Nach reiflicher Überlegung hatten wir uns entschlossen, unserem kleinen Rudel, bestehend aus einer bald 15 jährigen Bordercollie-Mix-Hündin, einer sehr klein geratenen Jack Russell Hündin und einem Kater, einen weiteren Hund hinzuzufügen. Schnell war klar, dass es wieder ein Hund aus dem Tierheim sein sollte. Bedingung musste diesmal sein: Ein junger Hund, der ohne große Probleme einen alteingesessenen Kater akzeptiert. So kam ich auf der Suche im Internet auf die Seite der Tierschutzorganisation „Fellchen in Not“, die sich um die Schicksale der Straßenhunde in Rumänien kümmert. Man muss schon sagen, dass die Schicksale, die diese Hunde haben, teilweise schwer zu ertragen sind. Darauf möchte ich hier auch gar nicht weiter eingehen, denn wer ernsthaftes Interesse daran hat, einem Hund aus Rumänen ein neues Zuhause zu geben, der möge sich selbst auf der informativen Seite von „Fellchen in Not“ umschauen. Ich verstehe auch die kritischen Stimmen mancher Tierschützer, die sagen, dass für jeden rumänischen Hund, der hier nach Deutschland kommt, ein deutscher Hund im Tierheim sitzen bleibt. Das ist sicher nicht wegzudiskutieren.

Gerade in unserem Fall aber musste es ein Welpe sein, und in den hiesigen Tierheimen gab es keine jungen Hunde, die nicht schon ein Päckchen zu tragen hatten und dieses Päckchen natürlich mit in die Familie gebracht hätten.

Ohne Kater und zwei weiteren Hunden hätte ich einem älteren Hund ohne Bedenken den Vorzug gegeben, aber in unsere Situation passte jetzt eben nur ein sehr junger Hund.

Und so ergab es sich, dass „Fellchen in Not“ vier Welpen vorstellte, die zunächst im städtischen Tierheim Cluj in Rumänien unterkamen. Die Bedingungen in diesem sehr großen Tierheim sind teilweise erbärmlich und so musste erst einmal abgewartet werden, ob die vier Welpen, die ohne Elterntiere aufgefunden wurden, überhaupt die ersten Nächte überleben würden.

Wir hatten uns gleich in den einzigen Rüden verguckt und uns per Mail beworben. Schnell kam eine Antwort mit einem Vorvertrag, den ich ausgefüllt zurücksenden musste. Als sich herausstellte, dass alle vier Welpen die ersten Tage prima überstanden hatten, fand sich in Berlin ein weiterer Tierschutzverein (Ein Freund für’s Leben), der bereit war, den Welpen in Deutschland eine Pflegestelle zu bieten und sich vor Ort um die Vermittlung zu kümmern. Fortan hatte ich also Kontakt mit dieser Organisation „Ein Freund für’s Leben“. Diese vermittelte uns auch Jemanden, der eine Vorprüfung bei uns zu Hause durchführte und beschied, dass wir in der Lage wären, noch einen weiteren Hund aufzunehmen. Unser Welpe, der zunächst auf den Namen Niki getauft worden war, befand sich mittlerweile nicht mehr im städtischen Tierheim in Rumänien, sondern in einer Pflegestelle, wo sich ganz offensichtlich sehr gut um ihn und seine beiden Geschwister gekümmert wurde.

Ausreisen dürfen die Hundekinder sowieso nicht vor der 16 Lebenswoche, wenn sie eigentlich schon keine Welpen mehr sind. Wir hatten also genügend Zeit, uns auf den Neuankömmling vorzubereiten.

Bilder und Filme bekamen wir auch gesendet. Da unser Kleiner ohne Elternteile aufgegriffen worden war, konnte man unmöglich vorhersagen, wie groß er wohl mal werden wird, geschweige denn, welche Rasse er ist. Wir sahen große, dicke Pfoten, einen kräftigen, runden Welpenkörper und eindeutig ein Schäferhundgesicht. Der muss groß werden, dachten wir, und kauften dementsprechend eine geräumige Hundedecke ein. Damit hätten wir noch warten sollen, denn nach mehreren Tagen stellte sich heraus, dass Niki (den wir insgeheim schon Kenai getauft hatten) und seine Schwester so gut wie gar nicht gewachsen waren. Seine andere Schwester hingegen war schon um einiges größer. Schwester Nummer 3 war mittlerweile in Rumänien vermittelt worden.

Zwei Monate, nachdem wir uns um den kleinen Welpen aus Rumänien beworben hatten, war es endlich soweit. Ein Ausreisetermin wurde festgelegt, an dem unser Kenai, mit ca. zehn weiteren Hunden aus Rumänien nach Deutschland transportiert werden sollte. Auch hierfür werden übrigens immer dringend Spender benötigt. Die Tierschutzorganisation in Rumänien hat keine eigenen Transporter zur Verfügung und muss auf ein Transportunternehmen zurückgreifen!

 

An einem eisigen Samstagmittag Ende März durften wir unser neues Familienmitglied bei einer Hundepension in Empfang nehmen. Die engagierte Dame dort organisierte die Übernahme und den Weitertransport der Hunde. Man muss sich vorstellen, wie lange diese Hunde zuvor unterwegs waren, bis man sie aus ihren Transportkäfigen entlassen und ihren neuen Familien übergeben konnten. Dass sie trotzdem recht fidel, sehr sauber und nicht unzufrieden wirkten, hat mich regelrecht verwundert. Natürlich wirkte unser kleiner Welpe verstört. Er gab zunächst mal keinen Laut von sich, fing erst nach fünfzehnminütiger Autofahrt an zu wimmern.

2 junger hund mit schnee im gesicht

Bild & Quelle: Sonja Guijarro

Zuhause angekommen, konnten wir uns dann erstmal ein Bild von ihm machen. Ein absolutes Überraschungsei hatten wir bekommen! Nicht höher als 30 cm, mit einem absoluten Schäferhundgesicht, kräftigen, wolligen Fell und Dackelbeinen. Trotz seines sicher schwierigen Starts ins Leben, überraschte uns Kenai mit einem überaus freundlichen, neugierigen Wesen. Von Anfang an war er sehr anhänglich und hatte uns gegenüber kaum Scheu! Für mich auch ein Zeichen dafür, dass die Organisation vor Ort wirklich tolle Arbeit geleistet hat.

3 welpe springt durch schnee

Bild & Quelle: Sonja Guijarro

Nun ist unser Junge schon über eine Woche in unserer Familie und gibt alles, sich zu integrieren. Insbesondere der Kater wird mit Liebesbekundungen geradezu überhäuft, es vergeht kein Tag, an dem ihm nicht akribisch auf Hundeart die Katzenöhrchen saubergeleckt werden. Wer hätte gedacht, dass ein Hund, mit einem so offensichtlich schwierigen Start ins Leben, so offen und neugieriges durch dieses geht. Wir sind alle sehr gespannt, wie sich der Kleine weiter entwickelt und ganz besonders gespannt sind wir auch darauf, wie groß er denn noch wird.

4 hund mit spielzeug schwein im maul

Bild & Quelle: Sonja Guijarro

 

Ein Gastbeitrag von Sonja Guijarro

Alle Beitrags-Bilder & Quelle: Sonja Guijarro