DIE 3 GRÖSSTEN MYTHEN ÜBER HUNDE – TEIL 3: IMPONIEREN

DIE 3 GRÖSSTEN MYTHEN ÜBER HUNDE – TEIL 3: IMPONIEREN

In Teil 1 und Teil 2 der Beitragsreihe „Die 3 größten Mythen über Hunde“ habe ich dir eine kleine Übersicht über die Themen gegeben und habe dich auch schon intensiver mit dem Thema „Dominanz“ vertraut gemacht.

Heute werden wir uns mit dem Imponieren beschäftigen – eins meiner Lieblingsthemen, da es komplex ist, aber häufig zu beobachten ist. In unserer Gesellschaft kann man jeden Tag und zu jeder Zeit Menschen und Hunde sehen, die einander imponieren. Ob im Büro, in der Stadt, beim Einkaufen, beim Sport, auf dem Kinderspielplatz, in der Schule, im Stau, auf der Autobahn oder sogar auf dem Hundeplatz. Auf manchen Hundeplätzen sieht man sogar mehr Menschen die imponieren, anstatt der Hunde.

Genug um den heißen Brei geredet.

Jetzt fangen wir auch endlich an. Die wichtigste Frage zuerst:

Was ist Imponieren?

Kurz ausgedrückt ist Imponieren das Zeigen der eigenen Stärke und Überlegenheit.

Man könnte anstatt imponieren auch das Wort beeindrucken verwenden, jedoch ist dies – wie auch bei der Dominanz – zu sehr im Wortschatz der Hundepsychologie verknüpft.

Der Imponierende will sich beweisen, er will zeigen, was er alles kann und dass es viel Sinn macht, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und mit ihm seine Zeit zu verbringen. Man kann es auch als „ältestes natürlichstes Marketingprodukt“ bezeichnen. Im Endeffekt ist es nichts anderes als sich selbst zu bewerben, manchmal werden auch Ressourcen beworben, dazu aber später mehr.

Das Imponieren ist in manchen Fällen ungerichtet, es wird sogar gezeigt, wenn niemand in der Nähe ist. Es ist also in solchen Situationen an alle und doch an keinen direkt gerichtet, im Gegensatz zum Dominieren. Wie kann man es denn sehen, wenn niemand in der Nähe ist? Durch Kameraaufzeichnungen konnte dies beobachtet werden.

Der Unterschied – zwischen Hunden und Menschen – liegt jedoch in der Ausführung.

Während Hunde damit auch ihre sozialen Strukturen festigen und vertiefen, nutzen wir Menschen dies hauptsächlich um andere von uns zu beeindrucken.

Ein Beispiel, welches mir sehr oft auffällt:

Als ich unter der Woche abends oder sonntags in einer Stadt an einem Café saß, habe ich beobachten können, dass in 10 Minuten zum 5. Mal der selbe Typ mit seinem glänzenden Lamborghini an mir vorbei gefahren ist. Hast du das auch schon einmal beobachtet? Oft genug habe ich mich gefragt, wieso der Typ das macht und was es für einen Sinn hat, außer die Leute zu nerven. Ich habe sogar eine Antwort gefunden: er will den Gästen im Café zeigen, was für ein toller Typ er ist und wie viel Geld er besitzt, da er sich ja so einen teuren Sportwagen leisten kann.

Durch diese Aktion will er also andere beeindrucken und ihre Aufmerksamkeit haben. Er braucht Aufmerksamkeit, da ihn womöglich sein Geld nicht erfüllt. Vermutlich steckt auch noch einiges mehr dahinter, als zu imponieren. Aber wir sind hier ja nicht beim Psychologen-Treff, sondern bei einem Beitrag von Kevin Ludwig (Hundgehorsam).

Bei Hunden ist es zwar anders, aber ich möchte dir hier einige Parallelen zeigen.

Schauen wir es uns doch gleich einmal genauer an.

Was nutzt der Hund zum Imponieren, wenn der Mensch mit seinem Sportwagen um den Block fährt?

Hunde können Autos noch nicht fahren und werden es wohl auch niemals können, aber man weiß ja nie. Vielleicht erfindet Google oder Apple bald ein Auto, welches von einem Hund gesteuert werden kann.

Nun aber wieder zurück zum Thema:

Der Hund nutzt seinen Körper und auch Ressourcen – wie der Mensch das Auto.

Als Ressourcen werden bei Hunden Stöcke, Futter, Spielzeug und andere „handliche“ Gegenstände genutzt. (Ein Sportwagen wäre dem Hund wohl zu schwer. 😉 )

Der Körper des Hundes wird ganz bewusst optisch vergrößert. Die Beine werden durchgestreckt, die Nacken- und Rückenhaare werden gestellt, der Hals und die Ohren aufgerichtet und der Gang wirkt sehr hölzern. Diese optischen Zeichen können auch individuell mit Knurren und anderen Lauten kombiniert und müssen nicht immer zur selben Zeit gezeigt werden. Will der Hund aber sehr intensiv seine eigene Überlegenheit präsentieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er mindestens die oben genannten Verhaltensweisen zeigt.

Mit welchen Verhaltensweisen kann der Hund imponieren?

Es konnten zur Zeit mehr als 10 verschiedene Verhaltensweisen von Verhaltensforschern beobachtet werden. Ich habe dir mal die drei häufigsten herausgesucht, die du sicher auch bei deinen Gassirunden gelegentlich beobachten kannst – sofern du anderen Hunden begegnest, wovon ich schwer ausgehe, wenn du nicht auf einer einsamen Insel wohnst.

Die Reihenfolge spielt hierbei natürlich keine Rolle, ich habe dies einfach so geschrieben, wie es mir gerade eingefallen ist. Auch hier ist es wichtig zu erwähnen, dass dein Hund nicht genau die beschriebene Verhaltensweise zeigen muss, er kann auch Signale zeigen, die hiervon abweichen. Interessant ist auch, dass dein Hund Signale zeigen kann, die zu verschiedenen Verhaltensweisen gehören und sich somit überschneiden.

1. Demonstrieren:

Das Demonstrieren ist die Verhaltensweise, welche am häufigsten im Bezug auf das Imponieren gezeigt wird. Hierbei stehen zwei Tiere entweder frontal oder parallel (es kann auch vorkommen, dass die Tiere mit dem Kopf an dem Hintern des Gegenüber stehen und umgekehrt) nebeneinander. Hier kommt es – wie wir schon beim Dominieren [Link] gelernt haben – auf die Stellung in der Gruppe an.

Die Gliedmaßen sind hierbei sehr steif, die Ohren und der Hals nach oben gerichtet, die Muskulatur ist angespannt, die Hals- und Nackenhaare sind gestellt und der Körper ist aufgerichtet.

Das Demonstrieren ist oft die Basis für viele andere Verhaltensweisen, die etwas mit dem Imponieren zu tun haben. Auch kommt es – wie beim Dominieren – ganz auf die Situation an, welche dann entscheidet, ob der Konflikt eskaliert oder die Tiere getrennte Wege gehen.

2. Imponierscharren:

Beim Imponierscharren schaufelt der Hund mit seinen Pfoten lose Erde nach hinten. Die Körperhaltung ähnelt sehr dem Demonstrieren und die Ausdrucksstrukturen (Augen, Ohren, etc.) sind auf das Gegenüber gerichtet.

3. Imponiertragen:

Auch die Körperhaltung des Imponiertragens ähnelt dem Demonstrieren. Der Hund läuft mit erhobenem Kopf, erhobenem Schwanz und steifen Gliedmaßen vor anderen Hunden und Menschen vorbei und präsentiert stolz seine „Beute“ die er im Maul trägt. Oft handelt es sich um Spielsachen, Futterstücke oder sonstige Raritäten. Versucht das Gegenüber nach der „Beute“ zu greifen, dreht der imponierende Hund schnell den Kopf weg und stolziert weiter.

Was haben wir heute gelernt?

Hunde und Menschen nutzen das Imponieren, um ihre eigene Stärke und Überlegenheit zu zeigen. Aber Hunde und Menschen nutzen hier unterschiedliche Verhaltensmuster. Während der Mensch gerne mit Gütern und anderen Dingen angibt und herumprahlt, nutzen die Hunde viel öfter ihren Körper, aber auch Objekte.

Das ein oder andere Imponierverhalten der Menschen ist mehr als sinnlos. Was habe ich denn davon, wenn ich 50 mal um den Block fahre, nur um anderen zu zeigen, was für ein tolles Auto ich besitze? So ähnlich ist es auch bei Hunden, wenn diese das Imponiertragen zeigen.

Das Imponieren ist aber jedenfalls sinnvoll, um in einer Gruppe verschiedene Positionen und Regeln (wem gehört diese Ressource?) zu etablieren. Das Imponieren ist indirekt eine Erweiterung des Dominierens, da hierbei auch die Körperhaltung eine wichtige Rolle spielt.

Hast du schon mal eine Verhaltensweise beobachtet, in der ein Hund imponiert hat? Lass es uns doch in den Kommentaren wissen. Gerne so detailliert wie möglich.

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