oder auch zu spielen und versteht ein Anschreien oder sonstige grobe Behandlung noch weniger als viele andere Hunde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese zierliche Hunderasse verspielt, intelligent, fröhlich, sensibel, selbstbewusst, pfiffig und lebhaft ist, ohne dabei nervös zu sein. Der Ratero lässt sich problemlos in der Wohnung halten, möchte aber geistig und körperlich gefordert werden.

Bezugsquellen

Der Ratero Mallorquin ist von der FCI nicht als Rasse anerkannt, was bedeutet, dass es außerhalb von Mallorca keine Züchter gibt. Die Behauptung – wie vor kurzem zu meinem großen Erstaunen im Internet gelesen – nach der es in Deutschland Züchter gäbe, die Welpen ab einem Preis von 1.600,– Euro verkaufen würden, ist schlichtweg falsch. Allerdings gibt es auf Mallorca einen Rasseclub, der seit 1990 das Zuchtbuch führt:

CLUB DEL CA RATER MALLORQUI
C/ Sa corona, 18 – 07230 Montuïri (Mallorca, Illes Balears)

Im Jahr 2002 wurde die Rasse auf Mallorca, und damit in Spanien, offiziell anerkannt, aber auch nur dort.
Damit ist die Beschaffung eines Rateros, sei es als Welpe oder erwachsener Hund, kompliziert. Für eine legale Einfuhr nach Deutschland muss der Hund nämlich durchgeimpft sein und die letzte Tollwutimpfung muss mindestens 21 Tage zurückliegen und darf nicht älter als ein Jahr sein.

Daher stammen die meisten Rateros in Deutschland – es sind schätzungsweise ca. 2.000 – aus dem (Auslands-)Tierschutz. Wer dieses Abenteuer nicht eingehen möchte, hat immer noch die Möglichkeit, sich seinen Hausgenossen auf einer Pflegestelle in Deutschland oder in einem deutschen Tierheim auszusuchen. Manche Tierheime arbeiten nämlich mit spanischen Tierheimen zusammen und können den zukünftigen Hundehalter über ihren Pensionär beraten.

Ratero Mallorquin

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Krankheiten

Da diese Rasse bisher (noch?) nicht zur Moderasse verkommen ist und eher als Geheimtipp gilt, ist sie frei von rassespezifischen Erbkrankheiten – und das umso mehr, als die Aufzuchtbedingungen dieses Gebrauchshundes auf Mallorca gnadenlos sind…

Altersbedingt können allerdings Herzschwäche, Trachealkollaps (eine Schwäche der Luftröhre) und Zahnprobleme auftreten (teilweise hervorgerufen durch Mangel- und Fehlernährung in jungen Jahren).

Relevant sind jedoch Mittelmeerkrankheiten, die teilweise behandelbar sind. Eine seriöse Tierschutzorganisation testet jeden Hund vor einer Vermittlung nach Deutschland und behandelt ihn entsprechend. Auf dieses weite Feld gehe ich in meinem Buch „Ratero Mallorquin – Ein Mittelmeerhund in Deutschland“ ein, denn es würde hier den Rahmen sprengen.

Nur Eines: Keine der Mittelmeerkrankheiten ist vom Hund auf den Menschen übertragbar! Auch eine Übertragung von Hund zu Hund ist praktisch unmöglich. Soviel zu der Mär, Hunde aus dem Auslandstierschutz würden Krankheiten einschleppen…


Legenden

Immer wieder liest man, der Ratero sei „geduldig“, „kinderlieb“ und „sauber“.

Hier die Wahrheit:
geduldig“ ist ein Hund dann, wenn man ihm in Welpentagen eine hohe Frustrationstoleranz beigebracht hat. Bei einem kleinen, temperamentvollen Hund, der auf Eigenständigkeit gezüchtet wurde, ist bei diesem Unterfangen einiges an Geduld des Halters gefragt – aber es geht. Nur Geduld
kinderlieb“ ist keine Hunderasse von Geburt an. Wird der Hund in der Prägephase (3. bis 16. Woche) liebevoll an Kinder gewöhnt und macht positive Erfahrungen mit ihnen (Kinder sind unermüdliche Spielpartner…), wird er kinderlieb werden – andernfalls wird er ihnen misstrauen und aus dem Weg gehen. Testen Sie das unbedingt, wenn Sie einen bereits erwachsenen Ratero adoptieren möchten und Kinder haben!
„sauber“ – jedes Haustier ist so „sauber“ oder so verwahrlost, wie sein Besitzer es zulässt… Der Ratero reinigt weder sich selbst noch seinen Schlafplatz und auch für seine Impfungen und tierärztlichen Untersuchungen muss sein Halter sorgen, nicht der Hund…

Zum Weiterlesen
https://www.amazon.de/Ratero-Mallorquin-Ein-Mittelmeerhund-Deutschland/dp/3000542507

https://www.hundeo.com/hunderassen/ratero-mallorquin/

https://www.mallorcazeitung.es/umwelt/2017/02/10/ca-rater-mallorqui-pfiffikus-mit-54163226.html

 

Text & Fotos: Agnes de Villafranca (mit bürgerlichem Namen Birgit Chengab)
Bücher von Agnes de Villafranca

Ratero Mallorquin

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