Irgendwie erreichen uns immer Hunde, die irgendwer abgelegt hat.

Irgendwie erreichen uns immer Hunde, die irgendwer abgelegt hat.

Vielleicht schreibe ich einfach mal von Reno, dem Katzen hassenden riesigen Schäferhund, der 10 Jahre seines Lebens in einem Schuppen angekettet verbrachte.
Renos Vater war ein reinrassiger Deutscher, seine Mutter ein Kanadischer Schäferhund. Welche Charaktereigenschaft nun vom Vater und welche von der Mutter stammten, konnte niemand mehr sagen – aber die weiße Schwanzspitze, des sonst völlig normal gefärbten Fellkleides eines typisch Deutschen Schäferhundes und seine unglaubliche Größe machten ihn rein optisch schon besonders.

Renos Leben bestand darin, zuerst niedlich und verspielt, dann aber zu anstrengend für einen älteren Mann zu sein. Der Mann hatte einen großen Hof mit vielen Nebengelassen, aber ein kleines, verkümmertes Herz – und so wurde Reno kurzerhand in einem Schuppen angekettet. Mehr oder weniger regelmäßig bekam er Futter, und die Hofkatzen hatten schnell heraus, daß sie den Napf oft erreichen und sich daran gütlich tun konnten, ohne daß Reno heran kam.
So war klar, daß Reno auf Katzen nicht besonders gut zu sprechen war.
Ab und zu wurde Reno von einer alten Dame aus seinem Gefängnis geholt, um mit ihr gemächlich ein paar Meter spazieren zu gehen.
Das muß für den jungen Reno schrecklich gewesen sein, denn die Dame war gehbehindert und lief an einem Rollator. Dem alten Reno reichten dann diese kurzen Runden, die ihn aus seinem Verschlag heraus und in die Natur holten.
Der Hilferuf bestand dann darin, daß diese Dame in ein Heim für betreutes Wohnen kam und sich nicht mehr um den alten Hund kümmern konnte. Ob ihm nicht jemand einen Platz zum Sterben bieten wollte…

Die Geschichte rührte mich – und obwohl ich weiß, daß Mitleid der schlechteste Berater ist, entschied ich mich, aus dem hohen Norden mitten in den Ruhrpott zu fahren, um Reno zu uns zu holen.
Ich kannte ihn nur von einem Foto, welche ja bekannterweise die Proportionen des Abgebildeten oft nicht realistisch darzustellen vermögen. So war ich ziemlich erstaunt, was für einem Riesen ich gegenüberstand.

In einer winzigen 2-Zimmer-Wohnung wirkte er NOCH größer und ich bekam Angst vor meiner eigenen Courage.

Reno war so aufgeregt, daß er im Übersprung erst einmal aufritt, als ich mich zu ihm auf den Boden setzte. Nun bin ich nicht gerade besonders lang, im Sitzen logischerweise noch ein bißchen kleiner und der riesige Hund besprang mich dermaßen, daß mein rechtes Auge … ach, lassen wir das.

Vielleicht nur so viel: auch kurzsichtig konnte ich anatomische Studien über das Geschlechtsteil eines Hundes vollziehen!

Auf der Rückfahrt gen Norden wunderte ich mich, daß dieser Hund sich hinlegte und schlief, während ich mir Gedanken darüber machte, was der Katzenhasser wohl mit meinen Katzen anstellt. Engelchen und Teufelchen auf meinen Schulter standen in Diskussion.

  • Engelchen: „Du wirst sehen, er ist total friedlich!“
  • Teufelchen:“Ja, wenn er alle aufgegessen hat!“
  • Engelchen: „Das Neue wird ihm suspekt sein, darum wird er friedlich sein!“
  • Teufelchen:“Ja, dann tötet er eben morgen alle Katzen!“
  • Es grenzte schon ein bißchen an Paranoia, daß meine Gesichtszüge nahezu sekündlich von friedlich grinsend in zu Tode erschrocken abwechselten.

    Weder Engelchen noch Teufelchen hielten die Fresse!

    Dafür blieb aber der beste aller Ehemänner (meiner!) stumm, vielleicht auch, weil ich ihm verschwiegen hatte, wie wenig Reno Katzen mag – oder aber wie gerne, nämlich mit Pommes und Salat zum Frühstück!

    Nach gut 5 Stunden Fahrt, die nur durch einige Pinkelpausen (für mich!) unterbrochen wurden, kamen wir Zuhause an.
    Und wenn Ihr das lesen wollt, dann gebt mir ein Zeichen :-)
    Ansonsten wünsche ich Euch für heute einen traumhaft schönen Tag…

    Ein Gastbeitrag von Katja Breuer

    Bild & Quelle: Katja Breuer

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