Schnipp, Schnapp, Eier ab

Schnipp, Schnapp, Eier ab

Sturzbetrunken lagen mein Vater und ich uns damals in den Armen, als er mir die bittere Wahrheit über die Frauenwelt ins Ohr flüsterte. „Irgendwann mein Sohn, irgendwann reißen sie Dir die Eier ab.“

Offen gestanden habe ich diese Warnung nicht sehr ernst genommen, da ich mit einer aufgeklärten, modernen Frau zusammenlebe. Das war vielleicht ein Fehler wie sich kürzlich herausstellte, denn die Einschläge kommen immer näher.

Mein armer Hund wurde vergangene Woche zur Rüdin verschnitten!

Aber fangen wir doch einfach mal ganz von vorne an:

Als das erste Mal das Wort „Kastration“ in unserem Haus fiel, war das für mich wie ein Tiefschlag in die Magengegend. Ich blickte sofort zu unserem Rüden, der gar nicht zu begreifen schien, um was es grad ging. Verzweifelt versuchte ich meiner Frau zu erklären, was Kastration eigentlich bedeutet, aber sie wusste das offensichtlich ganz genau und machte lächelnd eine typische Scherenbewegung mit dem Mittel- und Zeigefinger. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Natürlich tat Horton mir auch leid, wenn seine Hormonsuppe richtig zu brodeln begann, er aber keinen „Löffel“ von uns bekam. Wenn in der Nachbarschaft eins der Mädels heiß ist, kann man übrigens die leistungssteigernde Wirkung von Testosteron im Sport live miterleben. Horten überspringt dann plötzlich mit Leichtigkeit unseren mannshohen Zaun. Falls wir das wirksam verhindern wollen, sieht unser Grundstück bald aus wie eine Außenstelle von Guantanamo. Das wäre sicher nicht schön, aber Eier ab?

Für meine Frau stand die Entscheidung unwiderruflich fest

Die Cojones müssen weichen.

Meine Damen, das geht so nicht. Es gibt einfach Dinge, die will ein Mann nicht hören.

Und hier ist die Top 3 dieser Dinge:

  • Platz 3 – Schatz, ich hab mir da was überlegt. (Geht gar nicht!)
  • Platz 2 – Na, fällt dir was an mir auf? (Schrecklich!)
  • Platz 1 – Alle Sätze oder Redewendungen in denen auch nur ansatzweise das Wort Kastration vorkommt. (Unverantwortlich!)

Ok, ich erklär euch Mädels kurz mal, wie es in der Männerwelt wirklich läuft:
Rausgehen Mammut umlegen. Umgelegtes Mammut in die Höhle schleppen und Weibchen flachlegen. Umgelegtes Mammut grillen, essen und dann schlafen (optional noch Mal Weibchen flachlegen). Aufstehen, wieder rausgehen und Mammut…ihr kennt das ja.
Steht da irgendetwas von Kastration? Warum wohl nicht?
Ich konnte das natürlich nicht einfach so geschehen lassen und habe meine Frau zur Rede gestellt. Zuvor hatte ich mein gesamtes Munitionsdepot voll gegoogelt, um ein für alle Mal dieses Thema abzuschließen. Tja, so ganz eindeutig war die Recherche leider nicht.
Die Geschichte der Kastration ist eine Geschichte voller Missverständnisse!

Statistiken, Untersuchungen oder Expertenmeinungen, alle kamen zu dem eindeutigen Schluss: Kann man machen, muss man aber nicht. Kommt wohl irgendwie drauf an. Ja, was denn jetzt?

Wer hat recht?

Nicht ganz uneigennützig habe ich mich natürlich an die Kastrationsgegner gehalten und warf mich todesmutig in die Eierschlacht.
Sie war gut, dass muss ich meiner Frau lassen. Sehr clever argumentiert, aber genau so wenig Beweis für ihre wirren Theorien, wie ich für meine.

Nach einem kurzweiligen „Nein-Doch-Spiel“ bemerkten wir dann aber, dass wir uns gerade in einer intellektuellen Einbahnstraße befanden, die unglücklicherweise auch noch in einer Sackgasse endete.

Ich fühlte mich zeitweilig an die große Weltpolitik erinnert. Nur weil der Andere es sagt, ist es schon mal grundsätzlich doof. So kamen wir absolut nicht weiter. Meine Frau weigerte sich beharrlich zu erkennen, dass ich Recht hatte. Wie egoistisch!

Mein As im Ärmel!

Ich hatte aber noch ein unbestechliches As im Ärmel. Eine höhere Instanz, die diesen Streit entscheiden sollte. Der Tierarzt!

Welcher Veterinär würde einen kerngesunden Rüden ohne zwingende medizinische Notwendigkeit entmannen? Siegessicher kichernd belauschte ich das Telefonat zwischen meiner Frau und einer Tierärztin. Nach ca. 30 Sekunden legte meine Frau zufrieden auf und hatte einen Termin für die Kastration vereinbart. Sprachlos sackte ich auf die Couch. Wie geht das? Keine Fragen an uns zu den Gründen? Nicht mal die Frage, um welches Tier es sich handelt?

Meine Geheimwaffe hatte völlig versagt und ich war viel zu sauer, um mich aufzuregen.

„Für Geld würden die einen Wattwurm kastrieren“, schimpfte ich.

Das Geschrei erregte die Aufmerksamkeit meiner Frau, die sich wenigsten von mir dazu erweichen ließ einen weiteren Veterinär anzurufen. Der zog dann glücklicherweise alle Register und löcherte meine Frau mit gezielten Fragen. Zu meinem Entsetzen hatte sie auf alle Fragen auch durchaus schlüssige Antworten parat.

Nach einigen Minuten reichte mir mein holdes Weib dann lächelnd den Hörer und der Tierarzt erklärte mir in sehr verständlicher Weise, warum dieser Eingriff vielleicht doch sinnvoll sein könnte.

Er hat einen Punkt…

„Stellen Sie sich mal vor, dass den ganzen Tag leicht bekleidete Schönheiten um sie herum tanzen und Ihnen sehr deutliche Signale geben, wenn Sie verstehen was ich meine. (Oh ja, das versteh ich gut!) Und jedes Mal, wenn Sie die Hand nach diesen Schönheiten ausstrecken, tritt Ihnen jemand mit Anlauf in den Hintern. Für Ihr gesamtes restliches Leben!“

Nun ja, das klang wirklich nicht nach Spaß.

„Ach ja, noch was. Es geht übrigens nicht um Ihre Eier. Entspannen Sie sich.“

Mit kleinkindgerecht verschränkten Armen weigerte ich mich, meine Frau zum Tierarzt zu begleiten. Füße stampfen und Luft anhalten habe ich zwar ausgelassen, aber ich wäre dazu bereit gewesen. Ich wollte nicht, dass unser Hund mich mit dieser „Sache“ in Verbindung bringt. Vielleicht komme ich mit, wenn es vorbei ist. Kopfschüttelnd fuhr meine Frau dann vom Hof. Mein Hund schaute traurig aus dem Heckfenster. Ob er was ahnt?

Ganz müder Hund

Ich hab nie verstanden, was manche Leute für ein Theater um ihren Hund machen. Meine Güte, ein Hund! Jetzt saß ich mit feuchten Patschehändchen in der Tierarztpraxis, um unseren Hund abzuholen und wippte unaufhörlich nervös mit den Knien.

Meine Güte, kein Hund mehr. Ein Familienmitglied!

Im Aufwachraum sah ich Horton dann nach der OP wieder

Kein schöner Anblick. Zugänge an den Vorderläufen, apathischer Blick und die Zunge hing regungslos aus der Schnauze. Der Tierarzt scherzte, dass einer seiner Patienten, ein Jagdhund, die absolute Nummer 1 darstelle, weil dieser unmittelbar nach dem Verabreichen der Aufwachspritze aufgesprungen sei. Kaum hatte er den Satz beendet, richtete Horten sich unter unseren ungläubigen Blicken auf und schüttelte sich, als sei nie etwas gewesen.

Horton mit süßem Hundeblick

Bildangaben: Bild & Quelle: Axel Löwenstein

Respekt mein Freund! Um die Sache so durchzuziehen, braucht man echt Eier. Und Nummer 2 ist doch gar nicht mal so übel.

Die Moral von der Geschicht? Frauen verstehen uns Männer einfach nicht.

Ein Beitrag von Axel Löwenstein

Mehr von Axel gibt es auch hier: www.denkfalle.de

Ausserdem von Axel Löwenstein bei Issn‘ Rüde! erschienen:

Beitragsbild & Quelle: 14398 / Pixabay, creative commons public domain
Alle weitere Bilder & Quellen: Axel Löwenstein

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