Wer war eigentlich auf den Hund gekommen?

Wer war eigentlich auf den Hund gekommen?

Nikolaus ist schuld. Schon bei der Abfahrt zu seiner Geburtstagsparty neulich stand unser Jüngster, Jonny, wieder so tapfer und traurig in der Haustür „Ich winke euch nur noch und dann mache ich die Tür zu, wirklich!“, dass ich, nicht zum ersten Mal, zu Christian sagte: „Siehst du, das ist wieder so ein Moment, in dem ich denke, hätten wir doch einen Hund. Dann würde der jetzt neben ihm in der Tür stehen; er hätte einfach ‚seinen‘ Freund und der würde ihm zur Seite stehen.“. „Aber Charlotte und besonders Levin passen doch super auf ihn auf!“ Ja, klar, Christian hatte ja recht, aber das hatte er auch irgendwie dauernd und mein Bauchgefühl, oder war es mein Herz, sagte mir einfach, dass etwas anders war. Was, das wurde mir erst im Laufe des dann folgenden Abends allmählich klar.

Fahren, oder nicht fahren

Levin brachte Jonny in der Tat immer souverän und liebevoll und mit Humor ins Bett. Nur, in letzter Zeit, nahm sich Jonny manchmal, ohne dass Levin es merkte, das Telefon und rief mich auf dem Handy an, wenn wir abends mal ausgingen und wollte, dass ich zu ihm nach Hause komme. Sofort. Es kostet mich oft mehrere Telefonate, Engelsgeduld und liebevolle Strenge, um ihn zu überzeugen, dass er es schaffen wird, ohne mich einzuschlafen. Wenn ich es schaffe, dass ich nicht nach Hause fahren muss und er einschläft, brauche ich darauf meistens erst mal einen Drink, weil es mich in meinem Herzen immer fast zerreist. Manchmal wäre Nachhausefahren einfacher. Ich bin stolz auf ihn, wenn er es geschafft hat. Levin tut mir dann leid, weil er alles versucht hat und er macht seine Sache immer gut, das weiß ich einfach.

Ich zähle mich absolut nicht zu den Menschen, die abergläubisch sind, die bei einer schwarzen Katze von links nach rechts gleich eine Pechsträhne befürchten oder die bei einem zerbrochenen Weinglas gleich an das Glück von morgen denken.
Nein, aber es ist was dran, dass ich an so etwas wie – nennen wir es mal – Schicksal, glaube. Das muss nicht immer positiv oder negativ besetzt sein. Eher so eine Art unscheinbares Band zwischen einer Sache oder einer Begegnung und mir.

Alle reden über Hunde

Auf Nikolaus Party jedenfalls hatte ich gefühlte vier bis fünf Gespräche über Hunde an diesem Abend. Eine meiner besten Freundinnen sollte fünf Tage später ihren ersten Hund, einen kleinen Münsterländer, beim Züchter abholen, irgendwo im tiefsten Nordrhein-Westfalen, da wo man solche Rassen eben original ersteht.
Unsere ehemaligen Nachbarn sprachen uns an, wann wir denn endlich mal einen Hund bekämen. Eine andere Nachbarin meinte „Toll, dann könnten wir doch alle gemeinsam morgens durch den Grunewald gehen!“. Von der wusste ich nicht mal, dass sie einen Hund hat. Das meine ich mit ‚Schicksal‘.

An dem Abend war es mir schon ganz nah, aber mit voller Wucht kam es am Tag darauf.

Eine Radtour durch den Grunewald, die alles veränderte

Mit unseren drei Kindern, von denen das älteste 14 Jahre alt ist, pubertiert und mental eigentlich schon seinen baldigen Auszug plant, machten wir eine kleine Radtour durch … den Grunewald. Naja, der liegt nun mal vor unserer Haustür sozusagen. Ehrlich gesagt, ich bekam schon nach der ersten Viertelstunde miese Laune, weil sich zwei ältere Damen mit irgendwelchen Pinschern,-von Rassen hatten ich zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, darüber aufregten, dass wir mit Rädern, wohlgemerkt in Zeitlupe durch eben diesen Wald fuhren. Ein Hundeauslaufgebiet, ja, aber auch Fahrräder sind erlaubt. Das war schon meine erste Begegnung mit dem ignoranten Hundehalter, von dem es mehr gibt, als so manche von uns wahrhaben wollen.

Ich schimpfte noch auf dem Rückweg, dass dieser Wald, wenigstens am Wochenende, unerträglich sei mit diesen Massen an Hunden und bösen Herrchen und Frauchen.

Vernünftige Argumente gibt es viele

Um es vorweg zu nehmen, -meine Meinung dazu wird sich nicht ändern, wenigstens auf Sonn- und Feiertage bezogen.
Kaum waren wir zu Hause ging es Schlag auf Schlag.

Das Zuwerfen aller vernünftigen Argumente gegen einen Hund in unserer Familie hatten wir schon mehrmals geübt.

  • Einer muss immer mit ihm gehen, morgens, abends, eigentlich dauernd.
  • Er wird nicht nur für ein paar Jahre bei uns sein, sondern im besten Falle 15 Jahre. Er macht Dreck, wo soll er fressen, -nicht in der Küche.
  • Wie machen wir das im Urlaub.
  • Und was, wenn Jonny, der jetzt sieben wird, mit 12 oder 13 nichts mehr vom Hund wissen will?
  • Levin machte gleich mal klar „ich find´s toll, wenn ihr einen Hund anschaffen wollt, aber ich sag´euch gleich, ich bin ja bald ein Jahr im Ausland und so. Also ich kann leider keine Verantwortung für den Hund übernehmen!“
  • Charlotte (11) rief „Ja, klar wollen wir einen Hund! Großartig, das wird ganz toll!“. Sie kann sich sehr schnell begeistern für eine Sache, aber auch Charlotte geht gerade ohne Umwege in die Pubertät und interessiert sich ja jetzt schon mehr für best-friends-for-ever-Freundschaften, snapchat, Klassenchats und … Jungens als für ihre Familienstruktur. Nach dem Motto, Freundschaften ändern sich, Familie bleibt.
  • Dieses Mal war es anders

    Aber jetzt war es anders. Jonny holte schnurstracks sein Hundebuch der 400 Rassen, das ihm sein Großvater, passionierter Jäger, vor einigen Monaten geschenkt hatte.

    Und hatte Papa eben wirklich gesagt „Naja, wenn ihr das alle wirklich wollt und wir uns das alles wirklich gut überlegen, dann würde ich auch mitziehen.“

    Ich traute meinen Ohren kaum. Ich hatte als Kind Katzen, Kaninchen, Fische, eine Schildkröte, einen Hamster, Zebrafinken, aber einen Hund hatte ich nie. Das war ja auch das, was mich so bremste, Unsicherheit. Kann ich überhaupt einen Hund erziehen? Kann ich mit Hunden umgehen? Es ist nicht so, dass schon immer Hunde toll oder so süß fand. Nein, ganz ehrlich, viele habe ich gar nicht beachtet und ich hatte auch immer Respekt. Aber jetzt, -bin ich auf den Hund gekommen?

    Warum wollen wir eigentlich einen Hund?

    Müßig, meiner Psyche da auf den Grund zu gehen. Viel wichtiger war jetzt, die guten Gründe für einen Hund auf den Tisch zu bringen. Jonny hätte einen guten Kumpel. Er ist der Jüngste in der Familie, ist ein sehr fürsorglicher, liebevoller und auch verantwortungsvoller Junge.
    Er würde sich gut und sehr gern um das neue Familienmitglied kümmern. Das stand nicht im Zweifel. Immerhin.
    Der Hund wäre eine Bereicherung und Freude für uns alle. Er würde uns Spaß machen.

    Hatte ich schon erwähnt, dass alle Hunde, denen ich jemals näher begegnet bin mit Christian, sich immer in seine Nähe begaben? Er strahlt so eine Ruhe aus, die Hunde irgendwie magisch anzieht. Diese Magische müsste ich mir dann wohl noch antrainieren. Ich bin bereit.

    Urlaub. Wir fahren meistens, eigentlich immer öfter, an die Nordsee in den Ferien. Bis auf kleine Abstecher auf Balearen ist das einfach unsere zweite Heimat und daran wird sich auch nichts ändern. Ideal für unseren Hund. Nachteil: Wir müssen, wie früher mit kleinen Kindern (Karre, Laufrad, Reisebett), wieder mit zwei Autos fahren. Das neue Leasing-Auto ist wie das alte und sozusagen schon auf dem Weg zu uns. Da gibt’s kein zurück mehr. Aber das kriegen wir hin. Einen Bus wollte ich doch sowieso nie fahren.

    Die Kinder werden groß: Ja, und das ist ja auch gut so. Christian und ich werden trotzdem an die Nordsee fahren und freuen uns dann vielleicht umso mehr, dass wir den Hund noch haben und hoffen, dass alle unsere drei Kinder noch lange gerne mitkommen, dazu kommen, uns gemeinsam mit Freunden besuchen.
    Ich bin auch bereit für die Hundeerziehung. Bin ich das?

    Ungefähr sechs Wochen später habe ich bereits 3 Hundebücher gelesen, noch mindestens ebenso viele neben meinem Bett liegen, habe schon mit Jonny eine Hundetrainerin und ihre Welpenschule besucht, mich mit ihr ausgiebig über geeignete Rassen für uns besprochen und bin sogar nun schon an einem Wurf Mischlings-Welpen ‚dran‘. Es kann sich also nur noch um wenige Wochen handeln.

    Ich gucke im Netz alles an an Hundebetten, Hundekissen, Hundefutter, Hundeversicherung, Hundespielzeug, Clickertraining, Tellington-Touch Massagen, Dogsitter, Hundeschulen etc..
    Und ich hatte schon viele Nächte, in denen ich aufgewacht bin und dachte „Schaffe ich das wirklich, 15 Jahre einen Hund morgens, mittags und abends auszuführen?“

    Jetzt ist es soweit!

    Ein Welpe soll es sein, vielleicht 10-12 Wochen alt.

    welpe

    amayaeguizabal / Pixabay / creative commons public domain


    Das wird harte Arbeit am Anfang. Alle paar Stunden oder womöglich jede nach draußen mit dem Kleinen/der Kleinen.
    Drei Kinder haben wir. Mir kommt es so vor, als hätte ich mir nie so viele Gedanken darüber gemacht, ob ich das hinkriege mit unserem Baby, die schlaflosen Nächte, Stillen, Bauchweh, Herumtragen, wie jetzt über den Hund.
    Die Wahrheit ist sicher, ich habe nur das Gute in Erinnerung und alles Anstrengende ist vergessen und habe ich gerne gemacht. Die Belohnung sind drei wunderbare Kinder, die wir über alles lieben, denen wir immer zur Seite stehen, die uns Freude machen und unserem Leben DEN Sinn gegeben haben.
    Das Schicksal hat das so gewollt. Und das Schicksal wird es auch hinkriegen, dass der Hund auch seinen Platz bei uns findet.

    Danke Nikolaus! Wir freuen uns schon auf deinen nächsten Geburtstag. Dann winken uns Jonny und der Hund zum Abschied in der Haustür zu.

    Ein Gastbeitrag von Catharina Wolff

    Beitragsbild & Quelle: Unsplash / Pixabay / creative commons public domain

    Kommentare