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Hundeberufe

solveig thun im Portrait

„Manchmal muss man etwas einfach tun – und nicht darauf warten, dass Dinge von alleine passieren“, sagt Solveig Thun. Und so gab die 38 jährige aus Schleswig- Holstein ihren gut bezahlten Job auf und änderte ihr Leben. Hunden nachhaltig zu helfen und vielleicht noch irgendwann einmal davon leben zu können war ihr Traum und so startete vor 3 Monaten ihr Herzensprojekt Handmade for Dogs® – ein Onlineshop mit handgefertigtem Hundezubehör. Von jedem Verkauf über ihre Webseite gehen 10% der Netto-Einkaufssumme an ein Hundehilfsprojekt.

handmade for dogs logo

Bild & Quelle: Handmade for Dogs, via Solveig Thun

Der Clou: Welches das sein soll, wählt der Kunde am Ende seines Einkaufs selber aus. Zudem hat er die Möglichkeit, seine Spende individuell zu erhöhen.

Tierschutz ist grenzenlos

Die Idee dazu kam Solveig Thun, als sie selbst in Rumänien war um dort Hunden zu helfen. Zwei von ihnen durften nach diesem Aufenthalt mit nach Deutschland reisen und bei ihr einziehen. Handmade for Dogs® unterstützt sowohl deutsche, als auch ausländische Hilfsprojekte. „Tierschutz hört für mich nicht an der Grenze auf“, sagt sie, „denn wo Hunde leiden, muss geholfen werden – und das am besten vor Ort“. Derzeit können ihre Kunden vier verschiedene Tierschutzorganisationen mit Projekten in Griechenland, Ungarn, Rumänien und Deutschland unterstützen. Sobald ein Projekt finanziert ist und es an die Umsetzung geht, hat ein Neues die Möglichkeit teilzunehmen.

Transparenz ist unabdingbar!

„Ich möchte vor allem, dass die Kunden Vertrauen in mein Unternehmen haben“ sagt sie. „Das Wichtigste im Tierschutz ist, dass der Verbleib der Spendengelder transparent bleibt. Viele wollen helfen, aber die meisten sorgen sich, ob ihr Geld tatsächlich dort ankommt, wofür es bestimmt ist“. Bei Handmade for Dogs® werden die Projekte ausführlich auf der Startseite vorgestellt und auch der Spendenstand ist dort jederzeit einsehbar. Außerdem werden Spendenbescheinigungen online gestellt und über die Umsetzung der Projekte bis zum Schluss berichtet. Mit den Tierschutzorganisationen ist vertraglich geregelt, dass die gesammelten Gelder ausschließlich für das vorgestellte Projekt verwendet werden dürfen. Dazu werden Finanzierungspläne, Angebote und Quittungen der Tierschutzorganisationen eingesehen.

Künstlerisch wertvoll!

Die Produkte von Handmade for Dogs® werden mit viel Liebe zur Handarbeit und zu Hunden von ausgesuchten Künstlern und kleinen Manufakturen ausschließlich für den Shop hergestellt.

„Jeder von ihnen ist mit so viel Herzblut dabei. Das ist wirklich toll!“

„Wir überlegen zusammen, was Hundebesitzern gefallen könnte und was natürlich sinnvoll für Hunde ist. Farben, Muster und Materialien suchen wir gemeinsam aus und dann werden die schönen Dinge getestet- natürlich auch von mir und meinen Hunden. Die Hundedecken und Keramiknäpfe zum Beispiel sind bei uns im Dauereinsatz“, berichtet sie. „Und um an die Hundekekse zu kommen, hat meine Hündin Teddy neulich sogar ein ganzes Regal ausgeräumt.“

Zum Abschluss

Wir werden von Issn’ Rüde! nun regelmäßig Gründer und Gründerinnen im ach so geliebten Hundesektor vorstellen. In jedem Fall finden wir es großartig, dass das Thema Tierschutz bei diesen Projekten ernstgenommen wird. Denn davon profitieren auch wir als Gesellschaft.
In dem Sinne: ein gutes Gelingen!

Bild & Quelle: handmadefordogs.de

Mozart Joy Christian Leo Kailash Rubio James Annie

Für die meisten Leser mag es unvorstellbar sein mit 16 Hunden im Haus zu leben und darüber hinaus im eigenen Hundeheim weitere 50 zu betreuen.

Wir, das sind mein Mann Christian (53) und ich, Karin (56) haben seit 20 Jahren unser Leben dem Tierschutz verschrieben. Wie so alles im Leben, fing auch das ganz klein an.

Karin Magnum2

Karin & Magnum
Bild & Quelle: Karin Schramm

Das Bahnwärterhäuschen bildet den Kern

Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir acht eigene Tierschutzhunde – sieben Schäferhunde und einen Cocker- was ja schon weit über die Anzahl hinaus geht, die Otto Normalverbraucher gemeinhin als normal empfindet. Aber wir wollten mehr tun, wir wollten mehr helfen. Wir kamen in Kontakt mit zwei Tierschützerinnen, die immer wieder nicht wussten wohin mit den Hunden, die sie aus schlechter deutscher Haltung befreit hatten, denn oft waren es große Hunde und für die war es schwierig Pflegestellen zu finden. Da unsere Liebe besonders den großen Hunden gehört und wir in Rheinhessen ein altes Bahnwärtehaus mit 8000 m² Gelände unser eigen nennen, war schnell klar, dass wir auf einem Teil des Geländes Unterbringungsmöglichkeiten und Ausläufe für diese Hunde bauen würden. Tja so gings 1997 erst mal ganz harmlos im Kleinen los.

Grace Mozart Coco Leo Annie

Bild & Quelle: Karin Schramm

Wir hatten eine klare Vorstellung, was wir wollen

Eins war von vorneherein klar: Es würde keine Zwingerlandschaft und keine Einzelhaft für die Hunde geben. So entstand mit den Jahren Stück für Stück in kompletter Eigenarbeit unser Hundeheim, das heute 16 Gruppen mit im Schnitt 50 vornehmlich großen und sehr großen Hunden beherbergt. Jede Gruppe hat um die 250 m² Gelände mit Kletter- und Spielgerüst und eigenem Hundehaus. Einige kleinere Gehege gibt es für die Unterbringung von sehr scheuen Hunden, um überhaupt erst mal mit der Zeit an die Hunde heran zu kommen und eine Beziehung aufbauen zu können.

So gründeten wir unseren eigenen Tierschutz-Verein

Im Juni 2001 gründeten wir dann den Verein Tierschutz Wörrstadt-Hunde suchen ein Zuhause e.V. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir alle Unkosten privat bestritten, dass frass uns dann langsam die Haare vom Kopf.

Als gemeinnütziger Verein konnte ich das Futter beim Großhändler bestellen und wir konnten Spendenbescheinigungen ausstellen.

Ein ganz wichtiger Punkt war auch, dass wir das Hundeheim, die Helfer und die Hunde versichern konnten, denn wäre etwas passiert hätten wir mit unserem letzem Hemd gehaftet.

Um unseren Hunden besser helfen zu können machte Christian 2006 eine Trainerausbildung bei Animal Learn im Chiemgau und ich von 1997-1999 eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin. Im „vorherigen Leben“ war Christian studierter Innenarchitekt, hatte aber keine Lust in einem Möbelhaus zu versauern und hängte nach einer Weile seinen Halbtagsjob für die Hunde an den Nagel.

Christian Lore

Christian mit Lore
Bild & Quelle: Karin Schramm


Also war ich zuständig den Lebensunterhalt für uns und die Fellnasen herbei zu schaffen. Das tat ich 30 Jahre lang als Kriminalbeamtin bis ich 2009 aus gesundheitlichen Gründen ausgemustert wurde und endlich Vollzeit für unsere Hunde da sein konnte.

Mit uns im Haus lebt eine bunte Gruppe an Hunden, derzeit zehn Rüden und sechs Hündinnen zwischen sechs und 14 Jahren.

Alt, krank, behindert, total scheu und durch Misshandlung so verstört, dass sie keinerlei Aussicht auf eine Vermittlung haben. Das ist unsere Familie, die wir liebevoll die „Restpostenarmee“ nennen.

Wird ein Platz frei rutscht einer der Langzeitkandidaten aus dem Hundeheim nach, wenn er gut genug verträglich ist um in so einer großen Gruppe zu leben.

In unserem Haushalt würde jeder, der auf ein klinisch reines Heim Wert legt in kürzester Zeit dem Wahnsinn anheim fallen. 16 Hunde, die haaren, Türen, die auch im Winter meistens offen stehen und 16 Hunde, die bei Regenwetter rein- und rauslaufen und auf den vom Vorbesitzer verlegten weißen(!) Fliesen ihre Pfotenabdrücke hinter lassen. Überall große Badetücher und Bettlaken auf dem Boden, um den gröbsten Dreck aufzufangen… Zu zimperlich und etepitete sollte man da nicht sein, aber eigentlich hat man für so Banalitäten sowieso keine Zeit. Deswegen sind auch die Möbelstücke die wir im Gebrauch haben auf ein Minimum beschränkt, da sie nur Platz für ein weiteres Hundebett wegnehmen würden.

Abschied nehmen gehört (leider) dazu

Mit so vielen alten Hunden steht uns öfter ein trauriger Abschied ins Haus. 38 Hunde haben wir bereits bis zu ihrem Tod begleitet.

Aber das Wichtigste ist, dass sie alle vorher noch mal ein gutes und behütetes Leben erfahren haben. Die Länge der Zeit spielt dabei eigentlich keine Rolle, denn auch ein einziger guter Tag in einem miserablen Leben heißt, dass unser Schützling ein gutes Gefühl zum mit rüber nehmen hat und nicht ungeliebt und einsam den letzten Weg antreten muss und das ist das was zählt.

Hoover Bett1

Als Hoover zu uns kam war er ein Wrack und wir dachten wir machen ihm noch 3 schöne Wochen und das wirds dann gewesen sein. Daraus wurden unglaubliche wunderschöne dreieinhalb Jahre bis er mit 15 Jahren an Altersschwäche starb.
Bild & Quelle: Karin Schramm

Arbeitsromantik in allen Ehren…

Oft hören wir von Leuten, dass unser Leben für die Hunde auch ihr Wunschtraum wäre. Wirklich? So romantisch ist das alles allerdings nicht.

Es ist schwere Arbeit mit im Schnitt 16 Stunden Tagen an 365 Tagen im Jahr egal ob Wochenende oder Feiertag. Bei jedem Wetter, ob 20 Grad Minus oder 30 Grad Plus.

Urlaub ist ein Fremdwort, der letzte war 1996 und gemeinsam unternehmen können wir auch nichts mehr, denn einer muss immer im Hundeheim sein. Der Preis, den wir zahlen um so vielen Hunden zu einem neuen Leben verhelfen zu können ist hoch, aber unsere Hunde sind jede Mühe wert.

Finanzielle Zwänge allerortens

Bis auf unsere selbst ausgebildete Tierpflegerin arbeiten alle bei uns inclusive Christian und mir ehrenamtlich. Da wir unser Hundeheim ohne Zuschüsse aus eigener Kraft tragen und finanzieren, ist es unmöglich an die Einstellung weiterer Tierpfleger oder Hilfskräfte auch nur zu denken. So ist jeder von uns drei Vollzeitlern Mädchen für alles. Zum Glück stehen uns noch einige ehrenamtliche HelferInnen zur Seite, ohne die es kaum ginge.
Was uns immer wieder zermürbt ist nicht die Arbeit mit und für die Hunde. Sie belohnen uns täglich auf ihre ganz spezielle Weise mit ihrer Liebe und Zuneigung, ihren Späßen und Fortschritten.

Nein, es sind die Menschen mit ihrer Ignoranz, Brutalität, ihrem grenzenlosen Egoismus und ihrer Rücksichtslosigkeit.

Das kostet wirklich Nerven und über die Jahre haben wir uns zwangsläufig ein dickes Fell zugelegt. Das ist notwendig, hilft aber bei vielen Situationen die wir erleben auch nur noch bedingt.

Billie Haus 3

Bild & Quelle: Karin Schramm

Was wir da so alles erleben, das könnt ihr im nächsten Blog lesen.

Ein Gastbeitrag von Karin Schramm, vom Tierschutz Wörrstadt-Hunde suchen ein Zuhause e.V.

zwei Hunde spielen im Schnee

und was macht ein Hundeverhaltensberater?

Die Suche nach einem Hundeverhaltensberater

Die Suche nach dem richtigen Hundetrainer oder Hundeverhaltensberater ist wie die Suche nach dem richtigen Arzt. In der heutigen Zeit und der Vielfalt des Internets findet man zwar viel mehr Informationen und leichter Kontakte als früher, dafür aber auch Unmassen an unseriösen und unqualifizierten Personen, die sich unter die Schar mengen, und so den Ruf der guten, kompetenten und qualifizierten Personen schaden.

Am Besten ist es natürlich, man kennt jemanden, der jemanden kennt.

Mund zu Mund Propaganda ist immer noch die beste Weiterempfehlung.

Auf welche Qualifikationen zu achten sind

Kennt niemand in Ihrem Bekanntenkreis einen Hundeverhaltensberater, suchen Sie also blind im Internet.
Nehmen Sie sich genügend Zeit, Sie würden ja auch nicht zu dem erstbesten Psychiater fahren, nur weil er an erster Stelle in den Gelben Seiten stand. Lesen Sie die Webseiten der Personen genaustens durch, schauen Sie sich die Qualifikationen an.

Es reicht nicht als Qualifikation aus, wenn jemand schreibt: „Ich hatte schon immer Hunde und liebe Hunde über alles. Hunde sind mein Leben.“ Es ist ein guter Anfang, aber sagt absolut nichts über Kompetenzen und Hundeverständnis aus. Ich bin selbst mit Hunden gross geworden und hatte und habe auch immer Hunde um mich herum, und musste trotz allem im Studium feststellen, dass ich bestimmte Dinge komplett falsch eingeschätzt habe. Und dass alles rund um den Hund viel komplexer ist, als viele denken. Der Spruch „es ist doch nur ein Hund“, ist alles andere als richtig.

Auch Leute, die Bücher über Hunde gelesen haben, sind noch keine kompetenten Hundeverhaltenberater. Da muss schon ein seriöses, grundlegendes Studium der Tierspychologie vorhanden sein, Seminare von namhaften Experten über Hundeverhalten besucht worden sein, dann helfen Bücher und die eigenen Hunde natürlich als Ergänzung. Achten Sie auf Siegel von Berufsverbänden oder Qualitätssiegel von Verbindungen, die nach gewissen Methoden arbeiten.

Das Studium und die Seminarbesuche, Weiterbildungen sollten nicht zu veraltet sein, da die Erforschung des Hundes doch noch eine relativ neue Wissenschaft ist und es andauernd neue Erkenntnisse gibt, die für den Experten, sehr massgebend sind.
Sie haben die perfekte Person gefunden, sie ist Ihnen auch nach erster Kontaktaufnahme noch sympathisch dazu, dann kann es losgehen.

Beratung über Distanz – ein No Go

Lassen Sie sich auf keinen Fall auf Distanz beraten. Dass der Verhaltensberater Ihnen Fragen zum Hund und zum Problem und zur Familienumgebung stellt, ist völlig normal und wäre fahrlässig, wenn er es nicht täte. Jedoch kann dies niemals zu einer kompletten Einschätzung des Hundes und des Problemes führen und schon gar nicht Grundlage für einen Therapieplan sein.

Mit solchen Tipps und Ferndiagnosen können Sie am Tier mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Das gilt übrigens auch für Nachahmungen der TV-Hundeflüsterer. Fahrlässig und gefährlich.

Der erste Besuch – bei Dir daheim

Wie gesagt, nach erster Kontaktaufnahme, kommt die Terminvereinbarung. Der Verhaltensberater kommt zu Ihnen, und wenn nur möglich, sollten alle Familienmitglieder anwesend sein. Dies ist schon alleine wegen der verschiedenen Meinungen, Einschätzungen und Ansichten betreffend das Problem und den Hund sehr interessant. Warum bei Ihnen zuhause und nicht beim Verhaltensberater oder auf neutralem Boden?
Ganz einfach weil sich der Hund zuhause am wohlsten fühlt, und man ihn so am Besten beobachten kann, ohne ihm den Stress eines unbekannten Ortes aufzubürden und somit den Hund an sich in seinem Normalverhalten nicht einschätzen zu können.

Das erste Treffen kann gerne über eine Stunde dauern, ich lasse mir da immer genügend Zeit, es kommen beim Treffen und beim Beobachten des Hundes immer neue Fragen auf an die man am Telefon oder per E-Mail oder Facebook-Nachricht nicht gedacht hätte.

Der Therapieplan

Nach diesem ersten Treffen werden Sie nach Schwere und Ernsthaftigkeit des unerwünschten Verhaltens einen Therapieplan erhalten. Schriftlich mit allen Infos, welche Übungen wann, von wem und wie oft/wie lange auszuführen sind. Wie Sie sich in bestimmten Situationen dem Hund gegenüber verhalten sollen um das Verhalten umzulenken. Diese „Tipps“ werden dann von Ihnen ausgeführt und überwacht, Sie bleiben mit dem Verhaltensberater in Kontakt und berichten ob Sie Veränderungen bemerken, positive oder negative. Man muss berücksichtigen, dass nicht jeder Hund austauschbar ist in Charakter, Wesen und Temperament, und auch hier Übungen helfen können oder umgedacht werden muss.

Betreffend die Übungen, darf der Hundeverhaltensberater Ihnen gerne zeigen, wie man sie richtig ausführt, aber er wird niemals alleine mit Ihrem Hund trainieren oder ihn korrigieren.

Sie sind und bleiben die Bezugsperson, der Mensch, den der Hund kennt und dem er vertraut, zu Ihnen soll und muss der Hund eine Bindung aufbauen, da darf der Hundeverhaltensberater sich auf keinen Fall einmischen.

Ein Gastbeitrag von Tania Hoffmann. Mehr zu Tania gibt es u.a. bei www.pet-psy-cafe.lu sowie unter www.facebook.com/muppepsy

Bild & Quelle: Tania Hoffmann

tierpsychologie

Als Tierpsychologin beschäftige ich mich mit dem Lösen von Problemen im Zusammenleben zwischen Haustier und Mensch. Dazu analysiere ich nicht etwa nur die spezielle Situation, in der der jeweilige Halter ein Problem sieht, sondern ich betrachte die Beziehung, das Umfeld, den Alltag, die einzelnen Charaktere und deren Verhalten. Wichtig ist, nicht etwa die Symptome, sondern die Ursache des Problems zu ergründen, um eine Lösung zu finden. Dazu muss ich nicht nur das Verhalten des Tieres einschätzen, sondern auch das des Halters verstehen können. Meine Aufgabe ist es nach der Diagnosestellung bzw. Ursachenfindung, dem Halter das Verhalten seines Tieres und die Wechselwirkung zwischen seinem und dem Verhalten seines Tieres verständlich zu machen. Für die weiteren Trainings und besonders für die Zeit nach der tierpsychologischen Begleitung, ist das Verständnis des Halters für das Verhalten seines Tieres unumgänglich für einen langfristigen Erfolg. Anschließend erstelle ich angepasst an das jeweilige Gespann und deren Alltag einen individuellen Trainingsplan und begleite das Team in regelmäßigen gemeinsamen Trainings.

In den meisten Fällen, baue ich das Training in drei Stufen auf:

1. die Beziehungsebene:

Hierbei werden Probleme oder Unstimmigkeiten in der Halter-Tier-Beziehung gerade gerückt. Dazu beginnt der Halter nach Absprache zunächst einzelne Situationen im Alltag umzustrukturieren. Z.B. kein Futter und Spielzeug mehr zur freien Verfügung, der Hund geht nicht mehr alleine in den Garten, der Hundekorb bekommt einen strategisch ungünstigen Platz, Kontaktaufnahme und –ende stimmen, etc. Welche Bereiche das jeweils sind, hängt von der ganz individuellen Beziehungsstruktur ab. Die Arbeit an der Beziehungsebene bietet eine solide Grundmauer für das weitere Training.

2. der Grundgehorsam:

In vielen Fällen muss dieser zunächst verbessert werden, bevor man sinnvoll an den problematischen Situationen arbeiten kann.

3. die Alltagsprobleme:

Erst in der letzten Stufe arbeite ich an dem Problem, wegen dem der Halter mich gerufen hat. Das Training nur auf diese Stufe zu beschränken, würde keinen langfristigen Erfolg bringen und wäre nur ein „herumdoktern“ an dem Symptom, nicht aber an der Ursache. Oft ist es jedoch gar nicht mehr notwendig, auf dieser Stufe zu arbeiten, da sich die Probleme nach der ersten oder zweiten Stufe bereits auflösen.

Das Training findet im alltäglichen Umfeld von Mensch und Tier und nicht auf einem Trainingsgelände statt.

Wie wird man Tierpsychologe?

Die Ausbildung zum Tierpsychologen ist, ebenso wie die zum Hundetrainer oder Reitlehrer, nicht staatlich anerkannt. Das bedeutet leider, dass es keine vorgegebenen Ausbildungswege gibt und man somit sehr genau hinschauen muss, wo man sich ausbilden lässt. Auch die Kosten, trägt der Auszubildende selbst. Wichtig bei der Suche nach einem Ausbilder ist besonders, dass man keinen reinen Fernunterricht wählt, sondern auch in der Praxis ausgebildet wird. Außerdem sollte man Wert darauf legen, dass der Ausbilder eine Trainingsphilosophie hat, mit der man sich selbst identifizieren kann oder noch besser, seinen Schülern verschiedene Wege aufzeigt und sie in der Selbstfindung unterstützt.

tierpsychologe - auf der Wiese mit Hund

Bild & Quelle: Birte Drescher

Ständige Fortbildung ist ein Muss

Die Verhaltensforschung hat in den letzten Jahren große Sprünge gemacht, daher sollte jeder Tierpsychologe/-trainer sich stetig weiterbilden um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nicht nur unzählige Fachliteratur, sondern auch jede Menge Seminare gibt es dazu auf dem Markt.

Was man mitbringen muss

Mitbringen sollte man für die Ausbildung eine große Tierliebe, die Lust bei Wind und Wetter draußen zu sein, Geduld in der Arbeit mit Tier und Mensch, Spaß am Lehren und ebenso Spaß daran, mit Menschen zusammen zu arbeiten. Eine gute Menschenkenntnis ist deshalb so wichtig, weil ein Tierpsychologe den Tierhalter im Training mit seinem Tier unterstützt. Dazu muss man ebenso das Verhalten des Halters verstehen können und ihm das Verhalten seines Vierbeiners verständlich machen. Jedes Halter-Tier-Gespann bringt andere Voraussetzungen mit und somit sollte der Trainingsplan individuell ausgearbeitet werden.

Die Theorie

Neben dem Praxis-Unterricht beinhaltet die Ausbildung zum Tierpsychologen in etwa folgende Theorieteile:

  • Evolutionslehre
  • allgemeine und artspezifische Ethologie (Verhaltenskunde)
    • inkl. Verhaltensökologie
    • Verhaltensphysiologie
  • Lerntheorien – wie lernt ein Tier/Mensch
  • allgemeine und artspezifische Physiologie
  • Ausdrucksverhalten
  • Ätiologie (Individualentwicklung)
  • Grundbedürfnisse
    • artgerechte Haltung
    • Ernährung
  • medizinische Grundkenntnisse
    • Krankheiten
    • medizinische Ursachen für Verhaltensprobleme
    • Erste-Hilfe am Tier
  • Training und Problemverhalten
    • Erziehung
    • Therapie
    • Diagnosefindung
    • verschiedene Trainingsmethoden
    • Hilfsmittel
    • Sportarten, Beschäftigungsmöglichkeiten, Jobs für Tiere
  • Umgang mit Haltern
    • Kommunikation
    • Aufbau einer Trainingsstunde
    • Entwicklung einer eigenen Trainerpersönlichkeit
  • Organisatorisches
    • Aufbau einer Trainingsstunde
    • Erstellung eines Trainingsplans
    • Existenzgründung
    • Gesetze

    etc

    Ein Gastbeitrag von Birte Drescher, von www.animal-minds.de

    Alle Bilder & Quellen: Birte Drescher

    Hundeverhaltensberaterin

    Erstmal muss man sich mit dem Thema Verhalten und Hund auseinandersetzen. Kein Hund ist wie der andere, nicht mal wenn er derselben Rasse angehört und auch nicht wenn er derselben Rasse, demselben Wurf und demselben Geschlecht angehört. Das ist nicht anders als bei uns, jeder Mensch hat andere Charaktereigenschaften, auch bei Zwillingen, und verhält sich in gewissen Situationen anders.

    Ich bekomme tagtäglich zahlreiche Anfragen, und die Fragen gehen echt querbeet. In den meisten Fällen benötigen die Hunde aber glücklicherweise keine wirkliche Verhaltensberatung. Oft reicht es, dem Hundehalter die Denkweise des Hundes zu erklären und näherzubringen, um Missverständnisse zwischen Hund und Mensch auszuräumen.

    In welchem Fall sollten Sie denn nun bei einem Hundeverhaltensberater anklopfen?

    Ihr Hund benimmt sich nicht so, wie Sie sich das vorstellen?

    Das kann natürlich viele Gründe haben. Erstmal hängt hier vieles vom Hund, aber auch vom Menschen ab. Was verlangt der Mensch von seinem Hund? Jeder hat ja seine eigene Idee vom Hund und wie er sich zu benehmen oder zu verhalten hat. Dann muss man schauen, ob sich der Mensch seinen Hund nicht nur dem Aussehen nach ausgesucht hat, sondern auch auf rassetypische Merkmale aufgepasst hat. Hier lässt man sich dann das Verhalten, das vom Halter her, bemängelt wird, sehr detailliert erklären um herauszufinden ob wirklich ein Fehlverhalten seitens des Hundes vorhanden ist, oder es an der falschen Sichtweise oder dem Unverständnis, oft sogar der Unwissenheit des Menschen liegt.

    Ihr Hund ist nicht gerne alleine?

    Dies zählt definitiv zu einem unerwünschtem Verhalten. Nun muss man sich den Hund genauer ansehen und in der Situation betrachten, wie sehr gestresst er durch das Alleinsein ist. Trennungsängsten begegnet man oft, aber nicht nur, bei Tierheimhunden oder Tierschutzhunden. Diese Trennungsängste können vom Winseln und Bellen/Heulen bis zu Urin- und Kotabgaben und zerstörerischem Verhalten führen. Mit einem genauen, detaillierten Trainingsplan kann man Trennungsängste abbauen.

    Ihr Hund hört schlecht oder gar nicht auf Sie?

    Hier ist es natürlich empfehlenswert eine qualifizierte Hundeschule aufzusuchen. In der Hundeschule lernt der Hund mit seinem Menschen zu arbeiten und er lernt mit anderen Hunden. Sollte der Hund generell Probleme mit Artgenossen haben, kann man dann natürlich vom Hundeverhaltensberater einen individuell angepassten Trainingsplan erstellen lassen, um die Bindung zwischen dem Halter und seinem Hund zu stärken und zu fördern. Und später kann man dann vielleicht noch am Probleme mit dem Sozialverhalten mit Artgenossen arbeiten.

    Ihr Hund zieht an der Leine?

    Auch hier gilt primär erstmal die Hundeschule, aber auch hier gibt es einige Tricks, die der Hundehalter relativ schnell und ohne Hilfe des Hundeverhaltenberaters umsetzen kann. Dies ist auch nicht unbedingt ein „Therapiefall“.

    Ihr Hund zerstört Ihre Möbel, Kissen…, wenn Sie nicht da sind?

    Dieses Thema versetzt die Hundehalter immer extrem in Rage, weil es hier meist auch noch teuer wird, und man ständig Möbel ersetzen muss. Auch hier kann ein Hundeverhaltensberater helfen, aber hier handelt es sich immer noch um unerwünschtes Verhalten meist in Zusammenhang mit Trennungsängsten und/oder Langeweile und nicht wirklich um eine Verhaltensstörung.

    Ihr Hund verträgt sich nicht mit anderen Hunden, fremden oder eigenen?

    Sie waren schon in der Hundeschule, oder sie möchten mit anderen Hundehaltern aus dem Dorf spazieren gehen, aber esfunktioniert nicht. Ist es wirklich Ihr Hund, der sich nicht verträgt? Zeigt er eher ängstlich-offensives Verhalten oder ist er derjenige, der die anderen Hunde angeht? Das muss man anhand von Videos oder in der Situation sehen und analysieren. Danach kann der Hundeverhaltensberater einen angepassten Trainingsplan erstellen.
    Dies gilt auch im Falle von aggressivem Verhalten gegenüber Kindern und/oder fremden Menschen oder sogar Ihnen, Ihrer Familie, Ihren Kindern gegenübern. Dies kann situationsbedingt sein, wenn er zum Beispiel sein Spielzeug oder sein Essen verteidigt. Aber auch hier, sieht sich der Hundeverhaltensberater die Situation an, analysiert diese und erstellt einen Trainingsplan. Vorausgesetzt natürlich, dass kein Fehlverhalten des Menschen das Verhalten des Hundes provoziert.

    Ihr Hund ist ängstlich?

    Ängstlich ist wiederum ein weiter Begriff. Es gibt Hunde, die sind sehr ängstlich gegenüber Geräuschen, wie Feuerwerk, Gewitter, oder auch draussen, Autos, LKWs, aber auch gegenüber Fremden, Fremden mit Gehstöcken, Fremden mit Hut oder Regenschirm… auch hier kann ein Hundeverhaltensberater helfen.

    Ist Ihr Hund nicht (richtig) stubenrein ?

    Stubenreinheit ist natürlich ein ganz wichtiges Thema, und auch eines, das viele Hundehalter zur Verzweiflung bringt. Hat Ihr Hund dies nie gelernt, vielleicht hat er es verlernt, vielleicht hat das Verhalten organische, medizinische Gründe, … auch hier muss von Fall zu Fall analysiert und hinterfragt werden um allen Beteiligten helfen zu können.

    Sie müssen immer bedenken, dass es nicht das 08/15 Problemverhalten gibt, da jeder Hund und jede Familie, jede Situation anders ist, muss man auch jeden Fall so behandeln und nicht mit generellen Ratschlägen die Leute ruhigstellen.

    Deshalb sind Ferndiagnosen und Forendiskussionen im Internet so gefährlich. Hier wird diskutiert und es werden unqualifizierte Ratschläge gegeben, die Ihrem Hund helfen mögen, aber auch genauso gut schaden können, da Ihr Hund eben nicht der Hund von nebenan ist.

    Ihr Arzt wird Ihnen auch keine Ferndiagnose stellen, dies ist unseriös und kann mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Deshalb klären Sie erstmal mit Ihrem Tierarzt etwaige körperliche oder organische Probleme ab, da Schmerzen ebenfalls zu Verhaltensveränderungen führen können. Ist er körperlich gesund, nehmen Sie sich die Zeit für Ihren Hund und für sich, für Ihre Familie, vereinbaren Sie ein erstes Treffen mit einem Hundeverhaltensberater, das in meinem Fall immer 1 Stunde überdauert, und befolgen Sie danach die Tipps. Ohne Ihre konsequente Mithilfe wird sich beim Hund nichts ändern.

    Ihre Tania Hoffmann

    Mehr Infos zu Tania Hoffmann gibt es auch unter:
    www.pet-psy-cafe.lu
    www.facebook.com/muppepsy

    Bild & Quelle: Tania Hoffmann

    Hundeverhaltensberater

    Aufgewachsen bin ich mit einem belgischen Schäferhund namens Danny, ein treues und ruhiges Tier. Er war einfach immer nur lieb und da. Damals, also Ende 70er, Anfang 80er Jahre wurden Hunde noch anders betrachtet und gehalten als heute. Damals hatte man einen Hund zum Haus bewachen, zum Spazieren gehen, zum Jagen, meistens war immer ein Familienmitglied zuhause. Aber vor allem hatte der Durchschnittshundehalter meist auch ein Haus mit Garten.

    Heute ist der Hund zum Alltagsbegleiter geworden. In allen Grössen und Fellfarben, und er musste sich im Zeitwandel unserem Lebensstil anpassen. Dies bringt nicht nur Positives mit sich.

    Im Tierschutz lernt man alles kennen

    Ich muss sagen, dass ich persönlich immer nur Tierschutzhunde hatte und habe, vor allem Hunde, die keiner wollte. Unterschiedlicher hätten diese Hunde nicht sein können. Von Unterschieden in Grösse, Farbe und Rassen gar nicht zu sprechen, hatten sie vor allem eigene Charaktere. Wenn man dann noch ihre unschöne Vergangenheit dazu zählt, kann man sich vorstellen, auf welche Baustellen man treffen mag.

    Neben der praktischen Ausbildung kommt auch das theoretische Fundament

    Jahrelang habe ich beim Aufbauen dieser Hunde auf mein Bauchgefühl gehört, und diese Hunde auch alle super rehabilitiert. Dann kam mir die Idee mich tiefer und sachkundiger mit dem Thema zu befassen und begann ein Fernstudium an der ATN in der Schweiz, danach folgten Fernweiterbildungen in Australien, zahlreiche Seminare in Deutschland, meine Hundebuchbibliothek wächst stetig. Diese Ausbildung, dieses Interessengebiet und diese Wissenschaft über den Hund ist noch sehr jung und es ergeben sich dauernd neue Erkenntnisse aus wissenschaftlicher Sicht. Man muss immer dran bleiben und ich denke als Grundvoraussetzung zum Hundeverhaltensberater ist ein ausgeprägter Beobachtungssinn sehr wichtig. Nicht nur für die Hundebeobachtung, sondern auch für die Menschenkenntnis.

    Momentan habe ich zwei kleine Spaniermischlinge aus dem Auslandstierschutz. Beide haben ebenfalls ihre Macken mitgebracht. Man lernt und wächst halt auch immer am eigenen Hund. :)

    Ihre Tania Hoffmann

    Mehr Infos zu Tania Hoffmann gibts auch hier:

  • www.pet-psy-cafe.lu
  • www.facebook.com/muppepsy
  • Bild & Quelle: Tania Hoffmann

    Hund spielt mit Haaren

    … die mir in meinem Alltag als Hundefotografin begegnen.

    Als Tierfotografin arbeite ich tagtäglich mit den verschiedensten Hunden zusammen. Bei einem Shooting, das oftmals eine Stunde oder länger dauert, lerne ich die Tiere und ihre Besitzer meist ziemlich genau kennen und kann mir ein Bild über sie und den Umgang miteinander machen. Dabei ist mir vor einiger Zeit aufgefallen, dass sich ein Großteil dieser Kunden verschiedenen Stereotypen zuordnen lässt, über die ich oft genug schmunzeln muss.

    Typ 1 – „Der macht das sonst nie!“

    In den Vorgesprächen zu meinen Fotoshootings hake ich oft nach, ob die zu fotografierenden Hunde gut im Gehorsam stehen und wie es mit „sitz“, „platz“ und vor allem „bleib“ aussieht. Einige Halter versichern mir dann, das dürfte kein Problem sein und verzichten auch auf eine weitere helfende Person beim Shooting – das bekommt man schon hin! Wer etwas vorrausschauend liest, der ahnt es allerdings schon:

    Beim Shooting selbst sind Bello, Hasso oder Sky dann eher damit beschäftigt, die gesamte Umgebung zu scannen, ein paar Hasen zu jagen, diverse Mäuse auszubuddeln und mit einer wahnsinnigen Sorgfalt JEDEN EINZELNEN Grashalm zu markieren, der ihren Weg kreuzt.

    Manchmal unterliegt auch mein Rucksack, mein Auto oder meine Decke diesem plötzlichen Pinkelwahn. Haben sie alle diese Aufgaben erledigt, haben Herrchen oder Frauchen für einen kurzen Moment die Gelegenheit ihren Hund durch permanentes Wedeln mit Fleisch- oder Leberwurst heranzurufen und erst einmal festzuhalten – soweit, sogut. In der bisher vergangenen Zeit hatte ich bereits Zeit meine Kamera zusammenzubauen und mit diversen Speicherkarten zu bestücken, mir ein paar schöne Locations und vor allem Tricks auszudenken, mit denen wir den abtrünnigen Vierbeiner gleich bewegen können, einigermaßen stillzusitzen Der Grund, warum der geliebte Hund nicht so funktioniert wie sonst ist natürlich klar: „Der macht das sonst nie! Der ist nur so aufgeregt wegen der neuen Umgebung.. und Hunger scheint er auch nicht zu haben heute Vielleicht hätte ich doch sein Lieblingsbällchen mitnehmen sollen..“. Trotzdem gelingen – mit viel Geduld – auch bei solchen Fotoshootings tolle Bilder, denn die Fotos eines solchen Shootings halten meist den einzigartigen, frechen Dickkopf des Models perfekt fest und machen ihn so unheimlich charmant.

    Typ 2 – „Der kann nichts, der macht nicht, der ist eigentlich nur süß.“

    Hund und Tierfotografin

    Bild & Quelle: Laura Herale


    Typ 2 ist Typ 1 eigentlich sehr ähnlich: Er schaltet seine Ohren auf Durchzug, macht sein eigenes Ding, ist hibbelig und kann eigentlich nie stillhalten. Der Unterschied: Sein Herrchen steht dazu! Ihm ist völlig klar, dass sein Hund eine Gehorsamkeitsniete ist und es nicht einfach sein wird, ihn zu Fotografieren. Aber er weiß, dass sein Hund einen knallharten Vorteil gegenüber -natürlich – allen anderen Hunden hat: Er ist super niedlich! Und das sieht man hinterher auch auf den Fotos, ähnlich wie bei Typ 1. Der Vorteil: Als Fotografin kann ich mich auf den nicht gerade einfachen Hund gut vorbereiten und mir etwas mehr Zeit nehmen. So hat das Shooting auch ein tolles Ergebnis – ist aber für alle beteiligten sehr viel stressfreier! Und die Halter kommen selten in die bekannten Erklärungsnöte.

    Typ 3 – Das Supermodel

    Am liebsten ist mir natürlich diese Art von Kundenhunden: Sie wissen genau, wie hübsch sie sind. Sie setzten sich bewusst in Szene – und zwar wirklich: Kaum klickt die Kamera, stehen die Ohren vorne und die Nase noch höher. Tolle Fotos sind hier natürlich kein Problem.

    Ein Problem können dabei aber die Halter sein: Denn sie wissen auch, wie hübsch ihre Hunde sind und haben große Ansprüche an die Fotos.

    Keine Falte darf falsch sitzen, kein Ohr im falschen Winkel abstehen, kein Körperteil unmuskulös aussehen. Die Hunde funktionieren dafür meist wirklich gut und sorgen auch bei mir für Begeisterungsstürme, wenn ich die Fotos später am PC sichte. Besonders witzig hingegen wird es, wenn genau diese Hunde, die sonst so perfekt hören, auf einmal – sei es wegen der unbekannten Person die am Boden liegt und seltsame Geräusche macht oder daran, dass Herrchen und Frauchen heute besonders nervös sind und unbedingt wollen, das alles klappt – zu Typ 1 meiner Kundenhunde mutieren und überhaupt nicht mehr so perfekt hören wie anfangs gedacht. Dann werden ihr Halter mit einem Mal so unheimlich nervös und kommen so sehr in Erklärungsnot, dass ich anfangen muss, sie zu beruhigen und mich mehr um Zwei- als um Vierbeiner zu kümmern. Denn die Bilder – da können sie sich sicher sein – werden trotzdem toll!

    Typ 4 – Die Welpenspielstunde

    süßer Welpe

    Bild & Quelle: Laura Herale


    Noch lieber aber – und jeder Kunde mit einem erwachsenen Hund möge es mir nachsehen – sind mir Shootings mit Welpen oder, besser noch, mit ganzen Würfen. Die kleinen, ungelenken Miniaturausgaben einer bestimmten Rasse bringen mein Herz jedes Mal wieder zum Schmelzen und quitschen. Und das meine ich auch so: Sobald ich den Welpenauslauf betrete, entwischen mir immer wieder Ausrufe wie: „Oooooouhhhh Gottogott sind die niiiiiiiiiiedlich!“. Eine Tatsache, die sich wohl nie ändern wird, egal wie viele Welpen ich noch vor der Kamera haben werde. Wer aber denkt, dass ein paar Welpen knuddeln und ab und zu auf den Auslöser zu drücken ein toller und noch dazu einfacher Job ist, der irrt sich. Denn Welpen sind immer (und wenn ich immer meine dann meine ich es auch so, ganz unabhängig von welcher Rasse und welchem Alter) fest davon überzeugt dass du dich heute noch nicht gewaschen hast – oder zumindest noch nicht gründlich genug. Deswegen beginnen sie sobald ich als Fotografin auf dem Boden liege damit, mich mit ihren winzigen Zungen zu waschen. Und nicht nur das: Sie beißen dir ins Ohr und in die Haare, sind der Meinung, mit offenen Haaren siehst du heute viel besser aus und deine neue Outdoorjacke ist gar nicht so schön wie alle sagen – da sollte man erstmal sämtliche Reißverschlüsse abkauen!

    Schuhe mit Schnürsenkeln trage ich schon lange nicht mehr zu Welpenshootings, nachdem ich meine bereits 3 Mal erneuern musste.

    Den Zopf verstecke ich außerdem immer in meinem Pullover und meinen Kamerarucksack platziere ich an welpensicheren Stellen. Schmuck ist auch absolut tabu, nachdem einmal ein kleiner Labrador meinen Perlenohrring verschluckte – und nein, nachdem er einmal durch den ganzen Hund gewandert war, wollte ich ihn nicht wiederhaben.
    Und obwohl alle diese Hunde sich gleichen und doch grundverschiedene Charaktere sind, haben sie eins gemeinsam: Jedes Shooting macht Spaß, ganz egal welchen Typ Hund ich vor der Kamera habe.

    Ich habe diese Worte mit einem großen Stück Ironie verfasst und hoffe, niemand fühlt sich auf den Schlips getreten. Ich will an dieser Stelle niemanden persönlich angreifen sondern Euch nur unterhalten.

    Ein Gastbeitrag von Laura Herale, von www.lovely-moments-tierfotografie.de .

    Alle Bilder & Quellen: Laura Herale

    Ich weiß, was du mir sagen willst

    Vom artgerechten Umgang in der tiergestützten Therapie

    Der Einsatz von Hunden kann die therapeutische Arbeit erleichtern, im Schulunterricht zu mehr Ruhe und Konzentration beitragen und Senioren mehr Lebensfreude, Mobilität und geistige Beweglichkeit schenken. Das ist bekannt, nicht nur unter Tierfreunden. Immer mehr Hunde werden für tiergestützte Therapie eingesetzt. Doch artgerechter Umgang ist dabei oft nachrangig. Wie müssen Ausbildung und Arbeit gestaltet sein, damit sie auch den Bedürfnissen des Tieres gerecht werden?

    Das große Risiko aus Perspektive des Tierschutzes ist: Wenn der Hund als reines Instrument der therapeutischen Arbeit dient, spielt artgerechter Umgang keine Rolle. Also wird der Hund überfordert oder gestresst, werden seine Äußerungen missachtet und seine Gesundheit gefährdet – dabei muss nicht mal böse Absicht im Spiel sein.

    Das beginnt bei der Ausbildung. Ob der Tierschutz geachtet wird, stellt der aufmerksame Interessent bald fest. Ein zuverlässiges Signal ist, ob man zu Beginn der Ausbildung befragt wird: Warum will ich die Ausbildung machen und wie stelle ich mir die künftige Arbeit mit meinem Hund vor, wie schätze ich meinen Hund ein und vor allem: warum glaube ich, dass diese Arbeit das Richtige für mich und meinen Hund ist. All diese Fragen sind berechtigt und wichtig – denn nicht Jedem tut diese Arbeit gut.

    Frage eins: Bin ich geeignet?

    Der Interessent sollte sich darüber klar sein, ob er anderen mit seiner Arbeit helfen kann, ohne die Bedürfnisse seines Hundes aus den Augen zu verlieren. Nicht artgerecht ist eine Ausbildung, wenn sie lehrt, dass jeder Hund alles erdulden muss und in jedem Bereich der tiergestützten Therapie eingesetzt werden kann. Denn jedes Team aus Hund und Mensch ist einzigartig. Und so sollte im Laufe der Ausbildung von Mensch und Hund herausgearbeitet werden, wo die Stärken liegen.

    Frage zwei: Ist mein Hund geeignet?

    Die meisten Hunde sind geeignet.
    Selbstverständlich muss man Beißunfälle ausschließen können, den Hund jederzeit abrufen können und unter Kontrolle haben. Das ist die erste Bedingung.
    Zweitens spielt die Persönlichkeit des Hundes eine große Rolle bei der Frage, in welcher therapeutischen Arbeit er positiv wirken kann. Erfahrene Trainer erkennen, welcher Typ Hund vor ihnen steht und wie stark er durch seinen Halter beeinflusst ist. Hunde spüren genau, wie es dem Menschen geht und welche Gefühle er hat. Diese Fähigkeit macht ihn ja so wertvoll für die Arbeit mit anderen Menschen.
    Auch Hunde haben Vorlieben: Der eine fühlt sich zu Kindern hingezogen, der andere zu älteren Menschen. Und das ist gut so. Das sollte man berücksichtigen, wenn man allen Beteiligten gerecht werden will und das positive Potential der tiergestützten Therapie voll ausschöpfen möchte.

    Frage drei: Welche Ausbildung ist für mich geeignet?

    Die dringende Empfehlung für alle Interesse an tiergestützter Therapie: Die Ausbildung sollte sorgfältig gewählt werden.
    Eine gute Ausbildung für Mensch und Hund setzt qualifizierte Dozenten voraus, mindestens aus den Bereichen Psychologie, Medizin und Verhaltensbiologie des Hundes. Ein Blick auf den Fach- und Erfahrungshintergrund des Ausbilder-Teams zeigt: Habe ich es mit kompetenten und einschlägig erfahrenen Lehrern aus den erforderlichen Disziplinen zu tun?

    Checkliste – So erkenne ich eine geeignete Ausbildung für tiergestützte Therapie

  • Es unterrichten mehrere qualifizierte Dozenten, mit Kenntnissen in Psychologie, Medizin und Verhaltensbiologie des Hundes
  • Die Ausbildung umfasst mindestens auch: Kynologie, Verhaltensbiologie des Hundes, Stress bei Hunden, Hund-Mensch-Kommunikation
  • Der Umgang mit Menschen in den relevanten Lebenssituationen wird thematisiert, z.B. Lernschwierigkeiten und Konzentration, psychische Störungen und Einschränkungen, Krankheit und Traumatisierung, Alterserkrankungen und Demenz
  • Es wird auf artgerechten Umgang und Tierschutz geachtet
  • Die Helfer-Ethik der Ausbildungsteilnehmer wird thematisiert, z.B. Abgrenzung und Burnout-Prävention, Angebot einer Supervision
  • Eine Vorbereitung auf die spätere praktische Arbeit findet in Theorie und Praxis statt, z.B. gibt es ausreichende Möglichkeiten zu begleiteten Praktika
  • Zum Abschluss legen die Teilnehmer vor einem externen Prüfer einen Test in Theorie und Praxis ab
  • Die Teams stellen sich auch nach Ausbildungsende regelmäßig wieder vor und belegen ihre Einsatzfähigkeit (mindestens alle eineinhalb Jahre)
  • Vom Sinn artgerechter Arbeit

    Spätestens im Praxis-Einsatz zeigt sich, dass artgerechte Ausbildung auch aus therapeutischer Sicht eine Erfolgs-Voraussetzung ist. Manche Ausbildungen vertreten den Standpunkt, dass die Hunde im therapeutischen Einsatz alles erdulden müssen und trimmen sie auf absoluten Gehorsam. Das ist kontraproduktiv.
    Im Umgang mit dem Klienten ist nicht Kadavergehorsam gewünscht, sondern intelligenter Ungehorsam: Der Hund muss in der Lage sein, selbständig Kontakt zum Klienten aufzunehmen. Er soll auch mal betteln oder schmeicheln, um Spielen, Futter oder Streicheleinheiten werben. Nur wenn er das kann, wird eine Interaktion zwischen Hund und Klienten entstehen – und das ist die Voraussetzung für das therapeutisch wirkende Erfolgserlebnis.
    Ein Hund, der absolut auf Gehorsam getrimmt ist, wird sich nur am Halter orientieren. Er wird sichergehen wollen, dass er alles recht macht. Der Hund wird unselbständig und die Kontaktaufnahme zu Fremden fällt ihm schwer. Eine freie Interaktion mit dem Klienten kann dann kaum zustande kommen.

    Der Alltag des Therapiehunde-Teams

    Kein Hund ist unbegrenzt einsetzbar. Damit er nicht übermäßig belastet wird, sollte man seinen Hund genau kennen und sehen, wann er Pausen braucht, welche Situationen ihm Stress bereiten und wann man ihn aus der Arbeit nehmen sollte. Idealerweise hat der Hundehalter gelernt, die Signale rechtzeitig wahrzunehmen, damit er den Hund und den Klienten nicht überfordert.
    Leider sieht der Alltag häufig anders aus: Viele Hunde werden an ihre Belastungsgrenze getrieben, da ihre Halter unzureichend oder gar nicht ausgebildet sind. Sie fehlinterpretieren Stressverhalten und nehmen ihre Hunde weiter in Altenheime und Schulen mit, obwohl sie dazu nicht mehr in der Lage sind – oder es möglicherweise nie waren.
    Kein lukrativer Nebenverdienst
    Als lukrativer Nebenverdienst ist die tiergestützte Arbeit mit Hund daher nicht wirklich geeignet. Wer mit seinem Hund sein Einkommen aufbessern will, sei gewarnt: Ein Hund kann nicht jeden Tag und nicht über mehrere Stunden eingesetzt werden.

    Das Wunjo-Projekt

    Seit 2009 gibt es im oberbayerischen Bad Tölz ein Ausbildungszentrum für tiergestützte Therapie und seit 2013 auch in München Grünwald.
    Die zehnmonatige Kompakt-Ausbildung vermittelt alle Kenntnisse und Fertigkeiten zur Arbeit in der tiergestützten Therapie und legt besonderen Wert auf artgerechten Umgang.

    Der praktische Teil der Ausbildung findet in verschiedenen sozialen Einrichtungen statt. Eng zusammengearbeitet wird seit Jahren mit dem Pater Rupert Mayer-Heim, welches als eine der ersten Senioreneinrichtungen im deutschsprachigen Raum über ein angeschlossenes Ausbildungszentrum für Tiergestützte Therapie verfügt. Das zehnköpfige Ausbilderteam unter Leitung von Stephanie Lang von Langen bereitet derzeit auch eine Ausbildung in Blockseminaren vor.

    Vom Wunjo-Projekt ausgebildete Teams arbeiten derzeit in Schulen, Seniorenwohnheimen, sozialtherapeutischen Wohnheimen, einem Mehrgenerationen-Haus, einer Rehaklinik sowie mehreren psychotherapeutischen Praxen in Oberbayern.
    Die Ausbildung-Inhalte des Wunjo-Projekts umfassen: Möglichkeiten & Grenzen tiergestützter Therapie, Einführung in die Kynologie, Sozialverhalten & Kommunikation des Hundes, Lernen & Stress, Körpersprache, Hygienebestimmungen und gesetzliche Grundlagen, Grundkenntnisse der Tierheilkunde, Planung & Durchführung von Einsätzen – z.B. als ‘Schulhundeteam’, Helfer-Ethik, Einführung in die Psychologie, psychische Erkrankungen, Kontaktaufnahme, Umgang mit Aggression, Praxis-Einsätze in karitativen oder sozialen Einrichtungen, Gruppentraining, individuelles Einzeltraining, Erste-Hilfe-Schulung Hund, individuelles Coaching und regelmäßige Supervision.
    Mehr Informationen unter: www.das-wunjo-projekt.de

    Natürlich geht ein Labradore in der Regel gern in die Schulklasse und man wird ihm ansehen, dass er all die Kinder liebt, dass er Spaß mit ihnen hat: Der Kontakt zu den vielen Kindern ist auch für dieses Tier anstrengend und es muss viele Eindrücke verarbeiten. Auch ein Hund, der viel Kontakt mit fremden Menschen gewöhnt ist, kann nicht unbegrenzt eingesetzt werden – auch wenn er stets freundlich ist. Hunde nehmen Stimmungen wahr, auch bei Fremden. Das kann sie belasten. Sie müssen Gelegenheit bekommen, das Erlebte zu verarbeiten. Hunde brauchen Ausgleich in Form von Spielen, Laufen oder Ruhe. Dabei werden die angesammelten Stresshormone abgebaut.
    Die Folgen von Stress – auch beim Therapiehund
    Wenn der Hund zu lange zu viele Stresshormone im Körper behält, beeinträchtigt das sein Verhalten – zum Beispiel gegenüber anderen Hunden oder Menschen, auch im Alltag. Sie werden schreckhaft, nervös, unsicher, verlieren ihr Lernvermögen. Hier ist der Hundehalter gefragt, für Ausgleich und Ruhe zu sorgen.
    Dauerhafte Stressbelastung hat schwerwiegende Folgen, zum Beispiel Angst-Beißen, übermäßiges Bellen oder Ruhelosigkeit.

    Die positiven Effekte der Arbeit

    Mit einer gut gemachten Ausbildung kann diese Arbeit für Hund und Mensch eine wunderbare Erfahrung sein: Viele Teilnehmer berichten, dass sie ihre Hund besser kennen gelernt haben durch die regelmäßige Beschäftigung miteinander und dass ihr Hund interessierter ist und folgsamer, dass sie zu einem echten Team zusammengewachsen sind:

  • Der Hund bekommt eine sinnvolle Beschäftigung, die ihn auslastet und ihm Spaß macht. Das Selbstbewusstsein nicht nur des Hundes wächst.
  • Die Zusammenarbeit stärkt die Beziehung von Hund und Mensch. Man erlebt, wie die Gefühle und das Verhalten des Menschen den Hund beeinflussen, wie der Hund als Resonanzgeber wirkt für Stimmungen.
  • Die Arbeit fordert und fördert Charakter und Persönlichkeit von Hund und Mensch. Ein Beispiel: Um anderen Menschen helfen zu können, muss man zunächst lesen können, was der Hund spürt. Man übt Feedback und Empathie.
  • Der Mensch lernt einen verantwortungsvollen Umgang mit seinem Tier, ist Vorbild auch in der Öffentlichkeit, bekommt positive Rückmeldung.
  • Literaturtipps

  • Prof. Dr. Udo Gansloßer und Petra Krivy: Verhaltensbiologie für Hundehalter – Das Praxisbuch, Kosmos Verlag (August 2011)
  • Monika A. Vernooij und Silke Schneider: Handbuch der Tiergestützten Intervention – Grundlagen, Konzepte, Praxisfelder, Verlag Quelle und Meyer (Februar 2010)
  • Dr. Carola Otterstedt: Mensch und Tier im Dialog – Kommunikation und artgerechter Umgang mit Haus- und Nutztieren. Methoden der tiergestützten Arbeit und Therapie, Kosmos Verlag (Oktober 2007)
  • Ein Gastbeitrag von Stephanie Lang von Langen
    Mehr Informationen unter: www.langvonlangen.com, www.das-wunjo-projekt.de

    Bild & Quelle: Stephanie Lang von Langen