Von Raben- und Hundemüttern

Von Raben- und Hundemüttern

oder die Frage: Darf man eigentlich einen Gassiservice nutzen, ohne ein schlechter Hundebesitzer zu sein?

„Wenn dein Mann auch Vollzeit arbeitet, was macht ihr denn dann tagsüber mit eurem Hund?“ – Seitdem Elisa bei uns eingezogen ist, ist das wohl die Frage, die ich Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunden und anderen Dahergelaufenen am häufigsten beantworten musste. Nicht selten gab es auf meine Ausführungen, dass wir die Dienste eines Gassiservices in Anspruch nehmen, gemischte Reaktionen. Die einen finden interessant, dass es „so etwas überhaupt gibt“, andere abwegig, dass wir für Hundebetreuung Geld ausgeben.

Am schlimmsten sind für mich aber die strafenden Blicke anderer Hundebesitzer, die zu sagen scheinen: „Wie kannst du nur? Jemand wie du sollte überhaupt keinen Hund haben“.

Hund im Büro? Ja, aber…

Ich weiß selbst, dass Hunde am glücklichsten sind, wenn sie bei ihren Leuten sein können. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, seinen vierbeinigen Begleiter mit zur Arbeit zu nehmen und selbst wenn – nicht jeder Hund findet es im Büro besonders schön. Studien belegen zwar, dass Hunde sich generell positiv auf das Betriebsklima auswirken, allerdings setzt dies umgekehrt auch voraus, dass sich Bello im Büro wohl fühlt. In meinem Job muss ich meinen Schreibtisch mehrmals am Tag für Besprechungen in hundefreien Zonen verlassen, was meiner Hündin Elisa eher unheimlich ist. Da die Klinke der Bürotür für sie keine Herausforderung darstellt, kann es schon mal vorkommen, dass irgendwo zwischen Kaffeeautomat und Kopierer ein struppiger Hund auf der Suche nach seinem Frauchen herumirrt – was wiederum nicht bei jedem Kollegen gut ankommt…

Entspannter ist es daher für uns beide, wenn tagsüber jeder seiner Wege geht und wir uns am Nachmittag zu Hause wieder treffen. In der Praxis bedeutet das, dass ich morgens vor der Arbeit eine Runde mit ihr spazieren gehe, sie füttere und zur Arbeit fahre. Nach kurzer Warte- und Verdauungszeit wird Elisa dann von ihrem Gassiservice zum Spaziergang abgeholt. Dann ist sie für mehrere Stunden mit Artgenossen an der frischen Luft unterwegs, kann rennen, spielen, im Sommer schwimmen und einfach Hund sein, anstatt sich in einem grauen Bürogebäude dauernd ruhig verhalten zu müssen.

Unterstützung, aber kein Ersatz

Dass wir unseren Hund stundenweise jemand anderem anvertrauen, bedeutet nicht, dass wir uns nicht um ihn kümmern. Nach Feierabend geht es für Elisa mit Herrchen oder Frauchen nochmal raus in die Natur und auch in der Wohnung beschäftigen wir sie mit Denk- und Suchspielen oder Kuscheleinheiten. Am Wochenende, wenn wir mehr Zeit haben, stehen ausgedehnte Spaziergänge und Hundeschule auf dem Programm.

Ein Hundesitter oder Gassiservice kann kein Ersatz für die Haupt-Bezugsperson des Hundes sein und entbindet den Besitzer auch nicht von der Verpflichtung, sich selbst intensiv mit seinem Hund zu beschäftigen. Wer generell keine Lust auf Gassi gehen hat, für den ist ein Hund tatsächlich nicht der richtige Begleiter. Aber nur, weil man berufstätig ist und sich im Alltag von Gassi-Profis helfen lässt, ist man nicht gleich ein schlechter Hundemensch.

Übrigens: Für Elisa war ihr Platz bei einer mobilen Hundebetreuung gleichzeitig das Ticket in ein neues Leben außerhalb des Tierheims. Ohne die Unterstützung unseres Gassiservices hätten wir sie nämlich gar nicht erst bei uns aufnehmen können.

Und was sind schon ein paar Stunden am Tag getrennt von Herrchen und Frauchen gegen die Perspektive, die nächsten Lebensjahre hinter Gittern verbringen zu müssen?

Ein Gastbeitrag von Sarah Deinert

coffy / Pixabay, creative commons public domain

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